Lebensdaten
1886 bis 1953
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Publizist ; Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117119210 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Molden, Ernst
  • Molden, Ernst Hermann Wilhelm

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Zitierweise

Molden, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117119210.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Berthold (1853–1942), Journalist u. Publizist, Balkan-Berater d. Min. d. Äußeren (s. ÖBL), S e. Kaufm.;
    M Berta Edlinger, Hoteliers-T aus Gastein;
    Om Anton Edlinger ( 1919), Chefredakteur d. „Innsbrucker Nachrichten“;
    Wien 1916 Paula (1887–1951), Schriftst., Vorstandsmitgl. d. österr. PEN-Clubs, verfaßte 1945 d. Text für d. neue österr. Bundeshymne (s. NÖB 14), T d. Duschan v. Preradović (1844-1920), k. u. k. Linienschiffskapitän, u. d. Helene Freiin Falke v. Lilienstein (1864–1953); Gvv d. Ehefrau Petar v. Preradović (1818-72), Gen.-major, kroat. Nationaldichter (s. Wurzbach 23; NÖB 16; ÖBL);
    2 S Otto (* 1918), Publizist u. Politiker, Gründer d. Europ. Forums Alpbach, Fritz (* 1924), Publizist u. Verleger.

  • Leben

    M. besuchte das humanistische Gymnasium im damaligen Wiener Vorort Döbling und in den letzten beiden Jahren in Prachatitz (Südböhmen), wo er vor der Matura eine Schülerzeitung herausgab. Seit 1906 studierte er an der Wiener Universität Jura, Geschichte und Archäologie, im Wintersemester 1908/09 in Berlin, anschließend wieder in Wien. Seine Dissertation „Die orientalische Politik des Fürsten Metternich“ (1913) hat eine Neubewertung des Staatskanzlers eingeleitet. Nach der Promotion unterrichtete M. zunächst als Honorardozent am Eötvös-Kolleg in Budapest. Während der mehr als zweijährigen Lehrtätigkeit betreute er zusammen mit H. Feigl die zweibändige Auswahl der Schriften und Tagebücher des Orientalisten J. Ph. Fallmerayer (1913). Der Beschäftigung mit der österr. Orientpolitik blieb er auch weiterhin treu, als er, 1914 nach Wien zurückgekehrt,|Mitarbeiter der Gesellschaft für Neuere Geschichte Österreichs wurde. Mit den beiden Veröffentlichungen „Radetzky, Sein Leben und sein Wirken“ (1915) und „Ein österr. Kanzler, Der Fürst von Metternich“ (1917) für die von Hugo v. Hofmannsthal herausgegebene „Österr. Bibliothek“ unternahm M. den Schritt von der politischen Geschichtsschreibung zur historisch fundierten Publizistik. 1916 wurde M. zum Wiener „Hausregiment“, dem Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 einberufen, 1917 auf unbestimmte Zeit beurlaubt und „in geheimer Mission“ als Vertreter des Telegraphen-Correspondenzbureaus an die österr.-ungar. Gesandtschaft nach Kopenhagen delegiert. Im Frühjahr 1919 kam er als Presseattaché nach Den Haag, wurde aber noch im Herbst desselben Jahres im Zuge der Einsparungsmaßnahmen abberufen und aus dem Staatsdienst entlassen.

    1921 trat M. in die Redaktion der „Neuen Freien Presse“ ein, wo er nach 3 Jahren stellvertretender Chefredakteur wurde. Diese Funktion übte er bis 1938 aus, daneben die des Präsidenten der Volksbüchervereinigung „Zentralbibliothek“. 1930-38 kommentierte er in der österr. Rundfunkgesellschaft „Ravag“ die weltpolitische Entwicklung. Ein politisches Betätigungsfeld fand M. im Vorstand des „Österr.-Deutschen Volksbunds“, der die Vereinigung der Republik Österreich mit dem Deutschen Reich anstrebte. Im Dienste dieser Organisation stand auch der von ihm geleitete „Vertrauliche Informationsdienst Molden“ (1925-33), der sich vor allem mit der Entwicklung in Mitteleuropa befaßte. Seit 1933 bekannte sich M. dann jedoch zum Abwehrkampf der Kanzler Dollfuß und Schuschnigg gegen den Nationalsozialismus und gegen den „Anschluß“ an das „Dritte Reich“; er trat der „Vaterländischen Front“ bei. Die Folge waren 1938 zahlreiche Schikanen für ihn und seine Familie. M. verlor seine Stellung bei der „Neuen Freien Presse“, konnte aber als „Archivar“ bei der Wirtschaftszeitung „Südost-Echo“ unterkommen, anschließend beim „Europa-Kabel“ in Amsterdam, von wo er wieder zum „Südost-Echo“ zurückkehrte. Bei diesen Organen war er de facto als Schriftleiter tätig. Kurz vor Kriegsende wurden M. und seine Frau von der Gestapo verhaftet, jedoch nach 17tägiger Haft wieder entlassen.

    Nach einigen fehlgeschlagenen Plänen zur Gründung einer eigenen Zeitung konnte M. trotz gewisser Widerstände seitens der „konzessionierten“ Parteien am 26.1.1946 die erste Nummer der von ihm neu gegründeten „Presse“ als Wochenzeitung herausgeben, die anfangs wöchentlich, seit dem 19.10.1949 täglich herauskam. Die inzwischen gut eingeführte Wochenzeitung erschien zunächst weiter unter dem Namen „Presse-Wochenausgabe“. In den 7½ Jahren bis zu seinem Tod verfaßte M. unter dem Monogramm „e. m.“ mehr als 800 Leitartikel und Glossen. Mit der Leitung der „Presse“ hatte M. entscheidenden Einfluß auf das kulturelle und politische Geschehen in den Nachkriegsjahren Österreichs.

  • Werke

    Weitere W Zur Gesch. d. österr.-russ. Gegensatzes, Die Pol. d. europ. Großmächte u. d. Aachener Konferenzen, 1916;
    Das Wort hat Österreich, Btr. z. Gesch. d. 2. Republik (ausgew. u. eingel. v. A. Wandruszka mit e. Vorwort v. F. Molden), 1953;
    Paula v. Preradović, Porträt e. Dichterin, 1955.

  • Literatur

    R. Charmatz, in: Die Presse, Sonderheil. v. 18.10.1953;
    A. Wandruszka, Gesch. e. Zeitung, Das Schicksal d. „Presse“ u. d. „Neuen Freien Presse“ v. 1848 z. 2 Republik, 1958;
    ders., in: NÖB 18, 1972, S. 78-87 (P);
    K. Paupié, Hdb. d. österr. Pressegesch. 1848-1959, 1959;
    B. Sauer, Dr. E. M., Versuch e. Biogr., Diss. Wien 1966 (ungedr.);
    H. D. Fischer, Die gr. Zeitungen, Porträts d. Weltpresse, 1966;
    O. Molden, Der Ruf d. Gewissens, Der österr. Freiheitskampf 1938–45, 31970;
    M. Dubrovic, Veruntreute Gesch., 1985;
    Teichl.

  • Autor/in

    Adam Wandruszka
  • Empfohlene Zitierweise

    Wandruszka, Adam, "Molden, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 720-721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117119210.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA