Lebensdaten
1844 bis 1921
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Erlangen
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117039411 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Noether, Max

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Zitierweise

Noether, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117039411.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (eigtl. Hertz), Eisengroßhandalskaufm. in M., S d. Elias Samuel (1774?-1846), Eisengroßhändler in Bruchsal;
    M Amalia (Malchen) Würzburger aus M.;
    Ov Joseph u. Hermann gründeten e. Eisenhandlung in M.;
    Wiesbaden 1880 Ida Amalia (1852–1915), T d. Markus Kaufmann (1813–66), aus Garzweiler, Großkaufm. in Köln, u. d. Friederike Scheuer, Bankiers-T aus Düsseldorf;
    3 S, u. a. Alfred (1883–1918), Chemiker, Fritz (s. 3), 1 T Emmy (s. 2);
    E Gottfried E. (s. 4).

  • Leben

    N. besuchte zunächst das Gymnasium in Mannheim. Mit 14 Jahren an spinaler Kinderlähmung erkrankt, erhielt er fortan Privatunterricht zu Hause. Das universitäre Grundstudium in Mathematik betrieb er im Selbstunterricht und war dann ein Jahr an der Mannheimer Sternwarte beschäftigt, wobei eine astronomische Erstpublikation entstand. Es folgten drei Semester in Heidelberg, wo N. vor allem Theoretische Physik bei Gustav Kirchhoff (1824–87) studierte. Von den in der Theoretischen Physik auftretenden Abbildungsproblemen gelangte er zur Riemannschen Geometrie und von dort zur geometrischen Theorie der algebraischen Funktionen, worin er später sehr schöpferisch tätig war. 1868 wurde N. ohne Dissertation (nur mit mündlicher Prüfung) promoviert. Zur weiteren mathematischen Ausbildung begab er sich auf Rat von Jakob Lüroth (1844–1910) nach Gießen zu Alfred Clebsch (1833–1872) und Paul Gordan (1837–1912). Mit Clebsch ging er noch im selben Jahr nach Göttingen, von wo aus er sich im Wintersemester 1870/71 in Heidelberg habilitierte („Über Flächen, welche Scharen rationaler Kurven besitzen“). Eine feste Anstellung erhielt er erst 1875 mit der Berufung zum ao. Professor an der Univ. Erlangen (1888 o. Prof., 1919 emeritiert).

    N.s wissenschaftliches Werk ist sehr umfangreich. Viele seiner Arbeiten verfaßte er gemeinsam mit Alexander W. v. Brill (1842–1935). Das erste Gemeinschaftswerk enthält den sogenannten „Brill-Noetherschen Restsatz“, der für weitere Forschungen in der Algebraischen Geometrie fundamental wurde. Der gemeinsame „Bericht über die Entwicklung der Theorie der algebraischen Funktionen in älterer und neuerer Zeit“ (1894), ist nach Brill im wesentlichen ein Werk N.s, „eine erschöpfende Darstellung der jungen vielverzweigten Theorie, zu der [N.] selbst soviel beigetragen hat“. Weitere Gegenstände seiner Arbeiten sind die Theorie der algebraischen Flächen- und Raumkurven, die Theorie der Formen und die Thetafunktionen. Für die umfangreiche Abhandlung „Zur Grundlegung der Theorie der algebraischen Raumkurven“ erhielt er (zusammen mit Georges-Henn Halphen [1844-89]) 1882 den Steiner-Preis der Berliner Akademie. N. ist als Begründer der algebraischen Theorie der birationalen Flächentransformationen anzusehen (F. Klein). Am stärksten wirkten N.s Ideen in Italien, wo die Geometer ihn neben Luigi Cremona (1830–1903) und Alfred Clebsch als Leitfigur verehrten. Später richtete N. sein Augenmerk auf die Würdigung des Lebenswerkes verstorbener Kollegen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. gel. Ges., u. a. korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. zu München (1887), Berlin (1896), Budapest, Kopenhagen u. Turin, d. Académie Française u. d. Accademia Nazionale dei Lincei (Rom), d. Ges. d. Wiss. Göttingen (1892) u. d. London Mathematical Soc. (1913 Ehrenmitgl.); Geh. Hofrat; Mitgl. d. Schriftleitung d. „Math. Annalen“ u. d. Ehrenrats d. Rendiconti del Circolo Matematico di Palermo.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über e. Satz aus d. Theorie d. algebraischen Funktionen, in: Math. Ann. 6, 1873;
    Über d. algebraischen Funktionen u. ihre Anwendungen in d. Geometrie, ebd. 7, 1873 (mit A. Brill);
    Zur Theorie d. eindeutigen Entsprechens algebraischer Gebilde, ebd. 8, 1874;
    Rationale Ausführung d. Operationen in d. Theorie d. algebraischen Funktionen, ebd. 23, 1883;
    Theorie d. Abelschen Differentialausdrücke u. Funktionen, ebd. 37 u. 38, 1890;
    Über d. reduktiblen algebraischen Kurven, in: Acta mathematica 8, 1886;
    Entwicklung d. Theorie d. algebraischen Funktionen in älterer u. neuerer Zeit, in: Jberr. d. Dt. Math.-Vereinigung 3, 1894 (mit A. Brill);
    Zur Erinnerung an Karl Georg Christian v. Staudt, ebd. 32, 1923. – Hg.: Math. Ann., 1893-1921.

  • Literatur

    A. Voß, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1921, S. 42-45;
    Math. Ann. 85, 1922;
    A. W. v. Brill, in: J.ber. d. Dt. Math.-Vereinigung 32, 1923, S. 211-33 (P);
    F. S. Macaulay, in: Proceedings of the London Mathematical Soc. 21, 1920-23, S. 37-42;
    F. Klein, Vorlesungen üb. d. Entwicklung d. Math. im 19. Jh., T. I, 1926;
    M. Menghini, Notes on the correspondence between Luigi Cremona and M. N., in: Historia Mathematica 13, 1986, S. 341-51;
    M. Segre, in: Gesch. u. Kultur d. Juden in Bayern, 1988, S. 178-80 (P);
    F. Litten, Astronomie in Bayern, Diss. München 1991;
    DBJ III, Tl.;
    H. Meschkowski, Math.-Lex., 1964;
    Lex. bedeutender Math., hg. v. S. Gottwald, H.-J. Ilgauds u. K.-H. Schlote, 1990;
    DSB;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I.

  • Portraits

    American Journal of Mathematics 26, 1904;
    Geist u. Gestalt III, S. 162;
    Univ.archiv Heidelberg, Bilderslg.;
    Heidelberg, Kurpfälz. Mus.

  • Autor/in

    Rudolf Fritsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Fritsch, Rudolf, "Noether, Max" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 319 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117039411.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA