Lebensdaten
1893 bis 1975
Geburtsort
Ostwig (Hochsauerlandkreis)
Sterbeort
Alsbach bei Engelskirchen (Oberbergischer Kreis)
Beruf/Funktion
Oberpräsident der Rheinprovinz ; Landwirtschaftfachmann
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 117297356 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lüninck, Hermann Freiherr von
  • Lüninck, Hermann Joseph Antonius Maria von

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Lüninck, Hermann Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117297356.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1856–1921), auf O. usw., S d. Ferdinand (1818–75), auf Ostwig u. d. Maria Gfn. v. Wiser;
    M Anna-Maria (1869–1957), T d. Parlamentariers Hermann v. Mallinckrodt ( 1874, s. NDB 15) u. d. Elisabeth Freiin v. Bernhard;
    Ur-Groß-Ov Ferdinand (s. 1);
    B Ferdinand (1868–1944), Landrat, Führer d. Westfalenbundes, den er 1924 in d. Stahlhelm eingliederte, tätig in d. agrar. Standesorganisation, 1931 Präs. d. Landwirtsch.kammer in Münster, 1933-38 Oberpräs. v. Westfalen (s. L);
    - Lüdinghausen 1925 Bertha (1897–1945), T d. Amtsgerichtsrats Ignaz Gf. v. Westerholt u. Gysenberg u. d. Marie Gfn. v. Robiano;
    1 S, 6 T, u. a. Adelheid ( Oswald Frhr. v. Fürstenberg, * 1908, Kurator d. Univ. Münster).

  • Leben

    L. studierte Rechtswissenschaft und legte nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg im Okt. 1920 die Regierungsassessorenprüfung ab. Er trat als scharfer Kritiker der Zentrumspartei hervor, der er Verrat an ihren alten Idealen vorwarf, weil sie am Zustandekommen der nach seiner Auffassung „mit antikirchlichem Geiste durch und durch durchtränkten“ Weimarer Reichsverfassung mitgewirkt hatte. Nachdem L. zwei Jahre Hilfsarbeiter im preuß. Ministerium des Innern gewesen war, wurde er an die Regierung nach Arnsberg versetzt, was er als Bestrafung für seine politische Tätigkeit auffaßte. Er verließ den Staatsdienst und betätigte sich in Verbänden der rhein. Landwirtschaft, in denen er als nachdrücklicher Befürworter einer „Einheitsorganisation“ der verschiedenen Vereinigungen rasch zu Spitzenstellungen aufstieg: 1925 wurde er Präsident der Rhein. Landwirtschaftskammer, 1929 Präsident der Vereinigung des Rhein. Bauernvereins und des Rhein. Landbundes, 1931 Präsident des Rhein, landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbandes.

    Seine Ablehnung des organisierten Katholizismus und des parlamentarischen Systems führten L. in den 30er Jahren zur Bejahung der Politik Papens und in den Umkreis der mit dem Nationalsozialismus sympathisierenden Arbeitsgemeinschaft kath. Deutscher. Obwohl er den Beitritt zur NSDAP unter Berufung auf seine seit jeher bewiesene nationale und soziale Gesinnung ausdrücklich ablehnte, wurde er im Frühjahr 1933 zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannt. Im Streben nach Kompetenzabgrenzung zwischen Nationalsozialismus und Kirche bei gleichzeitiger scharfer Kritik an der Führung der kath. Verbände, der er vorwarf, sich gegen „die den nationalen Aufbruch tragenden Kräfte“ zu stellen, betrieb L. gegen diese eine Politik enger Restriktion, die entsprechenden Maßnahmen in anderen Provinzen vorauseilte. Die Mordaktion vom 30.6.1934 im Zusammenhang mit der Röhmaffäre, die Aushöhlung der Staatsautorität durch die um sich greifende Parteiwillkür und der|Kampf gegen die Kirchen erschütterten L.s anfängliches Vertrauen in die Regierung Hitler und „die Vereinbarkeit der nationalsozialistischen Staatsauffassung mit der kath. Glaubenslehre“. Nach der Saarabstimmung verlor er am 5.3.1935 sein Amt, am 2.6.1937 auch die Mitgliedschaft im Preuß. Staatsrat. Im 2. Weltkrieg gehörte L. wie sein Bruder Ferdinand zum Widerstandskreis um Beck und Goerdeler. Am 13.10.1944 verhaftet und am 18.1.1945 vor den Volksgerichtshof gestellt, entging er dem beantragten Todesurteil, weil für seinen Fall ein neuer Termin anberaumt wurde, der nicht mehr zustandekam.

  • Werke

    Für Wahrheit, Freiheit u. Recht! Ausw. v. Vorträgen u. Denkschrr., 1973.

  • Literatur

    F. Jacobs, Von Schorlemer zur Grünen Front, 1957;
    R. Morsey, Die Dt. Zentrumspartei 1917–23, 1966;
    K. Breuning, Die Vision d. Reiches, 1969;
    B. Schellenberger, Kath. Jugend u. Drittes Reich, 1975;
    Das dt. Führerlex. 1934/35, 1935. - Zu B Ferdinand: 20. Juli 1944, bearb. v. H. Royce, 41961 (P)
    ;
    K. Teppe, Die Oberpräsidenten d. Prov. Westfalen 1919–45, in: Mentalitäten u. Lebens Verhältnisse, Festschr. R. Vierhaus, 1982, S. 267-69.

  • Autor/in

    Heinz Hürten
  • Empfohlene Zitierweise

    Hürten, Heinz, "Lüninck, Hermann Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 470 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117297356.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA