Lebensdaten
1756 bis 1824
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Bankier in Köln
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117089303 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schaaffhausen, Johann Abraham
  • Schaaffhausen, Johann Abraham Anton
  • Schaaffhausen, Abraham
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Schaaffhausen, Abraham, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117089303.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Wolter (1726–86), Bankier, Komm.- u. Speditionshändler, Ratsherr zu K., Kirchmeister an d. Pfarre St. Jakob, S oder E d. Andreas (um 1654–1740), erwarb 1682 d. gr. Bürgerrecht in K., Ratsherr u. Bürgerhptm., u. d. Agnes Peltzer;
    M Maria Sibylla (um 1730–1815), T d. Johann Heinrich Knaben, Schöffe in Worringen b. K., u. d. Agnes Gertrud Baden;
    Schw Margarete ( Johann Theodor Mülhens, 1761–1837, Bankier in K., Koblenz u. Frankfurt/M., s. NDB 18*; Frankfurter Biogr.);
    1) 1794 Maria Anna Giesen ( 1797), aus Honnef, 2) Roermond 1800 Maria Theresia Lucia (1777–1867), aus Roermond, T d. Johannes de Maes, u. d. Anna Maria Rijcks;
    1 T aus 1) Sibylle (1797–1857, ⚭ Johann Ludwig Josef Mertens, 1781–1830, Bankier aus Bonn, 1820-30 ltd. Teilh. d. Bankhauses A. Schaaffhausen), gen. d. „Rheingräfin“, Freundin v. Adele Schopenhauer u. Annette v. Droste-Hülshoff, ca. 2000 Briefe umfassender Nachlaß in d. Univ.bibl. Bonn (s. L), 6 K aus 2), u. a. Franz Carl (1801–50, ⚭ Henriette, 1805–78, T d. Heinrich Joseph Foveaux, 1763–1844, Tabak-fabr. in K.), Auguste (1802–90, ⚭ Joseph v. Groote, 1791–1866, Oberpostdir. in K.), Theresia (1809–85, ⚭ Heinrich v. Wittgenstein, 1797–1869, erster Präs. d. Central-Dombau-Ver., Mitgl. d. Verw.rats d. Rhein. Eisenbahn u. d. Colonia Feuervers., s. NDB 17*), Elisabeth Jacobine Eleonore (Lilla) (1811–88, ⚭ Wilhelm Ludwig Deichmann, 1798–1876, ev., Bankier in K., 1830-48 ltd. Teilh. d. Bankhauses A. Schaaffhausen, 1848 Mitbegr. d. A. Schaaffhausen'schen Bankver., s. NDB III);
    E N. N. Mertens-S. (⚭ Friedrich Heimsoeth, 1818–77, Prof. d. klass. Philol., s. ADB XI), Bertha Deichmann (1836–1901, ⚭ Gustav v. Mallinckrodt, 1829–1904, preuß. Adelsanerkennung 1902, Industr., GKR, s. NDB 15*, 22*; L);
    Ur-E Sibylla Heimsoeth (1844–1934, ⚭ Hermann Deiters, 1833–1907, Gymn.dir., Provinzialschulrat in Koblenz, Musikwiss., s. NDB III), Lilla v. Mallinckrodt (1856–1915, Carl Scheibler, 1852–1920, KR, s. NDB 22).

  • Leben

    S. lernte im väterlichen Geschäft Speditions- und Kommissionshandel, Eigenhandel mit Häuten sowie das Bankgeschäft kennen. Nach dem Tod des Vaters gründete er um 1790 sein unter eigenem Namen betriebenes Handelshaus und nutzte den wirtschaftlichen Aufschwung Kölns nach der Eroberung durch franz. Truppen 1794; um 1810 galt er als der bedeutendste Bankier Kölns. Das Eigenkapital der Firma erhöhte sich von 80 000 Talern (1800) auf 140 000 Taler (1810) und 550 000 Taler (1825). Seit Beginn des 19. Jh. verlagerte sich das Schwergewicht allmählich vom Handels- auf das Bankgeschäft. Einen Teil seiner Handelsgewinne investierte S. in Unternehmenskredite; deren Nutznießer waren insbesondere die Textilunternehmer des Umkreises: Scheibler, Schoeller, Brügelmann, Dilthey, die rhein. Leder-, Zucker- und Papierindustrie sowie seit den 1820er Jahren auch die im Aachener Revier und im Saargebiet entstehende Schwer- und Maschinenindustrie. Damit gehört S. wie andere Kölner Privatbankiers seiner Generation zu den ersten Bankiers überhaupt, die Industriekredite vergaben.

    Zum Hauptgeschäft der Bank entwickelte sich jedoch seit 1807 der Immobilienhandel infolge der Säkularisation. Neben S. spielten Stadtbaumeister Johann Peter Weyer und der Bankier Friedrich Herstatt dabei die führende Rolle. Größtes Einzelgeschäft war der Erwerb von 46 Grundgütern für mehr als 2 Mio. Taler 1818. Der Verkauf zog sich jedoch unerwartet bis weit nach S.s Tod in die 1840er Jahre hin, wodurch ein großer Teil des Geschäftskapitals langfristig gebunden blieb. Dieses Problem führte schließlich 1848 zur Zahlungsunfähigkeit der Bank. Um die wirtschaftliche und politische Lage zu stabilisieren, wurde sie unter Führung namhafter Kölner Unternehmer wie Abraham Oppenheim und Gustav Mevissen in die erste dt. Aktienbank umgewandelt, die als „A. Schaaffhausen'scher Bankverein“ firmierte.

    S. übte auch zahlreiche öffentliche Funktionen aus: Seit 1782 Ratsherr, wurde er 1801 von Napoleon zum Bürgermeister von Köln bestellt, lehnte das Amt jedoch ab. Im selben Jahr wurde er Präsident des Handelsgerichts, 1811 Mitglied des Gemeinderates, 1812 Mitglied der Kölner Handelskammer. Diese Ämter übte er bis zu seinem Tod aus.

    S. gehört mit Sal. Oppenheim, J. D. Herstatt und J. H. Stein in die Reihe der älteren Kölner Privatbankiers, die, noch in kaufmännischen und gewerblichen Mischformen des Ancien Régime wurzelnd, den Übergang zum reinen Bankgeschäft vollzogen. Die innovative Kraft dieser Gruppe hat S. freilich am wenigsten verkörpert, da er sich alsbald im wesentlichen auf das traditionelle Immobiliengeschäft konzentrierte.|

  • Auszeichnungen

    preuß. KR: Rr. d. preuß. Roten Adlerordons III. Kl.

  • Literatur

    G. Mallinckrodt, Btrr. z. Gesch. d. Kölner Fam. Schaaffhausen, 1896;
    E. Koenigs, Erinnerungsschr. z. 50j. Bestehen d. A. Schaaffhausen'schen Bankver., 1898;
    A. Krüger, Das Kölner Bankiergewerbe v. Ende d. 18. Jh. bis 1875, 1925 (P);
    Mit Köln versippt, bearb. v. R. Steimel, I, 1955, Tafel 165 (P);
    R. Büttner, Die Säkularisation d. Kölner geistl. Institutionen, Wirtschaftl. u. soz. Bedeutung u. Auswirkungen, 1971;
    H. Pohl, Wirtsch.gesch. Kölns im 18. u. beginnenden 19. Jh., in: Zwei J.tausende Kölner Wirtsch., II, hg. v. H. Kellenbenz, 1975, S. 11-162;
    K. van Eyll, Wirtsch.gesch. Kölns v. Beginn d. preuß. Zeit bis z. Reichsgründung, ebd., S. 163-266;
    zu Sibylle Mertens-S.:
    Briefe an S. M.-S. v. Th. Glasen u. W. Ottendorff-Simrock, 1974;
    R. Herbig, La principessa tedesca, S. M.-S. 1797-1857, in: Röm. Quartalsschr. 53, 1958, S. 129-15;
    E. Heinen, Die Rheingfn. S. M.-S., in: Godesberger Heimatbll. 35, 1997, S. 47-63;
    zur Fam.:
    H. M. Schleicher, Die geneal.-herald. Slg. d. Kanonikus loh. Gabriel v. der Ketten in Köln, IV, 1986; |

  • Quellen

    Qu StadtA Köln.

  • Autor/in

    Gabriele Teichmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Teichmann, Gabriele, "Schaaffhausen, Abraham" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 485-486 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117089303.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA