Lebensdaten
1801 bis 1891
Geburtsort
Schwaz (Tirol)
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Benediktiner ; österreichischer Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117051845 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jäger, Albert

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Zitierweise

Jäger, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117051845.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Paul, Bäcker, aus Heiterwang/Tirol;
    M Maria Rottensteiner aus Bozen.

  • Leben

    Da die Eltern durch den Brand von Schwaz 1809 verarmt waren, kam J. früh zu Verwandten nach Bozen, dann zwecks Erlernung des Italienischen 1815-17 nach Rovereto, wo seine Lehrer, darunter Don F. Guareschi, Hofmeister im gräfl. Hause Rosmini, den Sinn für historische Lektüre erweckten. J. absolvierte das Franziskaner-Gymnasium in Bozen und war zugleich als Hauslehrer bei J. v. Giovanelli in Bozen tätig. 1825 trat er in das Benediktinerstift Marienberg (Vinschgau) ein. Dieses Bergkloster hatte damals mehrere gelehrte Mitglieder wie Beda Weber und den Orientalisten Pius Zingerle. P. Basilius Raas regte J. zu Forschungen über „Die Grafen von Taraspo“ (1829) an, während am Brixner Priesterseminar der Kirchenhistoriker F. A. Sinnacher und der Exeget Jakob Probst J. mit den Methoden der historischen Theologie vertraut machten. So war J. noch weitgehend in der Benediktinergelehrsamkeit des 18. Jh. verwurzelt. Nach Tätigkeit in der Seelsorge und am Gymnasium in Meran kam er 1841 als Erzieher in das Haus des Gouverneurs Clemens Gf. Brandis nach Innsbruck, wo er reiche archivalische Quellen und die ersehnte Muße zu historischer Forschung fand. 1845 wurde er Supplent, 1846 Professor der Universal- und österr. Staatengeschichte an der Univ. Innsbruck, 1849 Direktor am Benediktinergymnasium in Meran. 1851 wurde er als Professor der österr. Geschichte an die Univ. Wien berufen, um hier „endlich eine Schule für die Bearbeitung der österr. Geschichte zu begründen“. 1852 mit päpstl. Bewilligung exklaustriert, blieb J. jedoch zeitlebens Benediktiner. J., der zweifellos eine ausgezeichnete Lehrbegabung besaß, erwarb sich insbesondere um die Gründung des „Instituts für österr. Geschichtsforschung“, dem er als erster Direktor 1854-69 vorstand, große Verdienste. O. Lorenz, K. Tomaschek, K. Fr. Stumpf-Brentano, Fr. Krones zählten zu seinen ersten Schülern. 1856 gewann er Th. Sickel als Lehrkraft, der dem Institut nach dem Vorbilde der Pariser École des Chartes die hilfswissenschaftliche Richtung wies. Unermüdlich auf dem Gebiet der österr. und vor allem der tirol. Geschichte des späten Mittelalters und der Neuzeit wissenschaftlich tätig, war J. auch politisch stark interessiert (1867-71 Reichsratsabgeordneter)|

  • Auszeichnungen

    1854/55 Dekan, 1865/66 Rektor, Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien.

  • Literatur

    ADB 50;
    MIÖG 13, 1892;
    Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien 42, 1892 (P);
    HJb. 13, 1892;
    A. Pichler, Ges. Werke 12, 1908;
    H. v. Voltelini, in: A. Lanner, Tyroler Ehrenkranz, 1925;
    ders., in: NÖB V, 1928;
    A. Lhotsky, Gesch. d. Inst. f. österr. Gesch.-forschung, in: MIÖG, Erg.bd. 17, 1954 (P);
    N. Grass, Österr. Historiker-Biogrr., Folge 1, 1957;
    ders., Benediktin. Gesch.wiss. u. d. Anfänge d. österr. Inst. f. Gesth.forschung, in: MIÖG 68, 1960;
    ders., in: Jb. d. Südtiroler Kulturinst. 2, 1962;
    Wurzbach X;
    ÖBL (W);
    DW.

  • Autor/in

    Nikolaus Grass
  • Empfohlene Zitierweise

    Grass, Nikolaus, "Jäger, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 273 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117051845.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jäger: Albert J., österreichischer Historiker, wurde am 8. December 1801 zu Schwaz in Tirol, wo sein Vater das Bäckerhandwerk betrieb, geboren. Seine Knabenzeit fiel in die bedeutsamen Jahre der tirolischen Befreiungskämpfe; 1809 sah er in seiner Vaterstadt Andreas Hofer. Nach beendigtem Gymnasialstudium in Innsbruck trat er in das Benedictinerkloster Marienberg bei Glurns und widmete sich in seinen Mußestunden dem Studium vorzüglich der heimischen Geschichte. Im J. 1844 erschien sein Buch „Tirol und der bayrisch-französische Einfall im J. 1703“, dem er, der Marienberger Mönch, schon im folgenden Jahre seine Ernennung zum Supplenten für die Lehrkanzel der Welt- und österreichischen Staatengeschichte und der historischen Hülfswissenschaften an der Universität in Innsbruck und 1846 zum definitiven Professor daselbst verdankte. Im J. 1847 zum Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt, wurde er 1848 damit betraut, dem in Innsbruck weilenden damaligen Kronprinzen Franz Josef Vorträge aus der Landesgeschichte Tirols zu halten. 1848—1851 mußte er seine Lehrthätigkeit an der Universität unterbrechen, um einem Befehle des Prälaten gemäß die Erweiterung des Meraner Gymnasiums durchzuführen. Seinem Wunsche, nach Beendigung dieser Aufgabe in seine frühere Universitätsstellung zurückzukehren, widersetzte sich der Prälat, und als J. gleichwol durch den Minister Grafen Leo Thun 1851 an die Wiener Universität berufen wurde, mußte er sich mit päpstlichem Dispens säcularisiren lassen, verblieb aber Benedictiner.

    Seine Aufgabe in Wien war eine doppelte: neben den Collegien über österr. Geschichte für Lehramtscandidaten der Mittelschulen und Juristen sollte er „eine Schule für Bearbeitung der österreichischen Geschichte durch Anleitung junger Leute zur Benutzung der Quellen“ gründen. Auf diesem Wege wurde er der Begründer des im J. 1854 organisirten „Instituts für österreichische Geschichtsforschung“, dem er bis 1869 als Director vorstand; 1871 trat er vom Lehramt überhaupt zurück und übersiedelte nach Innsbruck. In den Jahren 1867 bis 1871 war J., vom Tiroler Landtag, dem er durch längere Zeit angehörte, dahin entsandt, Mitglied des österreichischen Reichsraths, in dem er sich der clericalen Partei anschloß.

    Seine überaus erfolgreiche Wirksamkeit als Lehrer — Brunner, Krones, Lorenz, Thausing, Zahn, Zeißberg und andere Historiker zählte er zu seinen Schülern — begleitete eine emsige schriftstellerische Thätigkeit, die bis in seine letzten Lebensjahre anhielt. Ein großer Theil seiner historischen Arbeiten erschien als Aufsätze in den Sitzungsberichten und Denkschriften der kaiserlichen Akademie in Wien, im Archiv für österreichische Geschichte und anderen Zeitschriften. Einige von ihnen betreffen das allgemeinere Gebiet der Diplomatik und Quellenkunde, wie: „Ueber eine angebliche Urkunde K. Konrad's II. vom J. 1028“ (1877), „Ueber den Ausstellungsort einer Urkunde K. Heinrich's IV. dd° Nuzdorf id. maii 1097“ (1879), „Ein Beitrag zur Privilegiumsfrage“ (1856), „Franc. Petrarca's Brief an K. Karl IV. über das österreichische Privileg vom J. 1058“ (1867); in der „Oesterreichischen Geschichte für das Volk“ verfaßte er den Band: „K. Josef II. und Leopold II., Reform und Gegenreformation 1780—1792“ (1867). Sein eigentliches Gebiet war aber die Geschichte Tirols in politischer und rechtsgeschichtlicher Beziehung. Schon im Jahre 1848 schrieb er eine Studie über „Die alte ständische Verfassung Tirols“, und das Thema der Entwicklung des Ständethums dieses Landes stand auch bei vielen seiner weiteren Arbeiten mehr oder weniger deutlich im Vordergrunde. Hiemit hängt zusammen sein Interesse für die Persönlichkeit des Nicolaus v. Cusa, dem er nach einigen Vorarbeiten, „Ueber die den Cardinal und Bischof Nicolaus von Cusa betreffenden Geschichtsquellen in den Tiroler Archiven“ (1850) und „Regesten und urkundliche Daten über das Verhältniß des Cardinals Nicolaus von Cusa als Bischof von Brixen zum Herzog Sigmund von Oesterreich und zu dem Lande Tirol 1450—1464“ (1851) das zweibändige Werk „Der Streit des Cardinals Nicolaus von Cusa mit dem Herzog Sigmund von Oesterreich als Grafen von Tirol“ (Innsbruck 1861) widmete; hier suchte er die Ausbildung der landesfürstlichen Gewalt im Kampfe gegen Immunität und Reichsunmittelbarkeit der geistlichen Fürsten an einem wichtigen Beispiele zur Darstellung zu bringen.

    Dazwischen und nachher folgten Beiträge zur tirolischen Landesgeschichte der verschiedensten Perioden, wie „Zur Vorgeschichte des Jahres 1809 in Tirol“ (1852), „Regesten und urkundliche Daten über das Verhältniß Tirols zu den Bischöfen von Chur ... von den frühesten Zeiten des Mittelalters bis zum J. 1665“ (1855), „Die Wiedervereinigung Tirols mit Oesterreich in den Jahren 1813—1816“ (1856), „Die Fehde der Brüder Vigilius und Bernhard Gradner zu Herzog Sigmund von Tirol“ (1858), „Beiträge zur Geschichte der Verhandlungen über die abfällig gewordene gefürstete Grafschaft Tirol nach dem Tode des Erzh. Ferdinand von 1595—1597“ (1873), „Beiträge zur Geschichte des Passauischen Kriegsvolkes, soweit es Tirol und die österreichischen Vorlande betrifft“ (1874). Andere Arbeiten, wie „Der Streit der Tiroler Landschaft mit Kaiser Friedrich III. wegen der Vormundschaft über Herzog Sigmund von Oesterreich von 1439—1446“ (1872) und „Der|Uebergang Tirols und der österreichischen Vorlande von dem Erzh. Sigmund an den römischen König Maximilian 1478—1490“ (1874) u. a. bilden wieder directe Vorarbeiten zu Jäger's zweitem Hauptwerk, der zweibändigen „Geschichte der landständischen Verfassung Tirols bis 1519“ (Wien 1881—1885). Im J. 1890 veröffentlichte er in der Oesterr.-ung. Revue (N. F. Bd. VIII) unter dem Titel „Graf Leo Thun und das Institut für österreichische Geschichtsforschung“ Erinnerungen aus seiner akademischen Zeit. Zwei Tage nach der Feier seines neunzigsten Geburtstages, am 10. December 1891, verschied er und wurde in seiner Vaterstadt Schwaz bestattet.

  • Autor/in

    B. Bretholz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bretholz, Berthold, "Jäger, Albert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 623-625 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117051845.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA