Lebensdaten
1872 bis 1930
Geburtsort
Potsdam
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Musikforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117282790 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig, Friedrich
  • Ludwig, Friedrich Franz Albert

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Zitierweise

Ludwig, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117282790.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albert, Weinbergsbes.;
    M N. N.;
    1902 Elisabeth Hagenauer.

  • Leben

    Nach Absolvierung des Viktoria-Gymnasiums in Potsdam studierte L. seit 1890 in Marburg und Straßburg Geschichte und Musikwissenschaft und wurde 1896 bei Harry Bresslau mit der Dissertation „Untersuchungen über die Reise- und Marschgeschwindigkeit im 12. und 13. Jh.“ promoviert. Seit 1899 unternahm er Forschungsreisen nach Frankreich, England und Italien und lebte seit 1902 als freiberuflicher Forscher in Potsdam. 1902 habilitierte er sich für Musikwissenschaft an der Univ. Straßburg, wurde dort 1910 ao. Professor und, nach Teilnahme am Weltkrieg, 1920 o. Professor an der Univ. Göttingen (Rektor 1929/1930), die seither ein Zentrum der musikwissenschaftlichen Mittelalterforschung geblieben ist.

    L. war der bedeutendste deutsche Musik-Mediaevist seiner Zeit. Auf Anregung seines Lehrers Gustav Jacobsthal betrachtete er die Erforschung der vor dem Palestrinastil liegenden Epochen als Hauptaufgabe seiner Arbeit. Als Historiker sah er das mittelalterliche Europa als kulturelle Einheit und hat so, erst in Analogie zu der von Ranke gesehenen geistigen Zusammengehörigkeit der german.-roman. Völker, später in enger Berührung mit Huizinga und in Kontakt zu mittellat., roman. und deutscher Philologie in der musikalischen Mediaevistik die nationale Blickrichtung des 19. Jh. überwunden und dem modernen übernationalen Denken in der Musikwissenschaft des 20. Jh. entscheidend vorgearbeitet. In der Berücksichtigung auch der mittelalterlichen Musik slav. Völker ist er, von Zdeněk Nejedlý abgesehen, zunächst allein geblieben. Seine diesbezüglichen Anregungen haben in Forschungen slav. Gelehrter erst nach dem 2. Weltkrieg reiche Früchte getragen. Sein Hauptinteresse galt der franz. Musik des 11.-14. Jh., deren Erschließung ihm in Anschluß an Edmond de Coussemaker, Gustav Jacobsthal und Wilhelm Meyer sowie in Konkurrenz mit Jean Beck und Pierre Aubry entscheidende Impulse verdankte. Sein Hauptinteresse galt dabei der handschriftlichen Überlieferung mittelalterlicher Musikwerke, doch hat er zur Frage der Relation zwischen Gesellschaft, Kultur und Dichtung sowie der franz. und ital. Musik des Mittelalters weiterführende Aussagen gemacht. Seine Handschriften- und Stilvergleiche ließen ihn zu einer Chronologie der kaum datierbaren Werke von „Ars antiqua“ und „Ars nova“ finden, die Werden, Blütezeit und Verfall der hochmittelalterlichen ein- und mehrstimmigen Kunstmusik in überzeugender Folgerichtigkeit darstellte. Auch seine Ausführungen zum hochmittelalterlichen Organum sind heute noch von Bedeutung. Zu seinen Schülern zählen Friedrich Gennrich, Heinrich Besseler, Higini Anglès, Heinrich Husmann und Joseph Müller-Blattau.

  • Literatur

    H. Besseler, in: Zs. f. Musikwiss. 13, 1930/31, S. 83 ff.;
    J. Müller-Blattau, Dem Andenken F. L.s, 1930;
    Ch. Mahrenholz, in: Musik u. Kirche 2, 1930, S. 290 f.;
    L. Schrade, in: Musikerziehung 7, 1930, S. 333 ff.;
    G. Cesari, in: Rivista musicale italiana 38, 1931, S. 110 ff.;
    F. Gennrich, Die Straßburger Schule f. Musikwiss., 1940;
    ders., Wer ist d. Initiator d. Modaltheorie? Suum cuique, in: Miscelánea en homenaje a Monseñor Higini Anglès 1, 1958, S. 315 ff.;
    J. Chailley, Quel est l'auteur de la « théorie modale » dite de Beck-Aubry ?, in: Archiv f. Musikwiss. 10, 1953, S. 213 ff.;
    MGG VIII (W-Verz.).

  • Autor/in

    Othmar Wessely
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Othmar, "Ludwig, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 428 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117282790.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA