Lebensdaten
1816 bis 1895
Geburtsort
Rittergut Schleinitz bei Naumburg
Sterbeort
Trattlau (Kostrzyna, Oberlausitz)
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117247391 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tauchnitz, Christian Bernhard Freiherr von
  • Tauchnitz, Christian Bernhard (bis 1860)
  • Tauchnitz, Bernhard Freiherr von (seit 1860)
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Zitierweise

Tauchnitz, Bernhard Freiherr von (seit 1860), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117247391.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christian Leberecht T. († 1835), Dr. iur., Jur. in Leipzig, Bes. d. Rr.guts Sch.;
    M Johanna Wilhelmine, T d. Jacob Friedrich Kees (1750–1821), Dr. iur. utr., Beisitzer d. kfstl. sächs. Oberhofger. in Leipzig, o. Prof. d. Rechte ebd., Vf. e. Hdb. d. prot. Kirchenrechts (s. Hamberger-Meusel; Jöcher);
    Ov Karl T. (s. 1);
    B u. a. Christian Theodor T. (1812–70), Dr. iur., sächs. Oberappellationsger.rat;
    Leipzig 1837 Henriette Morgenstern (1817–96), aus Leipziger Kaufmannsfam.;
    2 S Bernhard (1841–1921, ⚭ Louise Nitzsche, 1846–1919, aus Leipzig), Dr. iur., 1866 Teilh., seit 1895 Chef d. väterl. Verlagshauses „Bernhard Tauchnitz“ in Leipzig, brit. Gen.konsul f. d. Kgr. Sachsen, f. Sachsen-Weimar-Eisenach, f. d. sächs. Herzogtümer u. d. reuß. u. schwarzenburg. Fürstentümer (s. Wi. 1914; DBJ III, Tl.), Paul (1845–1921, Isabella Freiin Palombini, 1887), auf Bärenklause b. Dresden, preuß. Oberst, 3 T Henriette Antonie (1838–92, ⚭ Eduard Otto [Othello] v. Kreutzburg), Auguste Wilhelmine Elisabeth (1839–66, ⚭ Kurt v. Raab, 1834–1908, sächs. Gen. d. Inf., Hist., 1896 Erster Vors. d. sächs. Altertumsver., Ehrenmitgl. d. vogtländ. Altertumsvereine, Dr. phil. h. c., s. Dt. Zeitgenossen-Lex., 1905; BJ 13, S. 103–07 u. Tl.; Berühmte Vogtländer II, 1999), Minna Clara Adele (* 1843);
    N Christian Hermann, Dr. iur., Verl.;
    Gr-N Stephan (* 1889), Jur., Verlagsbuchhändler, Dipl., Legationssekr. in Buenos Aires u. Montevideo, Gen.konsul in Antwerpen, Gesandtschaftsrat in Konstantinopel bzw. Ankara, zuletzt in Mittelamerika u. Panama (s. Wi. 1935).

  • Leben

    |Vom 6. bis zum 12. Lebensjahr besuchte T. die renommierte Erziehungsanstalt für Knaben aus den höheren Ständen „Wackerbarths Ruh“ (Langs Knabenschule) in der Nähe von Dresden. Er absolvierte eine buchhändlerische Ausbildung in der Kayserschen Buchhandlung in Leipzig und trat dann in die Firma seines Onkels Karl ein.

    Gut ein Jahr nach dessen Tod 1836 gründete der 20jährige T. am 1. 2. 1837 eine „Buchdruckerei und Buchhandlung“ unter dem Namen Bernhard Tauchnitz jun., seit 1852 Bernhard Tauchnitz. Dafür wie auch für seine Eheschließung war ihm vorzeitig die Volljährigkeit bescheinigt worden.

    Nach ersten Druckaufträgen für andere Verlage trat T. bald als Verleger in Erscheinung – mit rechtswissenschaftlicher und theol. Literatur, griech. und röm. Klassikerausgaben, Wörter- und Logarithmenhandbüchern wie z. B. Aemilius Ludwig Richters „Corpus juris canonici“ (1839 ff.), der „Sammlung römischer und griechischer Classiker“ und Heinrich Gottlieb Köhlers „Logarithmisch-trigometrisches Handbuch“ (1847).

    Am 1. 9. 1841 begann er mit der Herausgabe der „Collection of British Authors“ (Tauchnitz-Edition), später erweitert zur „Collection of British and American Authors“ als preiswerte und zuverlässige Taschenbuchausgabe englischsprachiger Schriftsteller zum Vertrieb außerhalb Großbritanniens, die bis zur Zerstörung der Firma 1943 eine Gesamtzahl von 5372 Titeln erreichte. Für die Herstellung bediente sich T. des Satzkosten sparenden Stereotypieverfahrens – 1883 mehr als 225 000 Platten –, das T. in der Firma seines Onkels Karl kennengelernt hatte. T. erwarb sich mit diesem verlegerischen Unternehmen im In- und Ausland anerkannte Verdienste um den internationalen Kulturtransfer und versorgte den Buchmarkt nicht nur in Deutschland mit englischsprachiger Literatur in ansprechender Form und großer Zahl. Die Bände der Collection fanden weite Verbreitung in den gebildeten höheren sozialen Schichten sowie in Gymnasial- und Leihbibliotheken auf dem gesamten Kontinent.

    T. war Vorreiter der internationalen Anerkennung des Urheberrechts von Autoren, mit denen er Verträge abschloß und denen er Honorare zahlte, als der unautorisierte Nachdruck ohne Entschädigung der Autoren bzw. Originalverleger noch allgemein üblich war. Er gewann damit das Vertrauen der bedeutendsten brit., später auch amerik. Autoren, mit denen er z. T. auch persönliche Kontakte pflegte (u. a. mit Charles Dickens). Sein Beispiel floß in die internationalen Verhandlungen über die Urheberrechtsgesetzgebung mit ein, die schließlich zur Berner Konvention von 1886 führten.

    Der kommerzielle Erfolg seiner verlegerischen Unternehmungen erlaubte T. den Kauf des Ritterguts Kleinzschocher (heute Ortsteil von Leipzig), das er bis 1865 schloßartig umbauen ließ. Seine Erben besaßen 1912 ein Vermögen von mehr als 27 Mio. Goldmark und gehörten damit zu den vermögendsten Einwohnern des Königreichs Sachsen.

  • Auszeichnungen

    A brit. Gen.konsul (1872); Mitgl. d. 1. Kammer d. sächs. LT auf Lebenszeit (1877).

  • Quellen

    Dt. Buch- u. Schriftmus. d. Dt. Nat.bibl. Leipzig (Geschäftsrundschreiben Sign. Bö-GR/T/51–62).

  • Werke

    Weitere W Zs. f. Rechtspflege u. Verw., 1837–77;
    Wbl. f. merkwürdige Rechtsfälle, 1841–73;
    Archiv f. dt. Wechsel- u. Handelsrecht, 1851–74.

  • Literatur

    ADB 54;
    C. B. L[orck], in: Adressbuch d. dt. Buchhandels, 1897, S. III–XVI (P);
    [ Clara v. Tauchnitz], B. Frhr. v. T., Ein Gedenkbl. z. 100. Wiederkehr seines Geb.tages ( . . . ), 1916 (P);
    S. Moltke, in: Sächs. Lb. I, 1930, S. 364–70 (P);
    Jb. d. Vermögens u. Einkommens d. Millionäre im Kgr. Sachsen, 1912;
    W. Jäckh, FS z. 125j. Bestehen d. Firma B. T. Verlag 1837–1962, 1962;
    W. B. Todd u. A. Bowden, Tauchnitz internat. editions in English 1841–1955, A bibliographical hist., 2003;
    Ch. Jansohn, „Ask, and it shall be given you“, Zur nat. u. internat. Rezeption d. Verlegers B. T. u. seiner Buchreihe „Collection of British and American Authors“, in: Windsor – Coburg, Geteilter Nachlass – gemeinsames Erbe, e. Dynastie u. ihre Slgg. 2007, S. 185–204;
    Th. Keiderling, Ein wesentl. Btr. z. weltweiten Verbreitung d. engl. Buchs, Der Leipziger Verleger B. T. (1816–1895) u. d. Tauchnitz-Verlag, in: St. Welz u. F. Dellemann, Anglosachsen, Leipzig u. d. engl.sprach. Kultur, 2010, S. 89–98;
    R. Schmidt, Dt. Buchhändler, dt. Buchdrucker, V, 1908;
    Stadtlex. Leipzig;
    LGB2;
    Lex. Buchstadt Leipzig.

  • Autor/in

    Lothar Poethe
  • Empfohlene Zitierweise

    Poethe, Lothar, "Tauchnitz, Bernhard Freiherr von/seit 1860" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 805-806 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117247391.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Tauchnitz: Bernhard T., ein Neffe von Karl Tauchnitz dem Aelteren (s. A. D. B. XXXVII, 441), Begründer des großen gleichnamigen Verlagshauses zu Leipzig, geboren am 25. August 1816 zu Schleinitz bei Naumburg. T. begründete im J. 1837, kaum 21 Jahre alt, sein eigenes Verlagsgeschäft, mit welchem er zugleich auch eine Druckerei und Stereotypengießerei verband. T. widmete sich ursprünglich der Herausgabe juristischer Werke; von seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete legt manches hervorragende Werk Zeugniß ab. Später wurde diese Richtung zwar nicht ganz aufgegeben, aber doch etwas in|den Hintergrund gedrängt durch das bedeutende Unternehmen der „Tauchnitz-Collection“. Der erste Band dieser Collection, dessen Zweck es sein sollte, die englische Litteratur auf dem Continente in guten und billigen Ausgaben dem größeren Publicum zugänglich zu machen, erschien am 1. September 1841 und erzielte einen außergewöhnlichen Absatz. Der Erfolg des ersten Bandes ermuthigte zur Fortsetzung und so erschien rasch Band auf Band, so daß allmählich in dem Rahmen dieses Unternehmens die Arbeiten fast aller hervorragenden englischen Autoren zur Aufnahme gelangten. Mit der wachsenden Ausdehnung der Tauchnitz-Collection hielt das steigende Interesse für dieselbe gleichen Schritt. Mit zäher Energie überwand T. alle Schwierigkeiten, die ihm entgegentraten und hauptsächlich in der großen Verschiedenheit englischer Verhältnisse gegenüber den deutschen gipfelten. In welchem Maße T. sein Ziel erreichte, beweist die Thatsache, daß englische Autoren, ebenso diejenigen Nordamerikas später es sich zur Ehre anrechneten, in die „Tauchnitz-Collection“ aufgenommen zu werden. Das Unternehmen liegt gegenwärtig in mehreren tausend Bänden vor. Macaulay allein erhielt von T. etwa 50 000 Mk., und dessen Erben beziehen bis zur Gegenwart noch sehr ansehnliche Beträge.

    Die Tauchnitz-Collection begründete ihres Schöpfers Ansehen und Stellung. Denselben Zweck wie die Tauchnitz-Collection für die englische Litteratur, verfolgt die gleichartige Sammlung „France classique"; sie umfaßt die besten classischen Werke der Franzosen und erfreut sich ihrer Correctheit wegen größter Anerkennung. Ergänzt wurden diese beiden Sammelwerke später durch eine Collection englischer Jugendschriften, denen sich endlich noch eine neue Collection „German Authors“ anschloß. Weitere werthvolle Verlagsartikel der Firma Bernhard Tauchnitz sind die „Sammlung griechischer und römischer Classiker“ und ihre Wörterbücher; die kleinen rothen, schmucken Bändchen sind zu typischen Erscheinungen der Litteratur geworden.

    Trotz aller Erfolge, die T. auch vielfach äußere Anerkennung eintrugen, u. a. 1861 die Verleihung des erblichen Adels, ist er der einfache und bescheidene, in seinem Denken vornehme Mann von ehedem geblieben. Seit dem Jahre 1866 bekleidete Freiherr v. T. die Würde eines kgl. großbritannischen Generalconsuls, eine Auszeichnung, die ihm sein verdienstvolles Wirken für die englische Litteratur eingebracht hat. Ebenso ist ihm die Ehre zu Theil geworden, zum lebenslänglichen Mitgliede der I. sächsischen Ständekammer ernannt zu werden. Seit dem 1. Juli 1866 ist der älteste Sohn von Bernhard T., Dr. jur. Karl Bernhard Freiherr v. Tauchnitz, als Theilhaber der Firma beigetreten; in dessen Besitz ging dann auch bei dem am 13. August 1895 erfolgten Tode des Vaters die Firma über.

  • Autor/in

    Karl Fr. Pfau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfau, Karl Friedrich, "Tauchnitz, Bernhard Freiherr von/seit 1860" in: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 672-673 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117247391.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA