Lebensdaten
1872 bis 1957
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Herrliberg (Kanton Zürich)
Beruf/Funktion
Publizistin ; Vertreterin der Frauenbewegung
Konfession
-
Normdaten
GND: 117033774 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schreiber, Adele (geborene)
  • Schreiber-Krieger, Adele
  • Schreiber, Adele (geborene)
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Zitierweise

Schreiber-Krieger, Adele, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117033774.html [20.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef S. (1835-1908, jüd., seit 1894 kath.), Dr. med. et chir., Arzt, Publ., Doz. f. Klimatol. an d. Univ. Wien. k. k. Rat, Inh. v. Sanatorien, Förderer d. Kurorts Aussee, Ehrenbürger ebd. 1899 (s. ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen; Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft), S d. Samuel, Lehrer an d. isr.-dt. Normalschule in Böhm.-Leipa;
    M Clara Hermann (1848–1905, jüd., später kath.), aus W., Schriftst. (s. ÖBL);
    Schw Ida (* 1868), Elisabeth (Lilli) (* 1874);
    1898 Richard Krieger (* um 1880), Dr. med., Schularzt; kinderlos.

  • Leben

    Aus einer ursprünglich jüd. Familie stammend, wurde S. katholisch erzogen, erhielt Privatunterricht, besuchte Internate in Paris und Stuttgart, konnte sich aber mit dem Wunsch nach weiterführender Schulbildung nicht durchsetzen. Früh begann sie mit dem Schreiben von Erzählungen und Artikeln, wobei sie sich v. a. sozialen Themen und der Frage der Frauenemanzipation zuwandte. 1898 ging sie als Mitarbeiterin einer Versicherungsgesellschaft nach Berlin, wo sie bald auch durch Vorträge in der Berliner Frauenbewegung hervortrat. Seit 1900 studierte sie einige Semester als Gasthörerin an der Univ. Berlin. Auf Reisen nach England und Frankreich lernte sie die engl. Settlementbewegung und die Arbeit der Heilsarmee kennen, hörte Vorlesungen an der London School of Economics und nahm Kontakt zur engl. und franz. Frauenbewegung auf.

    S. kämpfte engagiert gegen soziale Mißstände, wandte sich gegen die Diskriminierung unverheirateter Mütter, die Benachteiligung außerehelicher Kinder und gegen die Doppelmoral im Umgang mit der Prostitution. 1904 gehörte sie zu den Gründerinnen des „Weltbundes für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Mitarbeit“ (seit 1926 Vizepräs.). Als Vertreterin des linken Flügels der dt. Frauenbewegung kritisierte sie die politische Zurückhaltung der bürgerlichen Frauen in der Stimmrechtsfrage. 1913 übernahm sie die Redaktion der Zeitschrift „Frauenstimmrecht“ (seit 1914 „Die Staatsbürgerin“). Daneben engagierte sie sich 1905-09 im Bund für Mutterschutz und Sexualreform und gründete – nach internen Konflikten im „Bund“ – die Dt. Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht, deren Vorstand sie 1911-18 angehörte. Obwohl überzeugte Pazifistin, stellte sie während des 1. Weltkriegs die von ihr gegründeten Einrichtungen dem Nationalen Frauendienst zur Verfügung. Nach der Revolution von 1918 wurde S. Mitglied der SPD und war 1920-24 und 1928-32 Reichstagsabgeordnete; 1920-24 amtierte sie als Vorsitzende des Bevölkerungspolitischen Ausschusses. Gleichzeitig war sie Leiterin der Abteilung Mutter und Kind beim Dt. Roten Kreuz (DRK), gründete u. a. Kindererholungsheime und repräsentierte das DRK auf internat. Konferenzen. Mitte der 1920er Jahre unternahm S. längere Vortragsreisen durch die USA und Frankreich, auf denen sie um Sympathien für die junge dt. Republik warb, ohne die von rechts und links drohenden Gefahren zu verschweigen. Dies führte nach der USA-Reise zu öffentlichen Angriffen auf ihre Person und trug mit zum Ende ihrer Tätigkeit beim DRK bei. Im Reichstag kämpfte S. gegen Versuche, die von den Frauen 1918/19 erworbenen Rechte auszuhöhlen oder wieder einzuschränken. Sie setzte sich u. a. für das Recht der Frauen auf Erwerbstätigkeit ein und trat in Versammlungen gegen den § 218 auf, der die Abtreibung mit schweren Strafen bedrohte. Zur Abwehr des Nationalsozialismus engagierte sie sich im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Am 5.3.1933, dem Tag der Reichstagswahlen, flüchtete S. in die Schweiz, wo sie weiter für die internat. Frauenbewegung tätig blieb. 1939 wurde ihr die dt. Staatsbürgerschaft aberkannt. Seit Beginn des 2. Weltkriegs in London, gehörte sie zu den Mitbegründern des Clubs 1943, wurde Mitglied im PEN-Club und wirkte bei der „Freien Dt. Bewegung“ mit. Da sie sich von dieser in der Tradition der kommunistischen Volksfrontbestrebungen stehenden Bewegung nicht trennen wollte, wurde sie aus der SPD ausgeschlossen. Seit Winter 1944/45 hielt S. im Auftrag des Foreign Office Vorträge in brit. Kriegsgefangenenlagern. 1947 kehrte sie in die Schweiz zurück.

  • Werke

    Der Bund f. Mutterschutz u. seine Gegner, 1908;
    Hedwig Dohm als Vorkämpferin u. Vordenkerin neuer Frauenideale, 1914;
    Die Sozialdemokratin als Staatsbürgerin, in: Anna Blos (Hg.), Die Frauenfrage im Lichte d. Sozialismus, 1930, S. 97-147;
    Hg.:
    Das Buch vom Kinde, 2 Bde., 1905/06;
    Mutterschaft, Ein Sammelwerk f. d. Probleme d. Weibes als Mutter, 1912 (hg. in Verbindung mit 52 Mitarbeitern);
    Rev. u. Frauenrecht, hg. v. d. Arbeitsgemeinschaft f. staatsbürgerl. u. wirtschaftl. Bildung, o. J. [1918];
    Das Reich d. Kindes, 1930;
    Journey towards Freedom, Written for the Golden Jubilee of the Internat. Alliance of Women, 1955 (mit Margaret Mathieson).

  • Literatur

    Ch. Wickert, Unsere Erwählten, Sozialdemokrat. Frauen im Dt. RT u. Preuß. LT 1919-1933, 2 Bde., 1986;
    dies., Sozialistin, Parlamentarierin, Jüdin: Die Beispiele Käte Frankenthal, Berta Jourdan, A. S.-K., Toni Sender u. Hedwig Wachenheim, in: L. Heid u. A. Paucker (Hg.), Juden u. dt. Arbeiterbewegung bis 1933, 1992, S. 155-64;
    A. Braune, Konsequent d. unbequemen Weg gegangen, A. S. (1872-1957), Politikerin, Frauenrechtlerin, Journalistin, Diss. HU Berlin 2002;
    Wi. 1928;
    Rhdb. (P);
    D. Weiland, Gesch. d. Frauenemanzipation in Dtld. u. Österr., Biogrr., Programme, Organisationen, 1983, S. 246 f.;
    BHdE I;
    W. H. Schröder, Sozialdemokrat. RT-Abg. u. RT-Kandidaten 1898-1918, Biogr. Hdb., 1986;
    L. Heid, in: Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., hg. v. J. Dick u. M. Sassenberg, 1993, S. 335-37 (Qu, L, P);
    Schumacher, M. d. R.;
    Hans Maier (Hg.), Who is who d. Soz. Arbeit, 1998; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Portraits

    Fotos im Archiv d. soz. Demokratie d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

  • Autor/in

    Ilse Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Ilse, "Schreiber-Krieger, Adele" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 535-536 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117033774.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA