Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen von Moers
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121905489 | OGND | VIAF

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Moers, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd121905489.html [24.09.2017].

CC0

  • Leben

    Die edelfreien Herren v. M. am linken Niederrhein, 1186 mit Elgerus de Murse und Dietrich I. erstmals urkundlich erwähnt, führten seit 1226 den Grafentitel (Dietrich II., als Graf: Dietrich I., 1262). Ihr Territorium, das sich zwischen dem Erzstift Köln und den Grafschaften bzw. Herzogtümern Kleve und Geldern behaupten konnte, umfaßte Stadt und Burg Moers, die Herrschaft Friemersheim und die Stadt Krefeld mit der Burg Krakau. Bis zur Schlacht von Worringen 1288 Gefolgsleute der Erzbischöfe von Köln – Gf. Dietrich II. (1234–1307) geriet als geldrischer Gefolgsmann mit Erzbischof Siegfried v. Westerburg in Gefangenschaft –, wandten sich die M. danach verstärkt den Grafen von Kleve als deren Lehensleute zu (Dietrich II. war schon 1287 ligischer Vasall des Grafen von Kleve geworden). Nachdem Dietrich II. 1300 die Stadtrechte für Moers und Friedrich II. 1373 die für Krefeld erhalten hatte, vergrößerten die Grafen im 14. und frühen 15. Jh. durch den Erwerb von Pfandschaften und ihre Heiratspolitik ihren Herrschaftsbereich um mehr als das Doppelte: Die Grafschaft (216 qkm) erweiterte sich um das Land Born mit den Städten Sittard und Susteren, das Land Brüggen mit den Städten Dülken, Süchteln und Rheindahlen und um die Herrschaft Wassenberg (469 qkm). Dies, die Erwerbung der Gfsch. Saarwerden sowie die geschickte Ausnutzung ihrer Lage zwischen den genannten größeren Territorien bescherten der Grafschaft eine Glanzzeit, die vom ausgehenden 14. bis in die 2. Hälfte des 15. Jh. reichte und den Grafen eine Bedeutung verlieh, die über ihre schmale territoriale Grundlage weit hinausreichte. Namentlich ihre seit 1350 erfolgende verstärkte Hinwendung zu den Grafen bzw. Herzögen von Geldern und die Übernahme von Funktionen in deren Territorium brachte ihnen eine führende Stellung ein. Der neue burgund. Großstaat setzte ihrer Bedeutung jedoch bald ein Ende.

    Gf. Dietrichs I. Sohn Dietrich II. (s. o.) war verheiratet mit Margarete v. Isenburg-Arenfels (erw. 1292-1302); sein jüngerer Bruder Friedrich (* 1237) wurde 1289 Truchseß von Geldern. Dietrichs II. Sohn Dietrich III., 1295 erstmals bezeugt, starb 1346. Dessen Sohn Dietrich IV. (erw. seit 1346, 1372) heiratete vor 1352 in 2. Ehe Elisabeth v. Batenburg (erw. 1359-72), Erbin von Baer (Bahr) und Lathum a. d. Ijssel. Beider Sohn Friedrich II. (1372–1417) erbte auf Grund seiner Ehe (1376) mit Gfn. Walburga v. Saarwerden ( 1418), Schwester des Kölner Erzbischofs Friedrich v. Saarwerden (1348–1414, s. NDB V), 1397/99 deren Grafschaft. Seit 1382 waren die Grafen v. M. auch Außen-Edelbürger der Reichsstadt Köln, wo sie einen der stattlichsten Höfe besaßen. Friedrichs II. Sohn Friedrich III. (1391–1448), Gf. v. M. und Saarwerden, heiratete früh Engelberta von der Mark ( 1458), Tochter des Gf. Adolf I. von Kleve (1334–94, s. NDB I). Nachdem Hzg.

    Philipp d. Gute von Burgund (1396–1467) ihn noch im Stiftungsjahr 1430 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen hatte, war das Grafenhaus „einer der Sachwalter der burgund. Politik im Reich“. In dieser Eigenschaft war Friedrich mehrmals mit bedeutenden Friedensvermittlungen befaßt, wie er auch in der Soester Fehde zwischen seinem bischöflichen Bruder und seinem Schwager, Hzg. Adolf I. von Kleve (1373–1448, s. NDB I) eine vermittelnde Haltung einnahm. Sein 2. Bruder Johann I. ( 1431) folgte 1417 in Saarwerden; durch dessen Urenkelin Katharina ( 1547) kam diese Grafschaft an Nassau-Saarbrücken. Drei weitere Brüder waren lange Jahre Bischöfe im rhein.-westfäl. Gebiet: der bedeutende Dietrich v. M. (um 1385-1463, s. NDB III), 1414 Erzbischof von Köln, 1429 auch Administrator von Paderborn, Heinrich (1391?-1450), 1410 Propst zu Xanten, 1413 zu Utrecht, seit 1426 Bischof von Münster, seit 1441 auch Administrator von Osnabrück, Walram (1393?-1456), erwählter Bischof von Utrecht (1433), 1450 Nachfolger Heinrichs als Bischof von Münster; ihre Schwester Klara ( 1457) war seit 1397 Äbtissin von St. Quirin in Neuss; die übrigen Geschwister gingen Eheverbindungen mit den Häusern Looz-Heinsberg, Lippe, Tecklenburg und Nassau-Dillenburg ein.

    Friedrich III. und sein einziger Sohn Vinzenz (um 1410–99) brachten die Grafschaft auf den Höhepunkt ihrer Macht, doch vollzog sich unter Vinzenz auch ihr rapider Abstieg. 1438 mit Anna von Pfalz-Simmern (1413–55). Enkelin Kg. Ruprechts von der Pfalz, verheiratet, verlagerte Vinzenz als Parteigänger Hzg. Adolfs von Geldern (1438–77) die Konzentration der moers. Politik von Burgund auf das von diesem bedrohte Hzgt. Geldern, wo er eine führende (gleichwohl vermittelnde) Stellung einnahm. Nach der Parteinahme Karls d. Kühnen von Burgund (1432–77) für Adolfs Vater Arnold v. Egmont (1410–73) war auch Vinzenz Karls Gegner; 1472/73, in der schwierigsten Zeit des Kampfes gegen Burgund, war er Landeshauptmann der drei geldr. Niederquartiere (Arnheim, Nymwegen, Zutphen). Als Karl sich dann nach Arnolds Tod als rechtmäßigen Herrn von Geldern ansah, suchte Vinzenz die Aussöhnung mit ihm, die aber nicht gelang. Vielmehr wurden bei Karls Eroberungszug durch Geldern im Juli 1473 auch Moers, Krefeld und Krakau besetzt. Im Januar 1493 übertrug der hochbetagte und -verschuldete Vinzenz die Grafschaft mit Krefeld und Krakau samt den Pfandschaften an Gf. Wilhelm v. Wied ( 1526 oder 1534/37), Ehemann (1481) seiner|Enkelin Margareta ( 1515) und Bruder des nachmaligen Kölner Erzbischofs Hermann v. Wied (1477–1552, s. NDB VIII), im Juni 1494 löste der Herzog von Jülich sämtliche Pfandschaften einschließlich des Amtes Wassenberg ab. Damit war Moers wieder auf die Stufe einer kleinen, recht unbedeutenden Grafschaft herabgesunken. Nach Vinzenz' Tod begann sein Enkel Bernhard (Gerhard) (* 1462/72) – Vinzenz' Sohn Friedrich war 1477 im Duell mit Adolf v. Geldern gefallen – die Rückeroberung der Grafschaft gegen Schwager und Schwester, starb aber schon 1501. Nach längeren Wirren wurden Wilhelm v. Wied und seine Erbtochter Anna (erw. 1500-28) 1515 von Kaiser Maximilian I. mit der Gfsch. Moers belehnt, die durch Annas Eheschließung (1518) mit Gf. Wilhelm v. Neuenahr (erw. 1497-1553) dann an dieses Geschlecht gelangte.

  • Literatur

    L. Henrichs, Gesch. d. Gfsch. M., 1914; P. Clemen (Hrsg.), Die Kunstdenkmäler d. Rheinprov. VII, 2, 1929; H. Keußen d. J. (Hrsg.), UB d. Stadt Krefeld u. d. alten Gfsch. M., 5 Bde., 1938 ff.; O. Ottsen, Btrr. z. Gesch. d. Stadt M., I, 1950; M. Barkhausen, Die Grafen v. M. als Typus kleiner Territorialherren d. späteren MA, in: Die Heimat, Zs. f. niederrhein. Heimatpflege 22, 1951, S. 97-115; R. Kottje. Das Stift St. Quirin zu Neuß … bis z. J. 1485, 1952; F.-W. Oedigor (Bearb.), Das StA Düsseldorf u. seine Bestände, I: Landes- u. Gerichtsarchive v. Jülich-Berg. Kleve-Mark, Moers u. Geldern, 1957; H.-W. Herrmann, Gesch. d. Gfsch. Saarwerden bis z. J. 1527, I, 1957-62; G. Drooge, Dietrich v. M., in: Rhein. Lb. I, 1961, S. 49-65; W. Fohl, Niederrhein. Ritterschaft im Italien d. Trecento, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 165, 1963, S. 73-128; W. Jappe Alberts, Die östl. Niederlande u. d. Niederrhein im MA, ebd. 166, 1964, S. 7-24; H. Mosler (Hrsg.), Die Historia Campensis d. Johannes Ditmar aus Kleve, ebd. 167, 1965, S. 22-87; W. Janssen, Zur Gesch. d. Burg Oedt, ebd. 170, 1968, S. 170-219; I. Joester (Hrsg.), Rhein. Fehden im 15. Jh., ebd. 171, 1909, S. 45-80; H.-J. Brandt, Klev.-märk. Kirchenpol. im Bündnis mit Burgund in d. 1. Hälfte d. 15. Jh., ebd. 178, 1976, S. 42-76; W. Paravicini, M., Croy, Burgund, Eine Studie üb. d. Niedergang d. Hauses M. in d. 2. Hälfte d. 15. Jh., ebd. 179, 1977, S. 7-114 (L); K. Hirschberg, Hist. Reise durch d. Gfsch. M., erg. u. bearb. Neuausg. 1975; H. Faulenbach, Hermann v. Neuenahr (1520–1578), in: Rhein. Lb. VIII, 1980, S. 105-123; Regg. d. Erzbischöfe v. Köln im MA, bes. Bd. 8-10 (Friedrich v. Saarwerden, 1370–1400), bearb. v. N. Andernach, 1981-87; F.-R. Erkens, Siegfried v. Westerburg (1274–1297), 1982; J. Prieur, Die Kölner Grabdenkmäler d. letzten Grafen v. M., in: Heimatkal. d. Kr. Wesel 4, 1983, S. 110-16; M. Pohl, Gesch. d. unteren Niederrheins, in: Der Kr. Wesel, 1983, S. 94-112; W. Janssen u. H. Stehkämper (Hrsg.), Der Tag v. Worringen, 5. Juni 1288, 1988; NNBW; Isenburg IV, 1957, Tafel 25 u. 37, VII, 1979, Tafel 141 u. 168; Lex. MA.

  • Autor

    Hugo Altmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Altmann, Hugo, "Moers, von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 680-682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd121905489.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.