Lebensdaten
1837 bis 1879
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117102946 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jensen, Adolf

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Zitierweise

Jensen, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117102946.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Musikerfam.;
    V Julius, Klavierlehrer, -stimmer u. Notenkopist in K., S d. Wilhelm Martin ( 1842), Organist, Univ.-Lehrer, Komponist u. Hrsg. e. Choralbuchs in K.;
    M Eleonore Charl. Mathilde, T d. Kaufm. Joh. Frdr. Willutzki in K.;
    Ov Eduard, Sänger u. Gesangslehrer in K.;
    B Gustav (1843–95), Komp. u. Violinist, seit 1872 Lehrer am Konservatorium in Köln (s. L);
    Vt Paul, Hofopernsänger in Dresden;
    - 1863 Friederike, T d. Verlegers Joh. Frdr. Wilh. Bornträger (1787–1866, s. L) u. d. Flora Elis. Frey;
    1 T.

  • Leben

    J. war Schüler des Königsberger Theaterkapellmeisters Ed. Sobolewski, dann 1849-52 bei L. Ehlert, L. Köhler und F. Marpurg. Seine weitere musikalische Bildung vollzog sich im Selbststudium. Ein 1849 als op. 1 gedrucktes Liederheft wurde zurückgezogen, das endgültige op. 1 (6 Lieder) erschien 1859. Im Frühjahr 1856 ging J. als Privatmusiklehrer nach Brest-Litowsk. Hier entstand u. a. ein F. Liszt gewidmetes Klaviertrio. 1857/58 wirkte J. als Theaterkapellmeister in Posen, Bromberg und Kopenhagen. Anschließend blieb er als Klavierlehrer in Kopenhagen und unternahm mit dem Cellisten Ch. Kellermann Konzertreisen nach Skandinavien. Im Febr. 1861 wurde er 2. Direktor der Musikalischen Akademie in Königsberg. Auch nach seinem Rücktritt im Febr. 1862 trat er hier häufig als Pianist hervor. Seine Heirat brachte ihm die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Im Okt. 1866 folgte J. einem Ruf als Lehrer an K. Tausigs „Schule für höheres Clavierspiel“ in Berlin. Von dort übersiedelte er im Okt. 1868 nach Dresden. Schon zuvor ein enthusiastischer Bewunderer R. Wagners, setzte er sich sehr für die hier am 21.1.1869 aufgeführten „Meistersinger“ ein. Von einer Lungen- und Halserkrankung suchte er im gleichen Jahr Heilung in Ems und Reichenhall, doch die folgenden Jahre brachten ein ständiges Fortschreiten des Leidens, das auch die Aufenthalte in Meran (1870), Graz (1870–75) und Baden-Baden (1875–79) nicht bannen konnten. In diesen Jahren lebte J. sehr zurückgezogen, jedoch in Kontakten mit Hamerling, Heyse, Bülow, Brahms u. a.

    J. war einer der feinsinnigsten Komponisten der Spätromantik. Kein Epigone R. Schumanns, sondern von diesem ausgehend, gelangte er in seinen reifen Werken zu einem durchaus eigenen Persönlichkeitsstil. Seine Bedeutung liegt in erster Linie auf dem Gebiet der Klaviermusik, die sich – besonders auch in den 4händigen Werken – durch klangvollen Satz, farbige, bisweilen fast impressionistisch anmutende Harmonik und poetische Phantasie auszeichnet. Vieles aus dem zu Unrecht vergessenen, stimmungsreichen Liedschaffen gehört mit zum besten der Zeit. Die Werke mit Orchester konnten sich trotz fesselnder Züge und meisterhafter Instrumentation nicht durchsetzen, J.s Stärke waren die kleinen Formen.

  • Werke

    32 Klavierwerke f. 2 bzw. 4 Hände;
    Klaviertrio;
    mehr als 180 Lieder;
    3 Duette mit Klavier;
    8 Chöre f. gemischte Stimmen;
    3 Frauenchöre;
    2 Marienlieder f. Tenor, tiefe Streicher u. Pauken;
    Die Erbin v. Montfort, Oper in 2 Akten, von W. Kienzl bearb. als „Turandot (nicht aufgeführt);
    Werke f. Soli, Chor u. Orch.: Gesang d. Nonnen u. Brautlied, op. 10;
    Jephtas Tochter, op. 26;
    Donald Caird ist wieder da, op. 52;
    Adonisfeier, op. postum;
    Frithjof (Fragment);
    Der Gang nach Emaus, op. 27 (geistl. Tonstück f. Orch.).

  • Literatur

    ADB 13;
    L. Ramann, Claviercompp. von A. J., in: Aus d. Gegenwart, 1868;
    Aus Briefen A. J.s, hrsg. v. P. Kuczynski, 1879;
    A. Niggli, A. J., 1900;
    G. Schweizer, Das Liedschaffen A. J.s, Diss. Gießen 1933;
    F. Baser, Nachlaß d. Liedmeisters. A. J., in: Musica 7, 1953;
    MGG VII (W, L, auch f. Fam.);
    Riemann (auch f. B Gustav);
    Altpreuß. Biogr. (auch f. B Gustav u. Schwieger-V).

  • Autor/in

    Robert Münster
  • Empfohlene Zitierweise

    Münster, Robert, "Jensen, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 406 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117102946.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jensen: Adolf J., geb. am 12. Januar 1837 zu Königsberg in Preußen, zeigte schon frühzeitig musikalisches Talent, welches sich durch mancherlei Studien und in zwanglosem Umgang mit Louis Ehlert und F. Marpurg bald förderlich entwickelte. Im Alter von 19 Jahren ging er als Musiklehrer nach Bresz in Rußland zu einer adlichen Familie. Von dem Ertrage dieser Stellung hoffte er später einige Zeit in Schumann's Nähe leben zu können; der Tod des Meisters im J. 1856 vereitelte diesen Wunsch. Nach Deutschland zurückgekehrt, sah ihn das Jahr 1857 als Kapellmeister an den Theatern zu Posen und Glogau, zwei Jahre später nahm er die gleiche Stellung an der deutschen Oper in Kopenhagen ein, wo ihm der musikalische Rath Gade's sehr nützlich wurde. Von dort wandte er sich 1860 wieder nach seiner Vaterstadt, wo er eine Zeit lang der musikalischen Akademie als Musikdirector angehörte und im Herbste 1868 sich mit Friederike Bornträger vermählte, die ihm mit hingebender Liebe und Selbstverleugnung bis an sein Lebensende zur Seite stand. Im J. 1866 endlich wurde er nach Berlin an Karl Tausig's Conservatorium berufen. Nach zwei Jahren gab er diese Thätigkeit wieder auf, da sie ihm zu wenig Zeit zum Schaffen ließ. Leider hatte er sich vielleicht schon 1867 durch eine heftige Erkältung auf einer Schweizerreise, jedenfalls aber durch allzugroße Anstrengung in Ausübung der Musik den Keim der schrecklichen Krankheit geholt, die sein Leben allzu früh enden sollte. Von Berlin nach Dresden übergesiedelt, begann er nun mit den Seinen jenes ruhelose, unstete, unbehagliche Wanderleben, welches ihn je nach|den Rathschlägen der Aerzte an die verschiedensten Kurorte Oesterreichs, Italiens und Deutschlands führte, ohne daß er je die ersehnte Genesung finden konnte. Nach längerem Aufenthalte in Graz siedelte er im J. 1875 nach Baden-Baden über; aber auch dessen milde Luft brachte seiner kranken Brust keine Heilung mehr. Nach schwerem Kampfe hauchte er am 23. Januar 1879 in den Armen seiner treuen Gattin seinen Geist aus. Manche Anträge waren noch an ihn herangetreten, selbst schon zur Zeit seines Berliner Aufenthaltes: so wollte ihn Sondershausen als Kapellmeister, Basel als Director des neubegründeten Conservatoriums gewinnen, so rief ihn später auch Karl Tausig mit dringenden Worten wieder nach Berlin zurück; gesundheitliche Rücksichten aber, sowie vor Allem die Ueberzeugung, daß er solchen Stellungen den ungestörten, ihm immer mehr ans Herz gewachsenen Umgang mit seiner Muse mehr oder minder zum Opfer bringen müßte, hießen ihn alle Anerbieten — dasjenige Karl Tausig's unter schmerzlichem Bedauern — ablehnen. — Diese einfache biographische Erzählung ist in der Hauptsache dem Vorworte eines Büchleins entnommen, welches 1879 in Berlin erschien und den Titel führt „Aus Briefen Adolf Jensen's. Mit einem Vorworte des Empfängers“. Dasselbe gibt ein treffendes Bild des liebenswürdigen und feinfühligen Tondichters, der langsam unter schweren körperlichen Leiden dahin siechte. Außer einer Sonate für Klavier (op. 25), 25 Klavieretuden (op. 32), dem „Gang nach Emmaus“ (op. 27, ein geistliches Tonstück für großes Orchester) und dem Oratorium „Jephta's Tochter“ für Soli, Chor und großes Orchester hat J. meist nur kleinere Stücke für Pianoforte und eine große Anzahl Lieder (über 62 Werke) veröffentlicht. Alle diese Compositionen zeichnen sich durch lebhafte Erfindung und Phantasie, durch Anmuth, Grazie und einen immer wiederkehrenden Zug von Weichheit und Wehmuth aus. Aber auch auf einem anderen Gebiete der musikalischen Empfindung ist J. Meister, auf dem des lebensfrohen Humors. In dieser Beziehung sind insbesondere die Wanderbilder (op. 17) für Klavier und viele seiner Chor- und Einzellieder zu erwähnen, vor Allem die 12 Lieder aus Scheffel's Gaudeamus (op. 40) und „Alt Heidelberg, du feine“ aus desselben Dichters „Trompeter von Säckingen“. Jensen's Werke sind bereits tief in die gebildeten musikalischen Kreise Deutschlands eingedrungen und werden immer größere Verbreitung finden.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Jensen, Adolf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 774-775 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117102946.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA