• Genealogie

    V Karl, Schulrektor in S.;
    M N. N.; ledig.

  • Leben

    M. studierte seit 1907 Philosophie, Psychologie und Pädagogik sowie für die Psychologie relevante naturwissenschaftliche und medizinische Fächer in Straßburg, Leipzig und Berlin. Er promovierte 1911 zum Dr. phil. in Leipzig aufgrund der Dissertation „Gedächtnis in Psychologie, Physiologie und Biologie“ und arbeitete dort am Psychologischen Institut. Im November 1918 habilitierte er sich an der TH Berlin-Charlottenburg für Psychotechnik der industriellen Arbeit mit der noch vor dem Krieg verfaßten Schrift „Experimentelle Gruppenpsychologie“ (veröffentlicht u. d. T. „Experimentelle Massenpsychologie“ 1920). 1919 wurde er dort hauptamtlicher Dozent, 1921 nicht beamteter ao. Professor für industrielle Psychotechnik und Arbeitstechnik an der Fakultät für Maschinenwesen (1940 beamtet). 1945 schied er aus der TH aus. 1951-58 war M. Dozent an der Verwaltungsakademie Berlin. 1956 wurde er als emeritierter Ordinarius für angewandte Psychologie, Betriebs- und Wirtschaftspsychologie sowie Arbeitswissenschaften an der TH Berlin anerkannt.

    Während des 1. Weltkriegs, des ersten Krieges, in dem in größerem Maßstab Fachpsychologen eingesetzt wurden, arbeitete M. an der Eignungsprüfung militärischer Kraftfahrer und wurde psychologischer Leiter aller militärisch-psychologischen Laboratorien. Zudem entwickelte er mit C. Piorkowski und G. Wolff Ausleseverfahren für die Berliner Begabtenschule. Mit diesen Erfahrungen wurde er nach Kriegsende als Direktor des Instituts für Industrielle Psychotechnik an der TH, dessen Einrichtung durch den Maschinenbauer Georg Schlesinger gefördert wurde, einer der einflußreichsten Vertreter der Angewandten Psychologie in Europa. Er führte in großem Umfang Forschungen sowie Aufträge der Industrie auf den Gebieten der Personalselektion, der Arbeitsunfälle, der Arbeitsplatzgestaltung und der Betriebsführung aus und wirkte dabei auch als Propagandist der eben entstehenden Psychotechnik, so die damalige Bezeichnung für weite Teile der Angewandten Psychologie und der psychologisch begründeten Arbeitswissenschaft. Darüber hinaus war M. einer der ersten Psychologen, die den Menschen außer als Produzenten auch als Konsumenten erforschten und damit die Psychologie der Ware, der Reklame und des Verkaufs als Teil einer umfassenden Wirtschaftspsychologie begründeten.

    Mit Piorkowski begründete er die Zeitschrift „Praktische Psychologie“ (1919-23), später die „Industrielle Psychotechnik“ (1924-44), eins der führenden Organe der Angewandten Psychologie in Deutschland, in dem auch seine Assistenten und Schüler publizierten. Als langjähriger Vorsitzender des „Verbandes praktischer Psychologen“ setzte er sich für die ständischen Belange des neuen Berufs des Psychologen ein. Trotz seiner Polemiken gegen Fachkollegen hat M. für die Anerkennung und Etablierung der Angewandten Psychologie in Deutschland und darüber hinaus Wesentliches geleistet. Zudem ist er einer der Begründer der experimentellen Sozialpsychologie, die dadurch entstand, daß Floyd Allport die Methoden der „experimentellen Massenpsychologie“ M.s übernahm und in den USA bekanntmachte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Berliner Begabtenschule, ihre Organisation u. d. experimentellen Methoden d. Schülorauswahl, 1917 (mit C. Piorkowski u. G. Wolff);
    Die Experimentalpsychol. im Dienste d. Wirtsch.lebens, 1919;
    Lehrb. d. Psychotechnik, 1930;
    Konsumpsychol., 1933;
    Arbeitstechnik, 1935;
    Eignungsprüfung u. Arbeitseinsatz, 1943;
    Betriebl. Arbeitswiss., 1954;
    Psychol. d. Berufs- u. Wirtsch.lebens, 1957.

  • Literatur

    M. Schorn, in: Psycholog. Rdsch. 9, 1958, S. 307-09;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1954;
    Wi. 1958.

  • Autor/in

    Horst Gundlach
  • Empfohlene Zitierweise

    Gundlach, Horst, "Moede, Walther" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 611 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117080535.html#ndbcontent

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