Lebensdaten
1872 bis 1950
Geburtsort
Reutlingen
Sterbeort
Weil im Dorf bei Stuttgart
Beruf/Funktion
Bauingenieur ; Stahlbetonfachmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117088722 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mörsch, Emil

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Zitierweise

Mörsch, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117088722.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1835–1901), Tuchmacher in Metzingen, S d. Johann (1792–1862), Weißgerber, später Leimfabr. in Calw, u. d. Magdalena Ursula Müller (1805–79);
    M Emilie Marie Luise (1839–95), T d. Gottlob v. Neudeck (1807–66), Rotgerber in Stuttgart, u. d. Anna Maria Nill (1807–61); B d. Gmv Niklas Müller (1809–75), Dichter, bad. Abgeordneter (s. ADB 22);
    Stuttgart 1901 Amalie (* wahrsch. 1879), T d. Christian Bürklen (1848–1921), Baurat in Heilbronn, u. d. Amalie Krayl (1855–79);
    2 T; Verwandter Karl Moersch (* 1926), Staatsmin. im Auswärtigen Amt 1974-76 (s. Wi. 1992).

  • Leben

    M. studierte 1890-94 Bauingenieurwesen am Polytechnikum in Stuttgart, der späteren Technischen Hochschule. Danach trat er als Regierungsbauführer in den Dienst der Württ. Straßen- und Wasserbauverwaltung ein. In dieser Stellung fand er Gelegenheit, auf dem Gebiete des Massivbrückenbaues umfassende Kenntnisse und erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Seine Vorliebe für den Brückenbau führte ihn 1899 in das Brückenbüro der Württ. Staatseisenbahnen. 1901 wurde er Oberingenieur und Leiter des Technischen Büros der Bauunternehmung Wayss & Freytag AG in Neustadt a. d. Haardt. Mit Conrad Freytag, dem damaligen Seniorchef des Unternehmens, selbst einem der Begründer und Wegbereiter der neuen Stahlbetonbauweise (anfangs Betoneisenkonstruktionen, danach Eisenbetonbau genannt), verband ihn eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit, die seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägte. M. stand damals am Anfang einer Entwicklung, die ihn binnen weniger Jahre zum maßgebenden Fachmann der neuen Bauweise machte. In der schon 1902 von der Wayss & Freytag AG herausgegebenen Schrift „Der Eisenbetonbau, seine Anwendung und Theorie“ war er der Verfasser des theoretischen Teils. Darin ist erstmals eine zusammenfassende Anleitung zur Berechnung von Stahlbetontragwerken enthalten. Nachdem er 1904 einem Ruf als o. Professor der Statik, des Brückenbaues und des Eisenhochbaues an das Eidgenössische Polytechnikum Zürich gefolgt war, kehrte er 1908 nach vierjähriger erfolgreicher Lehr- und Forschungstätigkeit als Technischer Vorstand zu Wayss & Freytag zurück. 1916 entschied er sich mit der Annahme des Rufes als o. Professor für Statik, Eisenbetonbau und gewölbte Brücken der TH Stuttgart endgültig für die akademische Tätigkeit. Als hochgeschätzter Lehrer und Forscher wirkte er in Stuttgart bis zu seiner Emeritierung 1939.

    Voraussetzung für den um die Jahrhundertwende in Deutschland einsetzenden stürmischen Aufschwung der Stahlbetonbauweise war die intensive Beschäftigung mit dem neuen Verbundwerkstoff Eisenbeton und die Erforschung seiner mechanischen Eigenschaften. M. hatte an dieser Entwicklung einen entscheidenden Anteil. Er gehörte dem 1903 gegründeten Eisenbetonausschuß der Jubiläumsstiftung der deutschen Industrie an, war seit 1905 Mitglied des Deutschen Beton-Vereins und dessen Vertreter im Deutschen Ausschuß für Eisenbeton (später Stahlbeton), der erstmals 1907 zusammentrat. Zahlreiche Anregungen und Arbeitspläne für experimentelle Untersuchungen des neuen Werkstoffs gehen auf ihn zurück. In nicht zu übertreffender Klarheit verstand es M., durch theoretische Überlegungen und streng wissenschaftliche Auswertung von Versuchsergebnissen das Zusammenwirken des druckfesten Betons mit dem zugfesten Stahl zu beschreiben und in einfache Berechnungsverfahren umzusetzen, die in ihren Grundzügen noch heute gültig sind. Über seine Arbeiten berichtete M. in zahlreichen Fachaufsätzen in Zeitschriften und in einer Reihe von Büchern, die im In- und Ausland weite Verbreitung fanden und z. T. in fremde Sprachen übersetzt wurden. An M. erinnert die 1938 vom Deutschen Beton-Verein gestiftete Emil-Mörsch-Denkmünze für Verdienste um den Beton- und Eisenbetonbau. M. war selbst der erste Träger dieser Auszeichnung.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Stuttgart 1912), Dr. sc. techn. E. h. (ETH Zürich 1929); Ehrenmitgl. d. Concrete Institute London (1913); Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Bauwesens (1919); Ehrenmitgl. d. Brasilian. Betonveroins (1931) u. d. Württ. Ver. f. Baukde. (1932); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1942).

  • Werke

    u. a. Der Eisenbeton, seine Theorie u. Anwendung, 5 Bde., 1912;
    Verdrehungsversuche z. Klärung d. Schubfestigkeit v. Eisenbeton, 1922 (mit O. Graf);
    Versuche mit Eisenbetonbalken z. Ermittlung d. Widerstandsfähigkeit versch. Bewehrungen gegen Schubkräfte, 1928 (mit dems.);
    Der durchlaufende Träger, 1928, 41951;
    Der Spannbetonträger, 1943;
    Das Cross'sche Verfahren z. näherungsweisen Berechnung d. durchlaufenden Träger v. konstantem u. veränderl. Trägheitsmoment, d. Stockwerkrahmen u. d. Silozellen, 1947;
    Statik d. Gewölbe u. Rahmen, 2 T., 1947;
    Die Berechnung d. inneren Spannungen, in: Eisenbetonbau, Entwurf u. Berechnung, I, 1926, S. 152-366;
    Berechnung d. inneren Spannungen, in: Luegers Lex. d. gesamten Technik II, 1926, S. 698-716;
    Schubsicherung d. Eisenbetonbalken, in: Beton u. Eisen 26, 1927, S. 27-35;
    Verbesserung d. Achsform b. eingespanntem Gewölbe, ebd. 39, 1940, S. 101-06;
    Bogenscheibenwirkung b. Brücken aus Eisenbeton u. Stein, ebd. 41, 1942, S. 153-56;
    Versuche üb. d. Schubkräfte b. Biegung mit Axialdruck an e. Betonprisma, in: FS TH Stuttgart 1929;
    Wirkung d. Bremskräfte b. d. massiven Brücken, in: 2. Kongreß IVBH, 1936;
    Ermittlung d. Bruchmoments v. Spannbetonträgern, in: Bautechnik 26, 1949, S. 89;
    Ermittlung d. Bruchmoments v. Spannbetonbalken, in: Beton u. Stahlbetonbau 45, 1950, S. 149-57.

  • Literatur

    Wi. 1935;
    Beton- u. Stahlbetonbau 1951, S. 25;
    O. Graf, in: Bautechnik 28, 1951, S. 41 (P);
    VDI-Zs. 93, 1951, S. 262;
    B. Renfert, in: Straßen- u. Tiefbau 5, 1951, S. 19;
    A. Kleinlogel, in: Beton- u. Stahlbetonbau 46, 1951, S. 25 (P);
    Bauztg. 56, 1951, S. 55;
    Bau. 1951, S. 132;
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Georg Knittel
  • Empfohlene Zitierweise

    Knittel, Georg, "Mörsch, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 682 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117088722.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA