Lebensdaten
1906 bis 1987
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Spokane (Washington, USA)
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118874942 | OGND | VIAF: 2972198
Namensvarianten
  • Moldenhauer, Hans

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Zitierweise

Moldenhauer, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118874942.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Richard (1877–1963), Hotelier u. Weinhändler aus Küstrin;
    M Thekla (* 1871. ev.), T d. Abraham Weil (1834–1900), aus jüd. Fam. in Ellerstadt b. Bad Dürkheim, Steuer- u. Gemeindeeinnehmer in Leimersheim (Pfalz), seit 1884 Ehrenbürger ebd., u. d. Berta Seligmann (* 1847);
    1) 1928 Margaret Kuhn, 2) 1943 Rosaleen Jackman (1926–82) aus Spokane, Pianistin u. Musiklehrerin, 3) Marie (Mary) N. N.;
    1 S, 1 T aus 1), u. a. Joseph (* 1934), Prof. an d. Univ. v. Texas in Austin, 2 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Mainz absolvierte M. ein Musikstudium an der städtischen Musikhochschule seiner Vaterstadt, wobei der Dirigent Hans Rosbaud sein besonderer Mentor war. 1938 emigrierte M., dessen Mutter jüd. Herkunft war, in die Vereinigten Staaten und ließ sich zunächst in New York nieder. Große Naturverbundenheit und Leidenschaft für hochalpines Bergsteigen waren für ihn dann Gründe, Anfang der 40er Jahre im Nordwesten der USA, in Spokane im Staat Washington, seinen endgültigen Wohnsitz zu nehmen. Hier|gründete er 1942 ein Konservatorium, an dem er als Direktor und Klavierpädagoge zusammen mit seiner Frau Rosaleen tätig war. 1946 wurde M. Präsident des Spokane Conservatory.

    Eine unheilbare Augenkrankheit zwang ihn, bereits Ende der 50er Jahre diese Tätigkeiten aufzugeben. Nach seiner völligen Erblindung widmete er sich zusammen mit seiner Frau auschließlich der musikwissenschaftlichen Forscher- und Sammlertätigkeit. M. hatte 1945 den „Bachelor of Arts“ am Whitworth College in Spokane erhalten, anschließend Musikwissenschaften am Chicago Musical College, Roosevelt University, studiert und 1951 mit einer Dissertation „Duo-Pianism“ den Grad eines Ph. D. erworben. In dieser Zeit legte er die Grundsteine zu seinem Lebenswerk, das unter dem Leitgedanken „Music History from Primary Sources“ stand.

    Als Emigrant hatte M. insbesondere mit den Musikern unter seinen Schicksalsgefährten enge Kontakte geknüpft, die ihm Skizzen, Entwürfe und auch Reinschriften ihrer Kompositionen für seine sog. „Moldenhauer-Archives“ zur Verfügung stellten. Hierzu zählten auch Arnold Schönberg und dessen Schülerkreis in Los Angeles, sowie Ernst Krenek. M.s besonderes Interesse galt den Schönberg-Schülern Alban Berg und Anton v. Webern. Anläßlich seiner ersten Europa-Reise nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1950 besuchte er die Töchter Anton v. Weberns in Mittersill (Tirol), wohin der Komponist bei Kriegsende aus Wien mit seiner Familie evakuiert worden war. M. erhielt nach diesem Besuch wesentliche Bestände des Webern-Nachlasses. Die Auswertung dieser Quellen, die er zusammen mit seiner Frau Rosaleen vornahm, führte zu M.s wichtigster Veröffentlichung „Anton v. Webern, Chronicle of his Life and Work“ (1978, 1979, dt. 1980). Im Verlauf seiner Arbeiten an diesem Buch konnte er auch die näheren Umstände des Todes von Anton v. Webern restlos aufklären, der durch das Versehen eines amerikan. Soldaten am 15.9.1945 erschossen worden war. Seine Veröffentlichung „The Death of Anton v. Webern“ (1961, dt. 1970) darf als kriminalistische Meisterleistung bezeichnet werden.

    Bis zu seinem Tod ergänzte M. seine Sammlung von zuletzt 100 000 Musikmanuskripten, Briefen und Dokumenten, vornehmlich des 20. Jh. bis hin zu Pierre Boulez. Zu Beginn der 80er Jahre hatte er begonnen, bestimmte Themenkreise seiner Sammlung an bedeutende Universitäten und Bibliotheken in Amerika und Europa abzugeben. So finden sich heute Teile seiner Sammlungen an vielen Orten der USA und Europas.

    1958 wurde M. zum Vorsitzenden und lebenslänglichen Senator der American Musicological Society (Northwest Chapter) ernannt, 1984 erhielt er den Titel eines „Honorary Curator of Twentieth-Century Music in the Harvard College Library“.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Boguslawski College of Music, Chicago, 1945;
    Whitworth College, Spokane, 1986);
    Life Membership d. American Alpine Club.

  • Werke

    Der Morgen (Gedichte), 1931;
    Im Bann der Berge, 1933;
    Duo-Pianism, 1950;
    The Two-Piano Medium in the Workshop of Johannes Brahms, in: Journal of the American Musicological Society 4, 1951, S. 169 f.;
    Ulysses Wiederkehr, An Operatic Project for Beethoven by Th. Körner, ebd. 11, 1958, S. 80 f.;
    Ein neuentdecktes Mozart-Autograph (2 Kadenzen zu KV 107), in: Mozart-Jb. 1953, 1954, S. 143-49, auch in: Journal of the American Musicological Society 8, 1955, S. 213 f.;
    Übersicht üb. d. Musikmss. W. A. Mozarts in d. USA, ebd. 1956, S. 88-99. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Cambridge (Mass.), Harvard University; Washington, D.C., Library of Congress; Evanston (Illinois), Northwestern University; Washington State University; Spokane (Washington), Whitworth College; München, Bayer. Staatsbibl.; Basel, Paul Sacher-Stiftung; Wien, Stadtbibl.; Zürich, Zentral-Bibl.

  • Literatur

    P. Nettl, H. M., Pionier d. Musikwiss., Seine Slg. in Spokane, Washington, 1960;
    Service of Worship in Memory of H. M. (1906-1987), Whitworth College, Spokane, 1987 (P);
    Baker's Biographical Dictionary of Musicians, hrsg. v. N. Slominsky, 1992;
    MGG;
    Riemann, Nachträge;
    The New Grove;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Günther Weiss
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiss, Günther, "Moldenhauer, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 721 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118874942.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA