Lebensdaten
1845 bis 1903
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Brunn am Gebirge bei Wien
Beruf/Funktion
Medailleur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117108901 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scharff, Anton
  • Scharff, Anton Karl Rudolf

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Zitierweise

Scharff, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117108901.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Michael (1806–55), aus Hütteldorf b. W., Gemmenschneider u. Medailleur, nach d. Rückkehr v. e. Studienaufenthalt 1841-44 in Italien seit 1845 provisor., seit 1855 Wirkl. Graveuradjunkt am Hauptmünzamt in W. (s. Wurzbach, ThB);
    M N. N. ( 1881); Vormund Karl Mayer (1810–76), Prof. d. Malerei an d. Ak. d. bildenden Künste in W., Leiter d. allg. Malerschule (s. ÖBL; Hist. Lex. Wien);
    4 Geschw;
    Auguste Ebner, aus W.;
    1 S August (1875–1902), 1 T (Adoptiv-T ?) Gabriele Scharff-Krall verh. Swoboda.

  • Leben

    S. begann 1860 seine Ausbildung in der Medaillenschule der Wiener Akademie unter Karl Radnitzky, 1862 erhielt er durch einen Wettbewerb ein Stipendium und vollendete bis 1865 seine Ausbildung bei Johann Daniel Böhm an der Graveurakademie des Hauptmünzamtes. Gleichzeitig setzte er das Studium der Bildhauerei bei Franz Bauer an der Akademie fort. 1866 trat er als Graveurgehilfe seinen Dienst am Hauptmünzamt an, wurde 1870 zum 2. Münzgraveur, 1874 zum Münz- und Medaillengraveur, 1878 zum k. u. k. Münzgraveur und 1881 zum Leiter, 1896 zum Direktor der Graveurakademie befördert. 1888 hielt er sich zu Studien in Paris auf. Nach dem Tod seines Sohnes erkrankte S., zog sich nach Brunn am Gebirge zurück und verstarb dort im folgenden Jahr.

    Über seine Arbeit am Wiener Hauptmünzamt hinaus war S. als Medailleur in ganz Europa sehr geschätzt und erhielt entsprechende Auszeichnungen. Als Münzgraveur schuf er nicht nur die Porträts für die neue österr. Kronenwährung von 1892, sondern auch für Serbien 1869, Persien 1879, Bulgarien 1888 und Rumänien 1891. Er entwarf Medaillenporträts zu den ksl. Regierungsjubiläen 1873 und 1888, zur Silberhochzeit des Kaiserpaares 1879, Medaillen für die Städte Wien, Budapest und Prag mit ihren Institutionen. Als Sieger des Wettbewerbs der Stadt London zum Regierungsjubiläum der Kgn. Victoria 1887 erhielt er Aufträge für offizielle Medaillen aus Ruüland, 1888 aus München, 1889 aus Stuttgart, 1900 folgte eine George Washington-Medaille für die USA. Während seiner Schaffenszeit vervielfältigten sich ganz allgemein die privaten Auftragswünsche im Medaillengewerbe, und S. beteiligte sich in allen Sparten, in Guß- und Prägetechnik, daran. Industrielle wie Mautner v. Markhof, Anton Dreher, Franz Trau, Adolf Bachofen von Echt, Arthur Krupp bestellten Prägungen für private Gedenktage, Verbände und Vereine für allgemeine Jubiläen, Auszeichnungen, Veranstaltungen und Gschnasfeste (Künstlerfeste); auch Vereinsmedaillen,|Schützenmedaillen, Dienstabzeichen stammen aus seinem Atelier. Einige größere Reliefs schuf S. für Grabdenkmäler und als Wandschmuck.

    In seiner künstlerischen Entwicklung hat S., stets den Tendenzen seiner Zeit folgend, einen weiten Bogen geschlagen. Er begann mit der klassizistischen Medaille mit klar abgesetztem Porträt in glattem Feld, fand Anschluß an die franz. Schule, schuf historistische und vielfigurige allegorische Medaillen, zuletzt Jugendstilplaquetten mit flachem, oft verschwimmenden Relief und frei ins Feld gesetzten Figuren und Schriften. Seine Zeitgenossen schätzten v. a. seine Porträts, und dabei nicht nur die Realitätsnähe, sondern auch das Vermögen, die Dargestellten so erscheinen zu lassen, als fühlten sie sich nicht beobachtet; so zeigte er die Schulterpartie bei Hans v. Bülow (1894) in der Rückenansicht. Beachtenswert sind auch S.s Architekturdarstellungen; ein neues Feld eröffneten die Genreszenen, so zu den Gschnasfesten, bei der Medaille auf Peter Rosegger (1894) aus dem ländlichen Umfeld, ärztliche Tätigkeiten bei den Professoren Drasche (1896) und Weinbauer (1899), und die anonyme Wäscherin und die Ballerina als besondere Wiener Typen.|

  • Auszeichnungen

    k. u. k. Kammermedailleur (1887); Ehrenmitgl. d. Wiener Ak. d. bildenden Künste (1888); Franz-Joseph-Orden (1893); Goldmedaillen (München 1888, Berlin 1889, Antwerpen 1892 u. Grand Prix Paris 1900).

  • Werke

    Weitere W Richard Wagner, 1876;
    Gedächtnis d. Belehnung d. Hauses Habsburg mit Österr., 1882;
    Wiener Rathaus, 1883;
    Präger Künstlerhaus Rudolfinum, 1884;
    Vermählung d. Prn. Elisabeth mit Otto v. Windisch Graetz, 1902;
    Porträtmedaillon am Grabmal d. Albert Camesina, 1882.

  • Literatur

    C. Domanig, A. S., k. u. k. Kammer-Medailleur (1845–1895), Sein Bildungsgang u. sein Schaffen, Sonderausg. d. Numismat. Zs. 26, 1895;
    A. Rr. v. Loehr, A. S., Kat. seiner Medaillen u. Plaketten, 1904;
    Kat. d. Münzen- u. Medaillenstempelslg. d. k. u. k. Hauptmünzamtes Wien, III u. IV, 1901-06;
    E. J. Pyke, A biogr. dict. of the wax-modellers, 1973, S. 131-33 (W-Verz.);
    Karl Schulz, Der Medailleur A. S., in: Numismat. Zs. 104/105, 1997, S. 31-36;
    BJ VIII, Tl.;
    W. Englmann, in: BJ 15, S. 306-17;
    ThB;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Wachsmodell, 1882;
    Medaillen v. F. X. Pawlik, 1894 u. 1903;
    Medaille v. R. Neuburger, 1903 (alle Wien, Kunsthist. Mus., Münzkab.).

  • Autor/in

    Gerlind Werner
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner, Gerlind, "Scharff, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 570-571 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117108901.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA