Lebensdaten
1856 bis 1929
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Geologe ; Paläontologe ; Mineraloge ; Professor in Bonn
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117259217 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinmann, Gustav

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Zitierweise

Steinmann, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117259217.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian, Registrator am hzgl. braunschweig. Kriegskollegium, Intendanturrat am hzgl. Hoftheater Braunschweig;
    M Elisabeth Dettmer; 3 ältere Schw.;
    1886 Adelheid (s. 2);
    1 S Gustav (* 1887), Dr. phil., Studienrat in Essen;
    E Wulf|(* 1930), Prof. f. Physik an d. Univ. München, 1982–90 Präs., 1990–94 Rektor (s. Kürschner, Gel.Kal. 2011).

  • Leben

    S. besuchte die Bürgerschule und das Gymnasium in Braunschweig und studierte seit 1874 an der dortigen TH Chemie, Mineralogie und Geologie, seit 1876 an der Univ. München Geologie, Paläontologie, Zoologie und Petrographie, u. a. bei Karl v. Zittel, Wilhelm v. Gümbel, Karl Emil Schafhäutl und Conrad Schwager. Nach der Promotion 1877 bei v. Zittel mit einer Arbeit „Über fossile Hydrozoen aus der Familie der Coryniden“ (in: Palaeontographica 25, 1878, S. 101–24) wurde S. Assistent von Wilhelm Benecke (1838–1917) an der Univ. Straßburg, der sein Lehrer und Vorbild in der geologischen und paläontologischen Kartier-, Gelände- und Sammlungsarbeit wurde. 1880 habilitierte sich S. dort über Jura- und Kreidefossilien in Bolivien, ging 1885 für ein Semester als ao. Professor für Mineralogie und Geologie an die Univ. Jena und folgte 1886 einem Ruf als o. Professor der Mineralogie und Geologie (seit 1895 Geologie u. Paläontologie) an die Univ. Freiburg (Br.) (1899/1900 Prorektor). Er veranlaßte den Neubau seines Instituts (1901) und war kartierender Mitarbeiter der Bad. Geologischen Landesanstalt. Mit seiner Frau spielte S. 1900 als Prorektor eine wichtige Rolle bei der Öffnung der Univ. Freiburg für das reguläre Frauenstudium als erste Hochschule im Dt. Reich. Rufe nach Tübingen (1885) und Wien (1902) lehnte S. ab, folgte jedoch 1906 einem Ruf an die Univ. Bonn, wo er ebenfalls einen Institutsneubau (1911) erwirkte (em. 1924).

    S. genoß als Geowissenschaftler hohes Ansehen, trotz seiner umstrittenen Abstammungslehre. Darin lehnte er Darwins Stammbaum ab und vertrat stattdessen die unabhängige Entwicklung der einzelnen Stämme. S. negierte auch die Tatsache des Aussterbens einzelner Organismengruppen in der Erdgeschichte. Er unternahm zahlreiche Forschungsreisen (u. a. 1882–84 u. 1903–04 Südamerika, 1908 Peru, 1929 Ostasien). Sein breit gefächertes Werk erstreckt sich v. a. auf Südamerika (bes. Anden), die Alpen, den Apennin und Südwestdeutschland, mit den thematischen Schwerpunkten Regionale Geologie und Stratigraphie, Paläontologie der Wirbellosen, Paläobotanik, Abstammungslehre, eiszeitliche Menschen und Didaktik der Geologie. S.s Forschungen in Südamerika führten u. a. zu einem ersten Gesamtbild der Geologie von Peru. In den Alpen erkannte S. die Existenz ehemaliger ozeanischer Kruste anhand dreier Gesteinstypen (sog. Steinmann-Trinität, 1905) und schuf damit die Grundlagen für das Verständnis der Alpen und des Apennins als Deckengebirge. Seinerzeit teils abgelehnt, wurden seine Thesen durch die moderne Plattentektonik bewiesen. Für Südwestdeutschland entwickelte S. Gliederungen eiszeitlicher Ablagerungen, sein geologischer Führer der Umgebung von Freiburg ist bis heute einzigartig. S. gründete 1907 den Niederrhein. Geologischen Verein (Vors. bis 1928, dann Ehrenmitgl.), 1910 die Geologische Vereinigung (1910–29 Schriftleiter, 1920–29 Vors.), 1911 die Rhein. Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung (Vors. bis 1923) und 1912 das Dt.-Südamerik. Institut.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Dt. Geol. Ges., d. Oberrhein. Geol. Ver. (1896–1903 Schriftführer), d. Naturforschenden Ges. Freiburg (mehrfach Vors.), d. Niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkde. (1924–26 Vors.); Ehrenmitgl. u. a. d. Dt. u. d. Wiener Geol. Ges., d. Oberrhein. Geol. Ver., d. Niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkde. Bonn, d. Bonner Anthropol. Ges., d. Naturwiss. Ver. Braunschweig, d. Naturforschenden Ges. Freiburg (Br.), d. Soc. Géologica del Perú; korr. Mitgl. d. Russ. Ak. d. Wiss. St. Petersburg /Leningrad, d. Naturforschenden Ges. Basel, d. Ac. Nacional de Ciencias en Cordoba; Zähringer Löwenorden; bad. HR (1901); GHR (1905); Jubiläumsmedaille d. Ghzg. Friedrich v. Baden (1902); preuß. Geh. Bergrat (1906); Goldene Moreno-Medaille d. Univ. La Plata (1925); G.-S.-Medaille d. Geol. Vereinigung (seit 1938).

  • Werke

    mehr als 120 Publl. u. a. Zur Kenntnis d. Jura- u. Kreideformation v. Caracoles (Bolivia), in: Neues Jb. f. Mineral., Geol. u. Paläontol., 1881, Beil. 1, S. 239–301 (Habil.schr.);
    Pharetronen-Studien, ebd. 1882, S. 139–91 (mit L. Döderlein);
    Elemente d. Paläontol., 1890 (mit dems.);
    Geol. Führer d. Umgebung v. Freiburg, 1890 (mit F. Graeff);
    Über triad. Hydrozoen v. östl. Balkan, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien, Math.-naturwiss. Kl., 102, S. 457–502;
    Über d. Gliederung d. Pleistocän im bad. Oberlande, in: Mitt. d. bad. geol. Landes-Anstalt 2, 1893, S. 743–91;
    Die Spuren d. letzten Eiszeit im hohen Schwarzwalde, in: FS z. 70. Geb.tag d. Ghzg. Friedrich, hg. v. d. Univ. Freiburg, 1896, S. 189–226;
    Einf. in d. Paläontol., 1903, 21907 (mit L.Döderlein);
    Geol. Beobachtungen in d. Alpen, in: Berr. d. naturforschenden Ges. Freiburg (Br.) 9, 1886, S. 245–63, ebd. 10, 1887, S. 215–92 u. 16, 1905, S. 18–67;
    Geol. Probleme d. Alpengebirges, in: Zs. d. Dt. u. Österr. Alpenver. 37, 1906, S. 1–44;
    Alpen u. Apennin, in: Zs. d. Dt. Geol. Ges. 59, 1907, S. 177–83;
    Die geol. Grundlagen d. Abstammungslehre, 1908;
    Die Eiszeit u. d. vorgeschichtl. Mensch, 1910, 21917;
    Gibt es fossile Tiefseeablagerungen v. erdgeschichtl. Bedeutung?, in: Geol. Rdsch. 16, 1925, S. 435–68;
    Über Ganoiden u. Knochenfische, in: Paläontol. Zs. 9, 1927, S. 9–83;
    Geol. v. Perú, 1929 (mit R. Stappenbeck, A. Sieberg u. C. Lissón, span. 1930).

  • Literatur

    Geol. Rdsch. 12, 1921, S. 99–108 (W-Verz.);
    S. P. Cornelius, in: Verhh. d. Geol. Bundesanstalt|12, 1929, S. 233–35;
    O. Wilckens, ebd. 21, 1930, S. 389–415 (W-Verz., P);
    ders., in: Paläontol. Zs. 12, 1930, S. 1–5 (P);
    J. Wanner, in: Cbl. f. Mineral., Geol. u. Paläontol., Abt. B, 1930, S. 1–8 (P);
    O. Wilckens, in: Paläontol. Zs. 12, 1930, S. 1–5 (P);
    L. Kober, in: Mitt. d. Geol. Ges. Wien 22, 1930, S. 153–55;
    M. Pfannenstiel, Zur Gesch. d. Geol.-Mineral. Slgg. d. Univ. Freiburg (Br.), in: E. Zentgraf (Hg.), Aus d. Gesch. d. Naturwiss. an d. Univ. Freiburg (Br.), 1957, S. 77–96;
    N. Tilmann, in: Berr. d. Verslgg. d. niederrhein. geol. Ver., 1929, S. 1–4 (P);
    Pogg. III, IV, VI;
    E. Dacqué, in: DBJ XI, S. 292–95 u. Tl.;
    G. Rahm, in: Bad. Biogr. NF III, 1990, S. 261–63;
    Henze, Entdecker;
    Qu
    Archiv d. Univ. Freiburg (Br.).

  • Autor/in

    Eckhard Villinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Villinger, Eckhard, "Steinmann, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 214-216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117259217.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA