Lebensdaten
1852 bis 1903
Geburtsort
Schirwindt (Ostpreußen)
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117041378 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Milchhoefer, Arthur
  • Milchhoefer, A.
  • Milchhoefer, Artur
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Zitierweise

Milchhoefer, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117041378.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt ursprüngl. aus Salzburg. – V Alexander, Dr. med., prakt. Arzt, Wundarzt u. Geburtshelfer, seit 1850 in Sch.;
    M Bertha Bluhm;
    Münster 1888 Emilie (1866–1941), T d. Friedrich Adolf Gercke (* 1817), Brauer u. Tabakfabr. in Hildesheim, u. d. Pauline Auguste Rose (* 1827);
    1 T.

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium in Tilsit und studierte anschließend klassische Philologie und Archäologie in Berlin und München, wo er bei Heinrich Brunn 1873 „Über den Attischen Apollon“ promovierte. Nach dem Staatsexamen in Königsberg war er 1875/76 Lehrer am Wilhelmsgymnasium in Berlin. 1876-78 reiste er gemeinsam mit Adolf Furtwängler als Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts durch Griechenland und Italien. Seit 1880 war er Assistent an den Berliner Museen, nahm zwischenzeitlich an den Ausgrabungen in Olympia teil und war nach der Habilitation für Archäologie 1882 in Göttingen seit 1883 Professor für Archäologie an der Akademie in Münster, seit 1895 o. Professor für Archäologie in Kiel.

    Auf der Stipendiatenreise vermittelten M. die neuen Funde Schliemanns in Mykene wichtige Anregungen. Deren Stellenwert verdeutlichte er sogleich durch einen Aufsatz, dann auch in Museumskatalogen. Seine Entdeckung des mykenischen Tholosgrabes von Menidi war eine Folge von Schliemanns Anregungen. Im Berliner Museum war M. mit der ersten Ausstellung von Schliemanns Grabungsfunden aus Troja betraut. Das Bemühen, ein neues Gebiet der antiken Kunstgeschichte wissenschaftlich zu erschließen, führte zu seiner Habilitationsschrift über „Die Anfänge der Kunst in Griechenland“ (1883), in der er die Grundlagen der frühgriech. Kunstentwicklung vom 2. Jahrtausend über den Grenzbereich der „dark ages“ hinweg bis in früharchaische Zeit deutlich machte. Methodisch diente ihm für die Überbrückung des unbekannten Zwischenraums die ikonographische Forschung, die „bildliche Tradition“. Dabei stellte er mit analytischem Scharfblick die Bedeutung der damals noch ganz unbekannten minoischen Kultur Kretas für die Entwicklung der Kunst des 2. Jahrtausends heraus. Insbesondere der religionsgeschichtliche Aspekt hat ihn bis zum Schluß gefesselt.

    Ausgesprochene Pionierarbeit leistete M. für die historische Topographie Attikas auf immer neuen Reisen, die ihren Niederschlag vor allem in den erläuternden Texten zu den von E. Curtius und J. A. Kaupert herausgegebenen 26 „Karten von Attika“ (1881-1900) mit Besprechung der monumentalen Überreste samt der Inschriften fanden, welche er auch in seiner Schrift „Die Demenordnung des Kleisthenes“ (1892) auswertete. Zu dem Kartenwerk lieferte er auch die literarischen Quellen (ebenso im Vorspann zur „Stadtgeschichte von Athen“ von E. Curtius, 1891) und die Lokalisierung einzelner Punkte, eine nicht zu unterschätzende Hilfe für spätere Arbeiten.

    M. kannte auch die klassische und die durch Neufunde wiedergewonnene hellenistische Kunst in ihrer ganzen Breite, wie die ausgewogene Deutung der bis in jüngste Zeit noch diskutierten Ikonographie attischer Grabreliefs sowie sein Arbeitsschwerpunkt im Bereich der pergamen. und alexandrin. Kunst zeigen. Auf seine Lehrveranstaltungen über alle Bereiche der griech. Kunstgeschichte verwendete M. viel Energie. Ihnen diente auch der Neuaufbau eines repräsentativen Abguß-Museums in Münster und die Neuordnung der Gipsabguß-Sammlung der Univ. Kiel im Sinne der Stilgeschichte. Durch öffentliche Vorträge und Aufsätze in populären|Zeitschriften bemühte er sich, auch in die Breite zu wirken.

    Die Bedeutung M.s liegt vor allem in der Erarbeitung von Grundlagen für das Verständnis der frühgriech. (d. h. bronze- und früheisenzeitlichen) Kunst, für die er als erster die große Bedeutung der minoischen Kultur erfaßte und formulierte, sowie der historischen Topographie Griechenlands und der griech. Plastik. Dabei war er nicht etwa durch umfangreiche Sammelarbeit ein Vertreter des historischen Positivismus des 19. Jh., sondern er wies, bei aller Zeitbedingtheit mancher Sichtweisen und Erkenntnisse, mit Interpretationen, die seinen einfühlenden philologischen Fähigkeiten manches verdankten, der Entwicklung der Archäologie neue, nicht immer sofort wahrgenommene Wege.

  • Werke

    Weitere W Ausgrabungen in Mykene, in: Athen. Mitt. 1, 1876, S. 313 ff. (mit H. Dressel);
    Kat. d. Antiken v. Lakonien, ebd. 2, 1877, S. 293-474;
    Die Museen Athens, 1881;
    Heinrich Schliemann, in: Dt. Rdsch. 28, 1881, S. 392-416;
    Erinnerungen an Heinrich Schliemann, ebd. 67,1891, S. 278-89;
    Die Befreiung d. Prometheus, e. Fund aus Pergamon, 1882;
    Athen, Piräus, in: Baumeister, Denkmäler d. klass. Altertums I, 1884;
    Zu griech. Künstlern, in: A. Furtwängler u. A. M. (Hrsg.), FS f. H. Brunn, 1893;
    Über d. Gräberkunst d. Hellenen (Rede z. Winckelmann-Tag), 1899.

  • Literatur

    Archäolog. Anzeiger, 1903, S. 213;
    S. Sudhaus, Gedächtnisrede, in: Chronik d. Univ. Kiel, 1903/04, S. 54-63;
    F. Volbehr u. R. Weyl, Professoren u. Dozenten d. Christian-Albrechts-Univ, zu Kiel 1665-1933, 1934, S. 184;
    A. Greifenhagen (Hrsg.), A. Furtwängler, Briefe, 1965, Nr. 31, 33, 67, 115, 135, 141;
    W. Kraiker, in: Gesch. d. Christian-Albrechts-Univ. Kiel 1665-1965, V/1, 1969, S. 148-50;
    W. Schiering, in: U. Hausmann (Hrsg.), Allg. Grundlagen d. Archäol., 1969, S. 71 f., 91;
    W. Fuchs, in: Boreas 7, 1984, S. 7 ff.;
    R. Stupperich, in: R. Lullies u. W. Schiering (Hrsg.), Archäologenbildnisse, 1988, S. 103-05 (P);
    BJ VIII;
    Altpr. Biogr. IV.

  • Autor/in

    Reinhard Stupperich
  • Empfohlene Zitierweise

    Stupperich, Reinhard, "Milchhoefer, Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 503 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117041378.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA