Lebensdaten
1900 bis 1974
Geburtsort
Dieuze (Lothringen)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Volkskundler ; Arzt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11717873X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Münsterer, Hans Otto
  • Münsterer, Hanns Otto
  • Münsterer, Hans Otto
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Zitierweise

Münsterer, Hanns Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11717873X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Wilhelm (1873–1920) aus Landshut, Major im 4. bayer. Cheveaulegers-Rgt., S d. Otto (1841–83) aus Ergoldsbach, Rentamtmann in M., u. d. Anna Höflinger (1849–1916);
    M Paula (* 1878) aus Neu-Ulm, T d. Johann Baptist Zimmermann (1849–1926), Dr. med., Obergen.arzt, u. d. Therese Schreyer (1844–82);
    München 1933 Elsa Bertha (1901–92) aus Bayreuth, T d. Max Nebelung (* 1868, ev.) aus Drengfurt, Telegraphenmechaniker, u. d. Josepha Lotter (* 1873) aus Pfronten-Ried; kinderlos.

  • Leben

    M., der seine Kindheit in Pasing bei München und Augsburg verbrachte, wurde von einem Privatlehrer unterrichtet. Die enge Freundschaft mit Bertolt Brecht, aber auch der Umgang mit dem Bühnenbildner Caspar Neher, mit Otto Müller und Otto Bezold sowie die Erfahrungen während der Revolution 1918/19, die er in seinen Tagebüchern festhielt, prägten ihn während der Augsburger Jahre. M. studierte 1919-24 in Wien und München Medizin. Danach arbeitete er an der Landesimpfanstalt in München und 1938-45 als Oberarzt an der Dermatologischen Universitätsklinik in München, wo er sich 1942 mit einer virologischen Arbeit habilitierte. 1945 ließ er sich als Facharzt in München-Harlaching nieder.

    Neben seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen aus dem Bereich der Medizin verfaßte M. grundlegende volkskundliche Studien und Aufsätze, insbesondere über Amulette. In verschiedenen Untersuchungen über Volksmedizin konnte er Abgrenzungen zwischen Medizin und naturheilkundlicher Praxis herausarbeiten und die Begründung der Volksmedizin in kosmologischen Theorien, in der Kabbala und der mittelalterlichen Signaturenlehre deutlich machen. Ein Thema dieser Forschungen sind auch die Praktiken des volksreligiösen medizinischen Brauchtums, das mit dem Glauben an die Heiligenpatronate (Votation) und mit dem Wallfahrtsbrauchtum verbunden ist. Aufgrund seines medizinischen Wissens über Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten gelangte er zu plausiblen Erklärungen vermeintlicher Wunderheilungen. M. baute auch eine bedeutende volkskundliche Sammlung auf, die sich heute zum Teil im Bayer. Nationalmuseum in München und im Diözesanmuseum in Freising befindet.

    Erste Gedichte und Prosaerzählungen veröffentlichte M. 1920-24 in literarischen Beilagen von Zeitungen und Zeitschriften. 1926 wurde als Privatdruck unter dem Titel „Passional deutsch“ eine Folge von 48 religiösen Gedichten veröffentlicht. In den 30er Jahren erschienen M.s Gedichte in verschiedenen Anthologien. 1932 und 1934 sendete der Bayer. Rundfunk mehrere Gedichtzyklen („Von den Helden der Gegenwart“ mit Musik von Werner Egk, „Sechs Balladen von den Freuden des kleinen Mannes“, „Die Entdeckung Amerikas“). 1937 wurde M. aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Schreibverbot. Seit 1947 erschienen wieder Gedichte in den Zeitschriften „Das goldene Tor“ und „Hochland“. Der weitaus größte Teil von M.s literarischen Arbeiten – vor allem Balladen der 20er Jahre, in denen Seefahrer und Waldgänger die Protagonisten einer exotischen Abenteuerwelt darstellen – blieb unveröffentlicht. Ähnlich wie in den gleichzeitigen Gedichten des jungen Brecht drückt sich in ihnen ein vitalistisch-romantisches Lebensgefühl aus. Später treten die Leiden der Schwachen, das Schicksal der Unscheinbaren, die leisen Alltagswahrnehmungen in den Vordergrund. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist ein Thema, das M.s Werk von Anfang an durchzieht. In den 30er Jahren entstanden die Manuskripte von drei Romanen („Föhn“, „Die Dampfwalze“, „Bückelroman“), in denen persönliche Krisenerfahrungen verarbeitet sind. In der Komödie „Boston“ nimmt M. die Amerika-Motive der frühen Balladen wieder auf. – 1955 begegneten sich M. und Brecht nach fast 25 Jahren wieder in München anläßlich der Aufführung von „Mutter Courage“. M.s Studie „Bert Brecht“ ist die genaueste Darstellung der Augsburger Jahre dieses Dichters.

  • Werke

    Weitere W Fünf Balladen, 1925;
    Bert Brecht, Erinnerungen aus d. J. 1917–22, 1963, 21966 (P);
    Mancher Mann, Gedichte, ausgew. u. mit e. Nachwort versehen v. M. Brauneck, 1980;
    Amulettkreuze u. Kreuzamulette, Stud. z. rel. Volkskde., hrsg. v. dems. unter Mitarb. v. H. Brauneck, 1983. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: München, Bayer. Staatsbibl., Hss.abt; ebd., Bayer. Nat.mus.; ebd., Bayer. Ak d. Wiss., Inst. f. Volkskde. (Bibl.); Freising, Diözesanmus.

  • Literatur

    G. Kapfhammer, in: Bayer. Bll. f. Volkskde. 1, 1974, S. 136;
    N. Gockerell, Schenkung Münsterer an d. Bayer. Nat.mus., in: Schönere Heimat 65, 1976, S. 335;
    G. M. Ritz, in: Bayer. Jb. f. Volkskde.|1976/77, 1978, S. 284 f. (Verz. d. volkskdl. Arbb.);
    H. Bender, H. O. M.s poet. Werk, in: SZ v. 24.5.1980 (P);
    H. J. Schütz, „Ein dt. Dichter bin ich einst gewesen“, Vergessene u. verkannte Autoren d. 20. Jh., 1988, S. 218-22 (P);
    Kürschner, Lit.-Kal. 1973;
    Autorenlex. dt.sprach Lit. d. 20. Jh., hrsg. v. M. Brauneck, 51995;
    H. Alzheimer, Volkskde. in Bayern, Ein biobibliograph. Lex. d. Vorläufer, Förderer u. einst. Fachvertreter, 1991;
    Killy.

  • Autor/in

    Manfred Brauneck
  • Empfohlene Zitierweise

    Brauneck, Manfred, "Münsterer, Hanns Otto" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 544 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11717873X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA