Lebensdaten
1728 bis 1791
Sterbeort
Oldenburg
Beruf/Funktion
Botaniker ; Staatswissenschaftler ; Arzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117097152 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oeder, Georg Christian von
  • Oeder, Georg Christian (bis 1789)
  • Oeder, Christian von
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Oeder, Christian von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117097152.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Ludwig O. (1694-1760), Konrektor, später Stiftsprediger in Feuchtwangen, S d. Georg Christoph O. (1652-1729), Pfarrer in Schopfloch, u. d. Anna Rosina Hacker zum Hard ( 1708);
    M Margarete Sibylle, T d. Georg Ludwig Hamberger, Dechant in Feuchtwangen;
    B Georg Wilhelm (1721–51), Rektor d. Gymnasiums in Thorn, Johann Ludwig (1722–76), Hofrat, Prof. am Collegium Carolinum in Braunschweig, Johann Friedrich (1729–72), Reg.rat in A.;
    1) 1755 Charlotte Hedwig (1728–76), T d. dän. Etatsrats Moritz Christian Ericius ( 1753) u. d. Anna Magdalena Jonas, 2) 1776 Catharina Gertrud (1755–1807), T d. Großkaufm. u. dän. Justizrats Conrad Matthiesen (1723–89) u. d. Agneta Gertrud Fleischer (1728–95);
    2 S, 1 T aus 2), u. a. Conrad Johann (1779–1836), oldenburg. Landvogt.

  • Leben

    O. studierte 1746-49 Medizin sowie Botanik an der Univ. Göttingen und ließ sich anschließend als Arzt in Schleswig nieder. 1752 wurde er nach Kopenhagen berufen und mit dem Aufbau eines botanischen Instituts sowie einer Bestandsaufnahme der Pflanzenwelt der dän. Gesamtmonarchie betraut. Nach ausgedehnten Forschungsreisen veröffentlichte er seit 1762 die „Flora Danica“ (3 Bde., 1766–70), die seinen Ruhm als Botaniker begründete. Außerdem begann er, die ökonomischen und sozialen Verhältnisse einzelner Gebiete zu untersuchen, informierte die Regierung in ausführlichen Berichten und legte zahlreiche Verbesserungsvorschläge vor. Eine Denkschrift über die Bauernbefreiung (1769) enthält im Kern seine frühliberalen Vorstellungen über die notwendigen Reformen von Staat und Gesellschaft. O.s Tätigkeit verlagerte sich in diesen Jahren immer stärker von der botanischen Forschung hin zu statistisch fundierter staatlicher Planung und Verwaltung. Er wurde mit Sonderaufträgen wie der Auswertung der Volkszählung von 1769 oder der Planung von Witwenkassen betraut und bearbeitete in der Generallandwesenskommission die Frage der Aufhebung der Frondienste. 1771 wurde er von Struensee zum Finanzrat und Mitglied|des nach seinem Vorschlag eingesetzten zentralen Finanzkollegiums ernannt. Nach dessen Sturz wurde O. 1773 nach Oldenburg abgeschoben, das bald darauf ein selbständiges Herzogtum wurde. Hier erhielt er die relativ untergeordnete Stelle eines Richters am Untergericht Oldenburg mit dem Titel „Landvogt“. In den folgenden Jahren wandte O. sich dem Projekt einer Personenversicherung zu, die er als ein Äquivalent für die Abschaffung feudaler und korporativer Bindungen sah. 1778 wurde nach seinen Plänen in Hamburg die mit einer Sparkasse verbundene Allgemeine Versorgungsanstalt errichtet. 1779 folgte in Oldenburg eine Witwenkasse, die 1781 zu einer Witwen-, Waisen- und Leibrentenkasse erweitert wurde. 1781-85 leitete O. die von ihm initiierte Landesvermessung. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze, in denen er teils seine dän. Erfahrungen auswertete, teils aktuelle Fragen wie den Bau eines Kanals zwischen Nordsee und Ostsee oder währungspolitische Probleme aufgriff. – O. zählt zu den produktiven Wissenschaftlern der Aufklärung, die vor allem an einer praktischen Umsetzung ihrer Erkenntnisse sowie an vernünftigen Reformen in Staat und Gesellschaft interessiert waren.

  • Werke

    u. a. Elementa botanicae, 2 Bde., 1764-66;
    Abb. d. Pflanzen etc. z. Erl. d. Werkes Flora Danica, 3 Bde., 1766-70;
    Nomenclator botanicus, 1769;
    Enumeratio plantarum Florae Danicae, 1770 (dt. 1770);
    Bedenken üb. d. Frage: Wie dem Bauernstande Freyheit u. Eigenthum in den Ländern, wo ihm beydes fehlet, verschaffet werden könne, 1769;
    Raisonnements über Wittwenkassen, 1771;
    Gründl. Unterricht v. Anlegung dauerhafter Wittwen-Cassen od. Wittwen-Verpflegungs-Anstalten, 1776;
    Theorie zu Witwenkassen u. Versorgungsanstalten überhaupt, in: Dt. Mus. 2, 1779, S. 96-127;
    Nachr. v. e. Landvermessung im Oldenburgischen, 1788;
    Ueber Banco, Courant u. Münze, in: Staats-Anzeigen, XII, 1788, S. 310-16;
    Gedanken üb. d. Papir-Geld, ebd., XV, 1790, S. 291-311;
    Aufsätze betreffend d. im J. 1769 in d. Kgl. Dän. Staaten in Europa vorgenommene Volkszählung, in: Slgg. z. Gesch. u. Staatswiss., hg. V. A. Heinze, 1. Bd., 1789, S. 1-138.

  • Literatur

    ADB 24;
    G. A. v. Halem, Andenken an O., 1793 (P);
    C. Christensen, Den danske botanisk historie I, 1924;
    G. E. Hoffmann. G. Ch. O., e. bevölkerungspol. Schriftst. d. 18. Jh., in: Archiv f. Bevölkerungswiss. u. Bevölkerungspol. 10, 1940, S. 87-102;
    Landessparkasse zu Oldenburg 1786-1961, hg. v. C. Haase u. G. Wietek, 1961;
    O. Harms, Die amtl. Topogr. in Oldenburg u. ihre kartogr. Ergebnisse, in: Oldenburger Jb. 60, 1961, S. 1-38;
    C. Haase, G. Ch. v. O.s Oldenburger Zeit, ebd. 64, 1965, S. 1-58;
    ders., in: Niedersächs. Lb. VII, 1971, S. 167-83;
    I. E. Momsen, Die allg. Volkszählungen in Schleswig-Holstein in dän. Zeit (1789–1860), 1974;
    I. Gorny, in: Peter Friedrich Ludwig u. d. Hzgt. Oldenburg, hg. v. Heinrich Schmidt, 1979, S. 201-12;
    H. Ehrencron-Müller, Forfatterleksikon omfattende Danmark, Norge og Island indtil 1814, IX. 1932, S. 244-49 (W, L);
    Dansk Leks.;
    Biogr. Hdb. Oldenburg (W, L, P).

  • Autor/in

    Hans Friedl
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedl, Hans, "Oeder, Christian von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 425 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117097152.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oeder: Georg Christian v. O. wurde am 3. Februar 1728 zu Ansbach geboren, wo sein Vater Georg Ludwig O. (s. o.) die Conrectorstelle am Gymnasium bekleidete. Nachdem er von seinem neunten bis zu seinem zwölften Jahre die lateinische Schule zu Feuchtwangen, wohin der Vater als Dechant übergesiedelt war, besucht hatte, erhielt er seine fernere Ausbildung allein durch den Vater und bezog um Ostern 1746 die Universität Göttingen, um sich dem Studium der Medicin zu widmen. Sein vorzüglichster Lehrer war Haller, der|ihn zugleich in die schönen Wissenschaften und besonders in die englische Litteratur einführte. Im Herbst 1749 zum Doctor promovirt, ließ er sich in Schleswig als praktischer Arzt nieder. Jedoch schon im J. 1752 wurde er durch den dänischen Minister Grafen Bernstorf nach Kopenhagen berufen, um bei Anlage eines botanischen Instituts mitzuwirken, und erhielt im J. 1754 eine Professur der Botanik an der dortigen Universität. Nachdem er zum Zweck botanischer Sammlungen in den Jahren 1755 bis 1759 Norwegen bereist hatte, erschien vom Jahre 1762 an seine mit zahlreichen Kupfertafeln geschmückte „Flora Danica“, ein Werk, welches als „eine wahre Zierde unseres Jahrhunderts“ bezeichnet wurde; derselben folgten als Einleitung die „Elementa Botanicae“ (2 Bände 1764 und 1766) und als Ergänzung der „Nomenclator botanicus“ (1769) und die „Enumeratio plantarum Florae Danicae“ (1770). Seine Reise hatte er aber zugleich dazu benutzt, über die Zustände des Landes die genauesten Kenntnisse sich zu verschaffen und in ausführlichen Berichten politisch-ökonomische Beobachtungen niederzulegen, welche den Minister Grafen Moltke veranlaßten, O. zu einem Gutachten über das damals eifrig erörterte Problem einer Verbesserung der Lage des Bauernstandes aufzufordern. Sein „Bedenken über die Frage, wie dem Bauernstande Freiheit und Eigenthum in den Ländern, wo ihm beides fehlet, verschafft werden kann“ (1769), hat Epoche gemacht; die Einwände, welche von Seiten der Gutsbesitzer gegen die auf Aufhebung der Leibeigenschaft und Beseitigung der Frohndienste abzielenden Vorschläge erhoben wurden, suchte er durch „Zusätze zu dem Bedenken“ (1771) zu widerlegen. Gleichzeitig unterzog er die Listen der im August 1769 in Dänemark ausgeführten allgemeinen Volkszählung einer eingehenden Bearbeitung, deren Resultate später auch in Deutschland veröffentlicht sind (Heinze's Sammlung zur Geschichte und Staatswissenschaft, 1780, Bd. 1). Die im J. 1770 erfolgte Aufhebung des botanischen Instituts entzog endlich O. gänzlich seinem früheren Beruf. Er erhielt zunächst den Auftrag, die mit der Einimpfung der Hornviehseuche auf der Insel Aunöe anzustellenden Versuche zu beaufsichtigen, wurde dann (1771) durch Struensee als Finanzrath in die Generallandwesenscommission und später in das Finanzcollegium berufen. Aber der Sturz Struensee's gab seinen Gegnern und Neidern schon im folgenden Jahre (1772) die erwünschte Gelegenheit, seine Ernennung zum Stiftsamtmann in Drontheim und dann, noch bevor er dieses Amt antrat, seine Versetzung als Landvogt in die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, deren Austausch bevorstand, herbeizuführen (1773). Der Landvogt zu Oldenburg war Einzelrichter erster Instanz in Civilsachen und Instruent in Criminalsachen. O., unbekannt mit den Verhältnissen, erkundigte sich bei einem Freunde, was es mit der Stelle auf sich habe, und ob er bei der Verwaltung derselben mit dem Lichte der Vernunft werde auslangen können. Der Freund mußte gestehen, „daß das Lämpchen des positiven Rechts doch daneben kaum entbehrlich sein werde“. Allein es blieb O. keine Wahl. In Oldenburg fand er gleich nach seiner Ankunft eine treue Stütze an dem jungen Gerhard Anton v. Halem (Bd. X. S. 407), der ihm im J. 1775 als Assessor beigeordnet wurde, und bald auch Gelegenheit, seine staatswissenschaftlichen Kenntnisse bei der Einrichtung einer Wittwen- und Waisencasse (1779) und bei der Leitung einer trigonometrischen Landesvermessung des Herzogthums Oldenburg (1782—85) zu verwerthen. Mit lebhaftem Interesse verfolgte er die Vorgänge in seinem früheren Heimathlande; er erlebte noch die Freude, die Grundsätze, wegen welcher er ehemals angefeindet war, die Oberhand gewinnen zu sehen, und die Genugthuung, einen Ruf zur Rückkehr nach Dänemark zu erhalten, dem er freilich bei vorgerücktem Alter nicht mehr folgen zu sollen glaubte (1788). Eine Beurtheilung der Münz- und Bankoperationen in Holstein (Allgem. lit. Zeitung v. 1791) und eine durch dieselben hervorgerufene Abhandlung über Papiergeld (Schlözers St. Anz. Bd. 11, 12, 15) waren die letzten Aufsätze, die er dem Publicum darbot. Er starb am 28. Januar 1791. Die verschiedenen Richtungen seiner umfassenden Thätigkeit und der freie, feste Sinn, mit welchem er dem, was er als recht erkannt hatte, entgegenstrebte, sind angedeutet in der Inschrift seines Grabsteines: „Daniens Blumen und Kräuter sammelt' und flocht er zum dauernden Kranz. Sichre Pflege danken die Wittwen ihm. Ihn segnet der dänische Landmann, welchem sein kühner Ruf erster Bote der Freiheit ward“. Einige Jahre vor seinem Tode hatte er mit Rücksicht auf seine Kinder vom deutschen Kaiser ein Adelspatent sich erworben; mit seinen zwei Söhnen erlosch sein Geschlecht.

    • Literatur

      Halem, Andenken an Oeder, Altona 1793.

  • Autor/in

    Mutzenbecher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mutzenbecher, "Oeder, Christian von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 147-149 unter Oeder, Georg Christian von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117097152.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA