Lebensdaten
1811 bis 1890
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Kirchenmaler ; Radierer ; Restaurator
Konfession
katholischer Neffe
Normdaten
GND: 117187305 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Andreas

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Müller, Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117187305.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Hubert (s. Gen. 1);
    M Anna Maria Gertrud Koerber;
    B Johann (s. 1), Constantin (1815–49), Kupferstecher u. Radierer in D. (s. ThB), Carl (1818–93), Kirchen- und Bildnismaler, Prof., 1883 Leiter d. Kunstak. in D. (s. ADB 52; ThB; L);
    Düsseldorf 1840 Maria Catharina Petronella (* 1814), T d. Franz Wilhelm Schweden ( 1866) aus D. u. d. Pauline Elisabeth Völkerrath ( 1857);
    1 S Franz (1843–1929), Historien- u. Bildnismaler (s. ThB), 3 T;
    Gr-N Wolf Johannes (s. 3).

  • Leben

    M. erhielt seine erste künstlerische Ausbildung 1829-33 nach dem Abitur bei seinem Vater, der als Direktor der Darmstädter Galerie auch eine von ihm gegründete Zeichenakademie leitete. 1833/34 besuchte er die Münchener Akademie als Schüler von J. Schnorr v. Carolsfeld und Peter v. Cornelius. Seit Oktober 1834 studierte er an der Düsseldorfer Akademie, zunächst bei Theodor Hildebrandt und Carl Sohn, dann auch bei Wilhelm v. Schadow. 1835 entstand sein erstes Gemälde, „Der Knabe vom Berg“, nach dem Gedicht Ludwig Uhlands. Widmete er sich anfangs noch genrehaften Darstellungen, wandte er sich bald religiösen Themen zu.

    Zusammen mit seinem Bruder Carl, Ernst Deger und Franz Ittenbach, den von Schadow geförderten Düsseldorfer Nazarenern, erteilte ihm Franz Egon v. Fürstenberg-Stammheim 1837 den Auftrag, die Apollinariskirche in Remagen auszumalen. Zur Vorbereitung des Werks reiste er noch im Herbst desselben Jahres mit Deger über München, wo sie Cornelius aufsuchten, nach Italien, wohin 1839 die beiden anderen folgten. Sie studierten die ital. Malerei, übten regelmäßig Aktzeichnen in der franz. Akademie in Rom und nahmen als Mitglieder von Friedrich Overbecks Komponierverein an dessen abendlichen Übungen im Gewandzeichnen teil. Im Herbst 1838 entstanden die ersten Entwürfe für Remagen. Im Mai 1840 kehrte M. mit Deger nach Düsseldorf zurück, um zu heiraten. Im Juli reiste das junge Paar mit Deger wieder nach Italien. Bis Mai 1842 weilten M. und seine Frau in Rom, wo sie mit Deger, Wilhelm v. Kaulbach und Sulpiz Boisserée im selben Haus wohnten. Nach dem Plan Degers begannen sie 1843 die Arbeit in Remagen; die gesamte Ausführung dauerte bis 1852. Die vier Hauptgemälde mit Szenen aus dem Leben des hl. Apollinaris und zwei Figuren von Heiligen zu beiden Seiten dieser Bilder stammen von M., weiter neben der Orgeltribüne ein „David“ und eine „Hl. Cäcilie“. M. schloß seine Arbeit an den Wandgemälden 1851 ab. Die zehn Darstellungen der Legende des Kirchenpatrons auf der Predella unter den Hauptbildern führte Joseph Kehren nach M.s Kartons in Grisaille aus. Der Zyklus in Remagen ist die bedeutendste Freskomalerei der Spätnazarener und eine der wichtigsten Kirchenmalereien des 19. Jh. Nach der Arbeit in der Apollinariskirche entstanden Tafelbilder für verschiedene Kirchen, u. a. für den Dom in Breslau. Für den Fürsten Löwenstein-Wertheim schmückte M. einen kreuzförmigen Reliquienschrein mit fünf Passionsszenen. In den 60er Jahren beauftragte ihn Fürst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen mit der dekorativen Ausgestaltung des Kunstsaals im Stammschloß der Familie. Hierfür malte M. zusammen mit seinem Sohn Franz und dem Historienmaler Heinrich Lauenstein 26 Bildnisse deutscher Künstler. M. restaurierte auch die Gemäldesammlung des Fürsten Adolf von Schaumburg-Lippe und radierte Szenen zu Gedichten von R. Reinick, E. v. Grote und J. P. Hebel.

    1855 wurde M. als Professor der Elementarklasse und Kunstgeschichte und als Leiter des Kupferstichkabinetts an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Als Restaurator widmete er sich hier u. a. Rubens' „Mariä|Himmelfahrt“. Ein wesentlicher Teil seines Œuvres, Entwürfe, Kartons und Studien sowie seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen wurden beim Brand der Düsseldorfer Akademie 1872 vernichtet, was eine Untersuchung seines Schaffens sehr erschwert. Wegen eines Schlaganfalls, von dessen Folgen er sich nicht mehr erholte, mußte M. 1881 seine Ämter an der Düsseldorfer Akademie niederlegen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. zu Wien, Amsterdam u. Lissabon.

  • Werke

    u. a. Abendfrieden, 1837;
    Kinderbildnis (d. älteste Tochter M.s), um 1846/47 (beide Kunstmus., Düsseldorf);
    Ein lesender Mönch im Klosterhof, 1837 (Gal., Darmstadt);
    zwei Zeichnungen (Kunstmus., Düsseldorf). – Schr.: Ein Kupf. v. Rafael in d. Slg. d. kgl. Kunstak. zu Düsseldorf, 1860. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Stud. u. Entwürfe (Erzbischöfl. Diözesanmus., Köln).

  • Literatur

    ADB 52;
    F. Kaufmann, A. M., e. Altmeister d. Düsseldorfer rel. Malerschule, 1896;
    H. Finke, Carl Müller, sein Leben u. künstler. Schaffen, 1896;
    P. A. Bierbaum, Der Apollinarisberg, 1907, S. 25-40 (P);
    P. A. A. Koller S. C. J., Das Ideal d. Nazarener in seiner Gestaltung durch die Meister d. Apollinariskirche, Diss. Düsseldorf 1935;
    H. P. Hilger, Zwei Gem. v. A. M. in Zyfflich am Niederrhein, in: Zweihundert J. Kunstak. Düsseldorf, hrsg. v. E. Trier, 1973, S. 101-08;
    Die Düsseldorfer Malerschule, hrsg. v. W. v. Kainein, Ausst.kat. Kunstmus. Düsseldorf 1979, S. 407-10;
    W. Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule, 1819-1869, 21984 (L-Verz., Abb.);
    S. Rösler-Schinke, Die Apollinariskirche in Remagen – e. Gesamtkunstwerk d. 19. Jh., Diss. München 1994;
    Lex. d. Düsseldorfer Malerschule, hrsg. v. Kunstmus. Düsseldorf, 4 Bde. (in Vorbereitung);
    ThB.

  • Autor/in

    Choung-Hi Lee-Kuhn
  • Empfohlene Zitierweise

    Lee-Kuhn, Choung-Hi, "Müller, Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 330 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117187305.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Müller: Andreas M., Historienmaler, ebenso wie sein jüngerer Bruder Karl, eine Hauptstütze der kirchlichen Malerei, wurde am 19. Februar 1811 als Sohn des Hofmalers Franz Hubert M. in Hessen-Kassel geboren. Seine Jugenderziehung erhielt er auf dem Gymnasium in Darmstadt, wo sein Vater 1871 als Galeriedirector fungirte. Die ersten Studien in der Kunst machte er unter der Leitung seines Vaters, dem er zugleich bei seinen Arbeiten eine hülfreiche Hand leisten konnte. Nach vier solcher Lehrjahre bezog er 1833 die Akademie in München, um sich hier unter der bewährten Leitung von Julius Schnorr v. Carolsfeld und Peter v. Cornelius weiter auszubilden. Da es ihn aber trieb, der Oelmalerei eine größere Aufmerksamkeit zu widmen, so siedelte er schon im nächsten Jahre nach Düsseldorf über, dessen Akademie unter Schadow's Directorium in malerischer Beziehung seit einigen Jahren einen bedeutenden Ruf erworben hatte. Unter seinem Lehrer C. Sohn wandte er sich zunächst dem romantischen Genre zu, und sein erstes Oelbild war dementsprechend „Der Knab vom Berg“ nach dem Uhland'schen Gedicht. Durch den Umgang mit Ernst Deger beeinflußt, kehrte er aber bald zur religiösen Malerei zurück, der schon seine ersten Arbeiten in München gewidmet waren. Sein nächstes Bild „Drei singende Engel“ (1836) wurde von dem Herzog von Cambridge in Hannover angekauft. Das dritte Bild „Ein lesender Mönch in einem Klosterhofe“ kaufte der Kunstverein für Rheinland und Westfalen (1837). Durch diese Erfolge wurde es ihm ermöglicht, schon im Herbst 1837 eine Reise nach Italien anzutreten, wo er bis zum Frühjahre 1840 verweilte und diese Zeit in redlicher Pflichterfüllung zum Studium ausnutzte. Inzwischen hatte er vom Grafen von Fürstenberg-Stammheim den Auftrag erhalten, gemeinschaftlich mit Deger, Ittenbach und seinem Bruder Karl die St. Apollinariskirche bei Remagen auszumalen. Die Arbeit wurde im J. 1843 in Angriff genommen und 1851 vollendet. Wigmann zählt diese Gemälde „mit zu den erhabensten und vollendetsten, die auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst seit Jahrhunderten entstanden sind“. Andreas war dabei die Aufgabe zugefallen, auf vier großen Wandflächen das Leben des heiligen Apollinaris darzustellen. Ferner schuf er dort eine Reihe von Bildern der Familienheiligen des Fürstenbergischen Hauses, sowie über der Orgelbühne die idealen Gestalten der heiligen Cäcilia und des königlichen Sängers David.

    Im J. 1855 wurde Andreas als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie, nach der Pensionirung des Professors Mosler zum Zeichenlehrer der Elementarclasse, zum Conservator der Kunstsammlungen und zum Lehrer der Kunstgeschichte ernannt, welchen Aemtern er mit außerordentlicher Gewissenhaftigkeit oblag. Bei dem großen Brande der Akademie in der Nacht vom 19.—20. März 1872 wurden mehrere seiner Arbeiten, namentlich ein fast vollendetes Altarbild und viele Mappen mit werthvollen Studien ein Raub der Flammen. Der unermüdliche Künstler malte das Altarbild, einen heiligen Josef, nach dem Brande zum zweiten Male und wurde 1877 damit fertig. Ein anderes Altarbild, die Mutter Gottes und Heilige darstellend, wurde für die Pfarrkirche in Lank im Auftrage der Gräfin Czerklaes gemalt. Ferner entstanden: 1867 eine lebensgroße heilige „Barbara“, im Auftrage des Fürstbischofs Dr. Förster von Breslau gemalt, dann zwei Altarbilder für die Kirche in Zyfflich an der holländischen Grenze, das Rosenkranz- und das Josefbild. Im Auftrage des Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg malte er das Reliquiarium, welches in Kreuzform das Leiden Christi darstellt und das, später in größerem Maaßstabe ausgeführt, jetzt im Besitz der Nationalgalerie zu Berlin sich befindet.

    Einen großen Theil seiner Thätigkeit widmete er dem Unterricht an der Akademie und den Kunstsammlungen. Auf dem letzteren Gebiete beschäftigte er sich auch litterarisch und verfaßte die im J. 1860 erschienene Schrift: „Ein Kupferstich von Rafael in der Sammlung der kgl. Kunstakademie zu Düsseldorf, beschrieben von dem Conservator dieser Sammlung, Andreas Müller, Historienmaler und kgl. Professor. Düsseldorf, Buddäus 1860“. In den 60 er Jahren beauftragte ihn der Fürst Karl Anton von Hohenzollern mit der decorativen Ausschmückung des Kunstsaales des fürstlichen Schlosses zu Sigmaringen. Für den Fürsten Adolf von Schaumburg-Lippe führte er die Restauration der vielen werthvollen alten Bilder aus. Seine Geschicklichkeit auf diesem Felde bekundete er namentlich durch die wohlgelungene Wiederherstellung des berühmten Bildes von Rubens: „Mariä Himmelfahrt“, des einzigen bedeutungsvollen Bildes, das Düsseldorf als Rest seiner einstigen großen Galerie erhalten blieb. Die Restauration der Schloßcapelle in Bückeburg konnte M. nicht mehr ganz vollenden. Im J. 1881 traf ihn ein Schlaganfall, der ihn bis zu seinem Tode der freien Bewegung seiner Glieder und der Sprache beraubte. Er starb am 29. März 1890.

  • Autor/in

    Eduard Daelen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Daelen, Eduard, "Müller, Andreas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 495-496 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117187305.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA