Lebensdaten
1815 bis 1882
Geburtsort
München
Sterbeort
Cincinnati (USA)
Beruf/Funktion
Rabbiner ; Pädagoge
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117006157 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lilienthal, Max

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Zitierweise

Lilienthal, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117006157.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Juda;
    M N. N.;
    B Samuel (1816–91), Dr. med., Homöopath in M., seit 1856 in New York, seit 1887 in San Franzisco.

  • Leben

    L. erhielt seine rabbinische Ausbildung bei Moses Wittelsbacher und in der Jeschiba Wolf Hamburgers in Fürth. Anschließend studierte er in seiner Vaterstadt Philosophie; 1837 wurde er mit der Dissertation „Über den Ursprung der jüd.-alexandrin. Religionsphilosophie“ zum Dr. phil. promoviert. Zwei Jahre später wurde er auf Empfehlung Ludwig Philippsons mit der Gründung und Leitung einer Knabenschule in Riga betraut. 1840 wurde die Schule mit zwei Klassen eröffnet. Unterrichtssprache war Deutsch, unterrichtet wurden Sprachen, Mathematik, Geographie, Geschichte und Religion. Als ein der Aufklärung verpflichteter Pädagoge machte L. bald auf sich aufmerksam. Seine Schule galt als die modernste jüd. Schule in Rußland. Schon 1841 wurde er nach Petersburg berufen, um bei der beabsichtigten Schulreform mitzuwirken. 200 jüd. Lehranstalten – von der Elementarschule bis zur Hochschule – sollten als Staatsschulen nach westeurop. Vorbild gegründet werden. Die Absolventen dieser Schulen sollten die vollen Bürgerrechte erhalten. L. nahm mit Enthusiasmus seine neue Aufgabe in Angriff und warb Lehrer in Deutschland und Österreich an. Die jüd. Gemeinden waren jedoch nicht gewillt, sich ohne weiteres westlichen Einflüssen zu öffnen. Auf Grund ihrer bisherigen Erfahrungen reagierten sie auch skeptisch auf die Versprechungen der Regierung. Sie befürchteten nicht zu Unrecht, daß ihre Jugend über die Schule in die russ. Gesellschaft integriert und auch zur Konversion gedrängt werden sollte. L. bestärkte daraufhin den Unterrichtsminister Uwarow, die Reform auch gegen den Widerstand der jüd. Gemeinden durchzuführen. Auf Grund von L.s Vorarbeiten wurde am 4.7.1841 eine Verordnung erlassen, wonach sämtliche jüd.|Lehranstalten nach einem einheitlichen Plan organisiert werden sollten. Im Sommer 1843 arbeitete L. in der von der Regierung eingesetzten Rabbinerkommission für das jüd. Bildungswesen mit, deren Vorschläge in das Gesetz vom 3.11.1844 über die staatlichen Schulen für Juden einflossen. Dieses Gesetz wurde jedoch begleitet von anderen mit antijüd. Tendenzen, so vom Dekret vom Dez. 1844. das die jüd. Selbstverwaltung abschaffte. Auch in L. waren Zweifel an der Ehrlichkeit der Regierung aufgekommen. Enttäuscht kehrte er im Juli 1845 nach München zurück. Das Angebot, Rabbiner in Odessa zu werden, schlug er aus und entschloß sich zur Auswanderung in die USA (1846). Sein Ruhm war bereits dorthin gedrungen, so daß er sogleich von drei deutsch-jüd. Gemeinden in New York zum Rabbiner gewählt wurde. L. gründete 1847 den ersten Rabbinerverband in den USA „Bet Din“, 1849 den „Verein der Lichtfreunde“. Er führte eine Reihe von Reformen liturgischer Art durch, die teils von anderen Gemeinden übernommen, teils jedoch heftig kritisiert wurden. Als die Orthodoxen unter Morris Jacob Raphael in New York die Oberhand gewonnen hatten, trat L. 1850 vom Rabbinat zurück und gründete eine jüd. Religionsschule (Hebrew Union School). Auf Grund seiner Erfahrungen in Rußland plädierte er für die Streichung des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der staatlichen Schulen. 1855 wurde er Rabbiner in Cincinnati, wo er mit seinem Freund Isaac Mayer Wise (eigtl. Weiß, 1819–1900, s. Enc. Jud. 16) und mit David Einhorn (1809–79, s. Enc. Jud. VI) weiterhin für das Reformjudentum kämpfte. Im gleichen Jahr übernahm er die Redaktion des „American Israelite“ und der deutschen Beilage „Deborah“, später auch der „Hebrew Review“ und des „Sabbath Visitor“. Zur christlichen Geistlichkeit und zu kulturellen Institutionen unterhielt er gute Kontakte. 1875 beteiligte sich L. an der Gründung des Hebrew Union College in Cincinnati, an dem er fortan Geschichte und Literatur las. Dank seiner von Aufklärung und Liberalismus geprägten Geisteshaltung, seiner Überzeugungskraft und Beredsamkeit war er neben Wise und Einhorn der bedeutendste Repräsentant des amerikanischen Reformjudentums.

  • Werke

    u. a. Predigten in d. Synagoge zu Riga, 1841;
    Freiheit, Frühling u. Liebe, 1857 (Gedichte).

  • Literatur

    J. Hessen, Die russ. Reg. u. d. westeurop. Juden, Zur Schulreform in Rußland 1840–44, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judentums 57, 1913;
    D. Philipson, M. L., 1915 (W, L, P);
    ders., Centenary papers and others, 1919, S. 149-90;
    ders., The Reform Movement in Judaism, 21931;
    ders., M. L. in Russia, in: Hebrew Union College Annual 12-13, 1937/38;
    H. B. Grinstein, The minute book of L.s Union of German Synagogues in New York, ebd. 18, 1944, S. 321-52;
    S. M. Ginsburg, M. L.s activities in Russia, in: New Documents, Publications of the American Jewish Historical Society 35, 1939;
    H. Simonhoff, Jewish notables in America, 1776–1865, 1956, S. 319-22 (P);
    J. G. Heller, Isaac Mayer Wise, 1965;
    R. Glanz, The German Jew in America, An annotated bibliography, 1969 (L);
    M. Bobe u. a. (Hrsg.), The Jews in Latvia, 1971;
    S. W. Baron, The Russian Jew under Tsars and Soviets, 21976;
    Enc. Jud. X, 1934 (L);
    Enc. Jud. XI, 1971 (L, P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Lilienthal, Max" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 559 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117006157.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA