Lebensdaten
1760 bis 1832
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Florenz
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117019496 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Saurau, Franz Joseph Graf von
  • Saurau, Franz Graf von
  • Saurau, Franz Joseph Graf von
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Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Saurau, Franz Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117019496.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 13. Jh. erwähnter Steiermark. Adelsfam. mit Grundbes. in d. Weststeiermark u. im Ennstal, d. ksl. Räte. Landesverweser in Steiermark, Landräte u. Marschälle v. Steiermark stellte; hierzu gehört auch Michael, 1567 Vf. e. Ber. über e. Gesandtschaftsreise n. Istanbul (s. L);
    V Maria Karl (1718–78), S d. Maximilian Karl (1695–1729) u. d. Maria Katharina Gfn. v. Breunner (1701–85);
    M Maria Antonia (1735-n. 1830), T d. Heinrich Joseph Gf. v. Daun (1678–1761) u. d. Maria Therese Gfn. v. Colloredo;
    1794 Maria Antonia (1767–1839, 1] Ignaz Dominik Gf. v. Chorinsky, 1729–92, schles. Landeshptm.), T d. Ernst Maria Joseph Gf. v. Lodron (1716–79) u. d. Antonia Gfn. v. Arco (1738–86); kinderlos;
    1 Stief-S Johann Baptist Gf. v. Chorinsky ( 1813).

  • Leben

    S. durchlief, bereits als Jugendlicher mit dem nachmaligen Ks. Franz II. (österr. Ks. Franz I.) befreundet, eine steile Beamtenkarriere. Seit 1780 auf diversen Posten in Niederösterreich und Böhmen, seit 1789 Stadthauptmann in Wien, 1793 Stellvertreter des Chefs der Polizeihofstelle, leitete S. 1794 die Untersuchungen, die zur Aufdeckung der sog. „Jakobinerverschwörung“ führten. 1795 Regierungspräsident von Niederösterreich, regte er 1796 die Schaffung eines „Nazionalliedes“ an (Text v. Lorenz L. Haschka, 1749–1827, Musik v. Joseph Haydn, 1732–1809), das später zur österr. Kaiserhymne wurde. Im Frühjahr 1797 organisierte S. in Wien ein Freiwilligenaufgebot gegen den Vormarsch franz. Truppen, das jedoch nicht zum Einsatz kam, im selben Jahr wurde er als Verfechter einer durchgreifenden Modernisierung der Staatsverwaltung zum Hofkammerpräsidenten bestellt. Eine Sanierung der Finanzen gelang ihm nicht; im Zuge einer neuerlichen Reorganisation der Verwaltung schob man S. 1802 als Botschafter nach St. Petersburg ab. Seine Bemühungen, Rußland für eine gemeinsame Politik mit Österreich zu gewinnen, schlugen fehl, weshalb er 1803 nach Österreich zurückkehrte; 1805 wurde er Gouverneur von Innerösterreich, 1809 Generallandeskommissär bei der Armee Ehzg. Johanns (1782–1859), 1810 neuerlich Statthalter von Niederösterreich. 1814 Hofkommissär der illyr. Provinzen und 1815 Gouverneur der Lombardei, reorganisierte er in den wiedergewonnenen Provinzen die bonapartistischen Verwaltungssysteme. 1817 wurde S. Oberster Kanzler und Innenminister. Die von Metternich angestrebte Reform der inneren Verwaltung gelang S. in seiner Amtszeit jedoch nicht, wozu auch sein Festhalten an den mit dem vormärzlichen Zeitgeist und den Ideen der Romantik nicht mehr in Einklang stehenden Prinzipien des Josephinismus beitrug (z. B. in Fragen d. Staatskirchentums). Seit den späten 1820er Jahren dem neuen „starken Mann“ der Innenpolitik, Gf. Franz Anton Kolowrat-Liebsteinsky (1778–1861), immer weniger gewachsen, wurde S. 1830 zum Botschafter in Florenz ernannt, wo er 1832 verstarb. S., offen für die geistigen Bestrebungen der Aufklärung, aber auch mit wirtschaftlichem Unternehmungsgeist begabt (so setzte er sich für d. Rübenzuckerproduktion, d. Errichtung v. Wasserstraßen u. sehr früh für d. Eisenbahnwesen ein), war ein hervorragender Repräsentant der etatistischen Variante des rationalistisch-utilitaristischen Spätjosephinismus.|

  • Auszeichnungen

    k. k. Kämmerer (1790); Geh. Rat (1794); Ehrenbürger d. Stadt Wien (1797); ungar. Indigenat (1797); Orden v. Goldenen Vließ (1823); Großkreuz mit Brillanten d. St. Stephans-Ordens (1830).

  • Werke

    Vortrag d. niederösterr. Reg.präs. F. Gf. v. S. v. 16. Mai 1797, betr. d. Lage d. Monarchie u. d. notwendigen Reformen;
    Vortrag d. innerösterr. Gouverneurs F. Gf. v. S. v. 16. März 1808, betr. d. Krisenlage d. Monarchie;
    beide gedr. in: F. Walter (Hg.), Die Gesch. d. österr. Zentralverw. 1780-1848, T. 2, 1956, S. 53-70, 163-71;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Steiermärk. LandesA, Graz (Archiv Saurau).

  • Literatur

    J. v. Zahn. Briefe Ehzg. Johann's an d. Gf. S. 1816-26, in: Steiermärk. Gesch.bll. 6, 1885, S. 37-56;
    J. A. Frhr. v. Helfert. Ks. Franz I. v. Österr. u. d. Stiftung d. Lombardo-Venetian. Kgr., 1901;
    K. Hafner, in: Zs. d. hist. Ver. f. Steiermark 7, 1909, S. 24-94 (P);
    V. Thiel, Die Beziehungen d. Gf. S. z. Grazer Landesstelle im J. 1809, ebd. S. 194-202;
    H. R.v. Srbik, Metternich, I, 1925;
    R. Lorenz, Volksbewaffnung u. Staatsidee in Österr. 1792-1797, 1926;
    M. C. Goess, Portrait-Ikonogr. d. Familien Goess u. S., Diss. Graz 1937 (P);
    F. Walter (Hg.), Die Gesch. d. österr. Zentralverw. 1780-1848, T. 2, 1956;
    A. G. Haas. Ks. Franz, Metternich u. d. Stellung Illyriens, in: MÖStA 11, 1958, S. 373-98;
    E. Wangermann. Von Joseph II. z. d. Jakobinerprozessen, 1966;
    R. J. Rath, The provisional Austrian Regime in Lombardo-Venetia 1814–15, 1969;
    B. Hainzl, Die niederösterr. Landesverw. z. Zeit d. Statthalters F. J. Gf. v. S. 1810-15, Diss. Wien 1975 (P);
    H. Konegger, in: Schrr.reihe d. Archivs d. Marktgde. Brunn am Gebirge, 1995;
    Wurzbach;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    zu Michael:
    M. v. S., Orttenliche Beschreybung der Rayß gehen Constantinopel. mit der Pottschafft von Kaysser maxmillian dem anderen in die dürgkey abgeferdigt, anno. im 15:67, eingel. u. hg. v. K. Wikkert, 1987.

  • Portraits

    Ganzfigurenbildnis v. H. F. Füger, 1797 (Graz, Neue Gal. am Landesmus. Joanneum);
    Brustbild v. J. Lampi, um 1800 (Graz, Gal. Attems);
    Brustbild v. J. Schönmann, 1824 (Wien, Theresianum);
    Aquarell v. F. Lieder, nach 1828 (Privatbes.).

  • Autor/in

    Peter Urbanitsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Urbanitsch, Peter, "Saurau, Franz Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 466-467 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117019496.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA