Lebensdaten
1834 bis 1921
Geburtsort
Haid/Böhmen
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117187372 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, Raymundus Maria zu (Ordensname)
  • Raymundus Maria zu (Ordensname)
  • Löwenstein, Karl Fürst zu
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Zitierweise

Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, Karl Fürst zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117187372.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Konstantin (1802–38), Erbprinz zu L.-W.-R., S d. Carl Fürst zu L.-W.-Rochefort (Rosenberg) (1783–1849) u. d. Sophie Luise Gfn. v. Windisch-Graetz;
    M Maria Agnes Henriette (1804–35), T d. Carl Ludwig Fürst zu Hohenlohe-Langenburg u. d. Amalie Henriette Charlotte Gfn. zu Solms-Baruth;
    Ur-Gvv Dominikus Konstantin (1762–1814), Gen., - 1) Offenbach/Main 1859 Adelheid (1841–61), T d. Viktor Prinz zu Isenburg-Birstein u. d. Maria Prn. zu L.-W.-Rochefort, 2) Wien 1863 Sophia (1837–99), T d. Alois Fürst v. u. zu Liechtenstein u. d. Franziska Paula Gfn. Kinsky;
    1 T aus 1), 3 S (1 jung †), 5 T aus 2), u. a. Alois (s. 3).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod der Eltern wurde L. von dem Kulturhistoriker Alexander Kaufmann erzogen; 1854-57 studierte er in Bonn Jurisprudenz. Nach einer Orientreise 1857, die ihn nach Ägypten, Jerusalem und Damaskus führte, trat er die von dem 1849 verstorbenen Großvater ererbte Standesherrschaft an und wurde Mitglied der Ersten Kammern in Bayern, Baden, Württemberg und Hessen-Darmstadt. L., der mit Bischof v. Ketteler und dem Historiker Johannes Janssen befreundet war, kämpfte für die Eigenständigkeit der kath. Kirche gegenüber dem Staat. Ausgehend von einem ständisch gegliederten Leitbild der Gesellschaft, strebte er soziale Reformen auf christlicher Grundlage zugunsten der niederen Stände an, um so den einzelnen vor den negativen Auswirkungen des Kapitalismus zu schützen. Die auf der fürstlichen Besitzung Haid abgehaltenen Konferenzen kath. Sozialpolitiker mündeten in die 1884 veröffentlichten „Haider Thesen über die Arbeiter und ihre Rechte“. Diese stellten eine wichtige Vorarbeit für die Sozialenzyklika „Rerum novarum“ (1891) Papst Leos XIII. dar. L. erkannte die Belastungen, die der ständig steigende Militäretat für Wirtschaft und Gesellschaft brachte, trat für eine stufenweise, kontrollierte Abrüstung ein und forderte ein internationales Schiedsgericht zur Regelung von Streitfragen.

    1871 für den Wahlkreis Lohr/Main in den ersten deutschen Reichstag gewählt, wurde L. Mitbegründer der Zentrumsfraktion. Er gab im folgenden Jahr das Mandat wieder auf, um sich ganz dem Kampf für die Rechte der Katholiken widmen zu können. Seit 1868 war er Präsident des Zentralkomitees, 1872-98 Kommissar der Generalversammlungen des Vereins der deutschen Katholiken, wobei ihm die Organisation der Katholikentage oblag, die jährlich an wechselnden Orten stattfanden. Vor allem in der Zeit des Bismarckschen Kulturkampfes waren diese Generalversammlungen von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die deutschen Katholiken. 1876-83 beherbergte L. in Haid den von der Verhaftung bedrohten Limburger Bischof Peter Jos. Blum (1808–84). Ein besonderes Anliegen war es für L., die Verbindung der deutschen Katholiken zum Papst zu stärken. Früh erkannte er die Bedeutung der Presse für die kirchliche Arbeit. 1877 wurde auf seine Veranlassung hin der Augustinus-Verein zur Pflege der kath. Presse gegründet. L. förderte die christliche Kunst und unterstützte die Bestrebungen zur Gründung einer kath. Universität. Lebhaftes Interesse wandte er der 1876 gegründeten Görres-Gesellschaft zu; der Verein kath. Juristen entstand 1878 auf seine Anregung. Er trat ferner als Gegner der Freimaurerei und des Duellierens hervor. Die während des Kirchenkampfs angefeindeten Orden wurden von ihm gefördert. Er gab wesentliche Hilfestellung bei der Wiederbegründung von Klöstern (wie Maria La ach 1892) und gründete selbst 1904 die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard bei Eibingen im Rheingau. – Im hohen Alter gab L. Ämter und Besitzungen|ab und trat 1907 in das Dominikanerkloster Venlo ein. Im folgenden Jahr wurde er zum Priester geweiht. Seit 1916 lebte er im Dominikanerkloster zu Köln.

  • Literatur

    P. Siebertz, K. Fürst zu L., 1924 (P);
    A. Friese, in: LI. aus Franken VI, 1960, S. 382-94;
    K. Buchheim, Ultramontanismus u. Demokratie, 1963;
    DDJ III.

  • Autor/in

    Hermann Ehmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Ehmer, Hermann, "Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, Karl Fürst zu" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 99-100 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117187372.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA