Lebensdaten
1827 bis 1892
Geburtsort
Kettenis (oder Gemerat, Kreis Eupen, Regireungsbezirk Aachen, heute Belgien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 117193275 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheibler, Carl Wilhelm Bernhard
  • Scheibler, Carl
  • Scheibler, Carl Wilhelm Bernhard
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Zitierweise

Scheibler, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117193275.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich August Theodor (1788–1864, s. L);
    M Anna Gertrud Eschweiler (1806–77);
    Ur-Gvv Bernhard Georg S. (1676-1743);
    1858 Auguste v. Riesen ( 1892);
    1 S (früh †), 1 T; seit 1863 Lebensgefährtin Charlotte Uterhart (1845–1906), aus Beziehung mit dieser 5 außerehel. K.

  • Leben

    S. besuchte die Schule in Aachen, begann 1848 in Berlin das Chemiestudium und siedelte im Frühjahr 1853 nach Königsberg über, wo er bis 1856 Assistent von Gustav Werther (1815–69) war und 1861 mit einer Dissertation „De wolframiatibus“ promoviert wurde. Einige Jahre an einer Fabrik für künstliche Mineralwässer beteiligt, untersuchte er u. a. das Aluminiumacetat („essigsaure Tonerde“), dessen Lösung er als Antisepticum unter den Namen „Scheibler's Mundwasser“ in den Handel brachte. 1858 trat er in die Pommersche Provinzial-Zuckersiederei in Stettin ein. 1863 erfand er das|Elutions-Verfahren zur Melasseentzuckerung und wandte sich den in der Zuckerrübe enthaltenen „Nichtzuckern“ zu. Dabei entdeckte er u. a. das Betain, die Asparaginsäure, die Glutaminsäure, die Arabinose, die Arabinsäure, das Dextran, die Glycerinphosphorsäure und das Cholesterin. Er gab damit der bis dahin wenig aktuellen Pflanzenchemie wichtige Impulse. 1866 gründete S. in Berlin ein privates zuckerchemisches und -technologisches Laboratorium (wegen regelmäßiger Zuwendungen auch Labor d. „Ver. d. dt. Rübenzuckerind.“ gen.), in dem u. a. zuckeranalytische Standardmethoden entwickelt wurden (Soleil-Scheiblersches Polarimeter). Die dt. Zollverwaltung wandte einige seiner Verfahren erfolgreich an und schulte ihr Personal bei S. Die technologischen Arbeiten erreichten 1880 ihren Höhepunkt mit der Patentierung und Einführung des Strontianit-Verfahrens zur Melasseentzuckerung. S. rief die „Polytechnische Gesellschaft“ in Stettin ins Leben und beteiligte sich 1867 an der Gründung der „Dt. Chemischen Gesellschaft“. Seit 1870 lehrte er an der Gewerbeakademie und am landwirtschaftlichen Lehrinstitut in Berlin (Tit.-Prof. 1880). Aufgrund interner Streitigkeiten schied er 1882 aus dem Laboratorium des Vereins der Zuckerindustrie aus, führte aber sein Privatlaboratorium weiter. 1877-82 war er Mitglied des Reichspatentamtes. Eigene lukrative Patente ermöglichten es ihm, sich danach als Privatier zurückzuziehen. Auf Bismarcks Wunsch entwickelte S. 1888 ein einfaches Verfahren zur Herstellung rauchlosen Pulvers. Soziales Engagement erwies S. als Vorsitzender des 1870 von ihm gegründeten „Berliner Lokalvereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger“ (später „Inst. d. Berliner Sanitätswachen“) sowie des „Berliner Lokalvereins zum rothen Kreuze“.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Reg.rat (1889).

  • Werke

    ca. 180 Publl. in Fachzss. u. a. Apparat z. Unters. v. Mergeln, in: Journal f. prakt. Chemie 65, 1855, S. 505 ff.;
    Btrr. z. näheren Kenntniss d. organ. Bestandtheile d. Rübensaftes, in: Zs. d. Ver. f. d. Rübenzuckerind., 1866, S. 222 ff.;
    Über d. Betain, eine im Safte d. Zuckerrüben (Beta vulgaris) vorkommende Pflanzenbase, ebd. 1869, S. 549 ff. (auch in: Berr. d. Dt. chem. Ges. 2, 1869, S. 292 ff.);
    Über d. v. mir verbesserte Soleil'sche Polarisations-Instrument, ebd. 1870, S. 609 ff.;
    Über d. Vorkommen d. Arabinsäure (Gummi) in d. Zuckerrüben u. über d. Arabinzucker (Gummizucker), in: Berr. d. Dt. chem. Ges. 6, 1873, S. 612 ff.;
    Über d. Nichtidentität v. Arabinose u. Lactose, ebd. 17, 1884, S. 1729 ff.;
    Actenstücke z. Gesch. d. Rübenzuckerfabrikation in Dtld. während ihrer ersten Entwicklung, 1875;
    Die Gehaltsermittelung d. Zuckerlösungen durch Bestimmung d. spez. Gewichts, 1891;
    – 1864-78 Redakteur d.
    Zs. d. Ver. f. d. Rübenzucker-lnd., seit 1878 Hg. d. v. ihm gegr. Neuen Zs. f. Rübenzucker-Ind.;

    19 Patente.

  • Literatur

    J. H. C. Scheibler, Gesch. u. Geschl.register d. Fam. S., 1895;
    E. O. v. Lippmann, in: Die dt. Zuckerind. 22, 1897, S. 250-52;
    E. Glanz, in: Neue Zs. f. Rübenzucker-Ind. 42, 1899, S. 145-60 (W-Verz.);
    Zs. d. Ver. d. dt. Zuckerind. 49, 1899, H. 36, S. 69, 75-85 (W, P);
    H. Olbrich, Verfahrenspatente zur Strontian-Melasseentzuckerung n. hochkarätiger Werkspionage in Sachen „Tinkal“, in: Schrr. aus d. Zucker-Mus. 24, 1987, S. 399-407;
    ders., Objekte aus d. persönl. Bes. v. C. S. u. ihr Weg in d. Obhut d. Zucker-Mus., ebd. 24 A, 1987, S. 746-70;
    ders., Gedenktafel f. C. S., Abkömmlinge v. C. S., in: Zucker-Mus., Mitt. u. Berr. 27, 1990, S. 76-84, 363 f.;
    ders., in: Der Herold 46, Hh. 9-11, 2003, S. 229-45, 289-306, 47, Hh. 13-14, 2004, S. 355-83;
    H. Teichmann, C. S. u. d. Erforsch. d. Mellithsäure, in: Zucker-Mus., Report 31, 1994, S. 339-84;
    ders., Der Briefwechsel S.-Limpricht, in: Ges. dt. Chemiker, Mitt. f. Fachgruppe Gesch. d. Chemie 12, 1996, S. 30-43;
    Pogg. III, IV, Vlla Suppl.;
    O. Keune, Männer, die Nahrung schufen, 1952;
    Biogr. Hdb. Pflanzenbau.

  • Portraits

    Bronzebüste v. F. Schaper, 1888;
    Marmorbüste dess., 1889;
    Ölgem. v. E. Tepper (alle Berlin, Zucker-Mus.).

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Scheibler, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 627-628 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117193275.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA