Lebensdaten
1876 bis 1954
Geburtsort
Tondern
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117184470 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheel, Otto
  • Scheel, O.
  • Scheel, Otto E. L.
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Zitierweise

Scheel, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117184470.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Pfarrersfam. in Tondern;
    V G. F., Pfarrer in T.;
    M Christine Petersen;
    Ur-Gvm N. N. Petersen, Mitgl. d. schleswig. Ständeverslg.;
    Boele (heute Hagen, Westfalen) 1910 Eugénie, T d. Heinrich Köppern u. d. Marie van Heerdt;
    1 T Helga.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Johanneum in Hadersleben nahm S. 1896 ein Theologiestudium in Halle auf, das er 1900 in Kiel mit der Promotion zum Lic. theol. abschloß. Wenige Tage später habilitierte er sich mit einer von Hans v. Schubert angeregten Studie für Systematische Theologie (Die Anschauung Augustins über Christi Person u. Werk…, 1901). 1906-24 lehrte er in der Nachfolge Karl Holls (1866–1926) als ao. Professor (1919 o. Prof.) für Kirchengeschichte in Tübingen, mit Unterbrechungen durch Kriegsdienst als Militärpfarrer und Mitarbeiter in der Auslandsstelle des Kriegspresseamts. In dieser Zeit festigte er – zumal als Luther-Biograph (Martin Luther, Vom Katholizismus z. Ref., 2 Bde., 1916/17, mehrere Nachdrr.) – seinen Ruf als einer der führenden dt.sprachigen Kirchenhistoriker seiner Generation.

    Von Grenzlanderfahrung und Nationalitätenstreit geprägt, engagierte sich S. im Rahmen des liberalen Verbandsprotestantismus und professoraler Standesorganisationen nach 1918 zunehmend auch als der DVP verbundener nationalkonservativer Kommentator der Tagespolitik. Den in Kiel neu geschaffenen Lehrstuhl für schleswig-holstein. Landesgeschichte übernahm er 1924 durchaus mit politischen Absichten: Die Formel „Landesgeschichte als politische Geschichte“ bezeichnete sein Selbstverständnis als Historiker bereits vor dem gleichnamigen, programmatischen Vortrag 1939. Den Weg seiner Universität in den Nationalsozialismus begleitete er (1933/34 Rektor) mit Sympathie (Mitgl. d. NSDAP im Mai 1933). Dies belegt die völkisch akzentuierte Rhetorik S.s in zunehmend populärwissenschaftlich ausgerichteten Schriften (Die Wikinger, 1-21938; Aufstieg u. Niedergang d. engl. See- u. Weltmacht, 1940, 41941) und sein forciertes Engagement als Wissenschaftsorganisator: u. a. seit 1938 als Direktor des Kieler „Instituts für Volks- und Landesforschung“, 1941-43 im „Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“ als Präsident des „Dt. Wissenschaftlichen Instituts“ in Kopenhagen. 1945 ließ sich S. emeritieren und vermied so eine öffentliche Diskussion seiner Regimeunterstützung.

    Als Vorbote der „Luther-Renaissance“ sorgte S. mit der Einbettung historisch-kritisch gesichteten biographischen Materials in breite ideen- und bildungsgeschichtliche Zusammenhänge für einen Fortschritt in der Reformationsforschung. Doch stellte er seine dezidiert antiwestliche Lutherdeutung nach 1933 ohne erkennbare Vorbehalte (Kontroverse mit Gerhard Ritter 1938) als Mittel der Herrschaftslegitimierung in den Dienst der NS-Geschichtspolitik.|

  • Auszeichnungen

    Vors. d. Ver. f. Ref.-gesch. (1931–45); Dr. theol. h. c. (Berlin 1910, Oslo 1921, Amsterdam 1932), Dr. phil. h. c. (Tübingen 1917).

  • Werke

    Weitere W Dänemark u. wir, 1915;
    Die weltgeschichtl. Bedeutung d. Wittenberger Ref., 1921;
    Der junge Dahlmann, 1926;
    Bismarcks Wille zu Dtld. in d. Friedensschlüssen v. 1866, 1934;
    Evangelium, Kirche u. Volk b. Luther, 1934;
    Das Werden d. dt. Stämme, 1939;
    Der Volksgedanke b. Luther, in: HZ 161, 1940, S. 477-97;
    Mithg.:
    Hdwb. d. Grenz- u. Auslanddt.tums (1931–37);
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Schleswig-Holstein. Landesarchiv Schleswig; hierzu: K.-H. Fix u. F. W. Graf, in: Mitt. d. Ernst-Troeltsch-Ges. 10, 1997, S. 171-224.

  • Literatur

    Festgabe Prof. D. Dr. O. S. z. 75. Geb.tage am 7. März 1951 dargebracht (= Schrr. d. Ver. f. Schleswig-Holstein. KGesch, R. 2, Bd. 10, H. 2), 1950 ( S. 155-79 Bibliogr. v. R. Bülck);
    Btrr. z. dt. u. nord. Gesch., FS f. O. S., hg. v. H. Thurau, 1952;
    A. Scharff, in: HZ 179, 1955, S. 436-39 (W);
    ders., in: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holstein. Gesch. 80, 1956, S. 11-16 (P);
    K. Jordan, Gesch. d. Christian-Albrechts-Univ. Kiel 1665-1965, Bd. 5, T. 2, 1969, S. 83-85;
    Glanz u. Niedergang d. dt. Univ., 50 J. dt.|Wiss.gesch. in Briefen an u. v. Hans Lietzmann (1892–1942), hg. v. K. Aland, 1979;
    H. Lehmann, Luther als Kronzeuge f. Hitler, Anm. zu O. S.s Lutherverständnis in d. 1930er Jahren [1992], in: ders., Prot. Weltsichten, 1998, S. 153-73;
    F.-R. Hausmann, „Auch im Krieg schweigen d. Musen nicht“, Die Dt. Wiss. Institute im Zweiten Weltkrieg, 2001, S. 183-210;
    W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.wiss., 1987;
    Ausst.:
    Kieler Historiker im „Dritten Reich“, Hist. Sem. d. Univ. Kiel, 2003, Zentrale Hochschulbibl. Flensburg, 2004.

  • Autor/in

    Friedrich Wilhelm Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Friedrich Wilhelm, "Scheel, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 606-607 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117184470.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA