Lebensdaten
1590 bis 1649
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Helmstedt
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Philosoph
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116993901 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Horney, Conrad
  • Horney, Konrad
  • Hornejus, Konrad
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Zitierweise

Hornejus, Conrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116993901.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Horney gen. H. ( 1605), luth. Prediger in Ölper u. Watenbüttel b. Braunschweig;
    M Sophie ( 1597), T d. Georg Nieland, hzgl. Diener u. Maler in B.;
    1622 Anna Kath. (1601–49), T d. Johs. Theodor Reiche (Richius, 1617), Kanoniker u. Senior d. Stifts St. Blasien in B., u. d. Anna Diek;
    6 S, 4 T, u. a. Johann (1625–68), Prof. d. Physik u. Philol. in Rinteln u. Helmstedt (s. Jöcher).

  • Leben

    H. ist neben G. Calixt der bedeutendste Vertreter der Helmstedter irenischen „theologia moderata“ im synkretistischen Streit. Nach einer gründlichen, vornehmlich philologischen Ausbildung an der Katharinenschule in Braunschweig studierte er seit 1608 in Helmstedt Philosophie, Philologie und Theologie unter den Humanisten und Melanchthonianern Caselius und Martini. 1612 habilitierte er sich, wurde 1619 außerordentlicher Professor für Logik und Ethik und nach Martinis Tode dessen Nachfolger (1622). Während des 30jährigen Krieges verbrachte er 3 Jahre im benachbarten Braunschweig und unterhielt einen regen und informativen Briefwechsel mit seinem Freunde und Gesinnungsgenossen Calixt, der in Helmstedt zurückgeblieben war. 1628 erhielt H. die 2. theologische Professur neben diesem. – Das Ziel seiner sich vornehmlich in der Ausarbeitung von Vorlesungen und Lehrbüchern erschöpfenden wissenschaftlichen Tätigkeit war der Kampf gegen „inscitia“ und „impietas“. In beiden sah er wie Calixt den Grund für die theologischen und politischen Spaltungen seiner Zeit. So stand neben dem Bemühen um methodisches und historisches Denken in der Theologie die Frage nach der „praxis pietatis“ (J. Arndt). Nach 1640 wurde H. wegen seiner Anschauung vom sogenannten „consensus quinquesaecularis“ und von der Notwendigkeit der guten Werke mit Calixt in den synkretistischen Streit verwickelt und gleich diesem im „consensus repetitus fidei vere Lutheranae“ 1655 mitverurteilt. Gute Werke waren für ihn zwar nicht die „causa regnandi“, wohl aber die „via regni“. – In seinen letzten Lebensjahren kämpfte H. für|die Begegnung und Einigung der getrennten Konfessionen.

  • Werke

    Compendium Naturalis Philosophiae, 1618;
    Exercitationes Logicae, 1621;
    Compendium Dialecticae succinctum et perbreve, 1623 (12 Aufll.);
    Philosophia Moralis sive Civilis doctrina de Moribus libri IV, 1624 (5 Aufll.);
    Disputationes et tractatus aliquot, de necessitate studii Pietatis, si quis salvus esse per Christum velit, 1648;
    Compendium Historiae Ecclesiasticae, 1649;
    Kurtzer Ber., Gesprächsweise auffgesetzet u. entgegen gestellet denen unwahrhafftigen Aufflagen, wormit d. Professores Theologiae auf d. Fürstl. … Julius Univ. in Helmstet z. Ungebühr beschweret werden, 1650;
    Compendium Theologiae, quo universa fidei Christianae tam credendorum quam agendorum doctrina … pertractatur, 1655; nahezu vollst. W-Verz.
    b. H. Witte(n), Memoriae Theologorum clarissimorum decas sexta, 1675, S. 744 ff.

  • Literatur

    ADB XIII;
    E. L. Th. Henke, Gg. Calixtus u. s. Zeit, 2 Bde., 1853-60;
    F. Koldewey, Gesch. d. klass. Philol. auf d. Univ. Helmstedt, 1895;
    P. Zimmermann, Album Academiae Helmstadiensis I, 1926, S. 384 ff.;
    PRE; s. a. L zu
    G. Calixt, NDB III.

  • Autor/in

    Inge Mager
  • Empfohlene Zitierweise

    Mager, Inge, "Hornejus, Conrad" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 637 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116993901.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hornejus: Konrad H. (Horney oder Horne), Philosoph und Theolog des 17. Jahrhunderts, geb. am 25. November 1590 zu Braunschweig, am 26. Sept. 1649 zu Helmstädt. — Als Sohn eines Landpredigers zu Oelper bei Braunschweig wurde er zuerst von seinem Vater unterrichtet, erhielt dann nach der Eltern frühem Tod eine treffliche Schulbildung auf der Katharinenschule seiner Geburtsstadt, erwarb sich früh eine große Fertigkeit in den alten Sprachen und studirte dann 1608 ff. in Helmstädt Philologie, Philosophie und Theologie, als Lieblingsschüler, Haus- und Tischgenosse des Humanisten Joh. Caselius ( 1613), später des Aristotelikers Cornelius Martini, als Studiengenosse von G. Calixt, B. Neuhaus u. A. Angezogen von dem freien und milden melanchthonisch-humanistischen Geist und der moderaten Theologie, die damals im Zeitalter der confessionellen Polemik fast allein noch an der Juliusuniversität Helmstädt unter den braunschweigischen Herzögen Heinrich Julius (1589—1613) und Friedrich Ulrich (1613—34) eine Pfleg- und Pflanzstätte, obgleich auch hier keineswegs die ausschließliche Herrschaft hatte, habilitirte er sich hier 1612 unter Martini, wurde 1619 außerordentlicher Professor der Logik und Ethik, dann nach Martini's Tod ( am 17. Dezember 1621) dessen Nachfolger 1622, aber noch in demselben Jahr unter Calixts Dekanat zugleich Licentiat der Theologie, trat 1628 nach dem Abgang des streng orthodoxen Michael Walther in die theologische Facultät ein und wurde damit der Specialcollege, der treue Gesinnungs- und Kampfgenosse von Georg Calixt, mit welchem er über 20 Jahre ein engverbundenes Paar, den duumviratus Helmstadiensis, bildete. Während er bisher besonders mit der Erklärung des Aristoteles, mit dem Vortrag der vera et antiqua philosophia im Geist Martini's, mit Vorlesungen über Logik, Ethik und Metaphysik, sowie mit Ausarbeitung zahlreicher, oft gedruckter und auch auswärts vielgebrauchter philosophischer Lehrbücher sich beschäftigt hatte (sein compendium dialecticae erlebte 1623—66 zwölf, seine disputt. ethicae 1618 ff. sieben Auflagen; außerdem schrieb er Lehrbücher der Metaphysik, Naturphilosophie, Moral etc.): so sah er jetzt nach seinem Uebertritt in die theologische Facultät seine Aufgabe darin, im engsten Anschluß an Calixt, aber auch in bescheidener Unterordnung unter den älteren, geistes- und willenskräftigeren Collegen, zwar soviel als möglich den Frieden zu suchen und der verderblichen Streittheologie sich zu enthalten, aber auch dem zwiefachen Extrem der impietas und inscitia, eines unwissenschaftlichen Orthodoxismus wie einer unfrommen, praktisch unfruchtbaren Wissenschaft, männlichen Widerstand zu leisten (utrique malo mascule se opposuit, impietati et inscitiae). Mehrmals wurde freilich seine friedliche Lehrthätigkeit durch äußere Störungen unterbrochen, durch Krankheit und besonders durch den verheerenden Krieg, der 1625 für mehrere Jahre die Universität entvölkerte und auch H. wie viele seiner Collegen zwang, in der Stadt Braunschweig ein Asyl zu suchen. Seit 1640 aber, als für Norddeutschland die schlimmste Kriegsnoth vorüber, wurde H. mitbetroffen von den leidenschaftlichen Angriffen, welche die rabies theologorum wider den Helmstädter Kryptopapismus und Synkretismus erhob. Schon des hannoverschen Pastors Statius Büscher Schmähschrift „Wider den Greuel der Verwüstung an der Juliusuniversität“ 1640, sowie die Polemik der|kursächsischen Theologen Leyser und Höpfner gegen die Helmstädter 1640/41 galt fast mehr noch ihm als seinem Collegen Calixt, da gerade H. durch seine Lehre von der Nothwendigkeit guter Werke (de fidei operosae necesssitate ad salutem oder de fide viva ad s. necessaria) majoristischer Irrthümer sich verdächtig gemacht hatte. Und als dann 1645 in Folge des Thorner Colloquium caritativum der Streit weitere Dimensionen annahm; als 1646 die kursächsischen Theologen eine öffentliche Admonitio an die Helmstädter richteten; als 1648 auf des Königsberger Theologen Myslenta Veranlassung eine Reihe von Censuren gegen Latermann und seine Helmstädter Lehrer erschien; als in demselben Jahr die sächsischen Regierungen in den Theologenstreit sich mischten und die braunschweigischen Höfe als Patrone der Gesammtuniversität Helmstädt zum Einschreiten wider die dasigen Theologen aufforderten; so sah auch H. sich genöthigt, nicht blos über die Ungerechtigkeit dieser Angriffe gemeinsam mit Calixt und seinen übrigen Collegen sich zu beklagen, sondern auch zur Abwehr derselben wiederholt die Feder zu ergreifen. Er that dieß durch eine „Defensio disputationis etc.“ 1647, durch eine „iterata assertio de necessitate fidei ect.“ 1649, eine „repetitio doctrinae verae de necessitate bonorum operum“, sowie durch eine im Auftrag der Regierung übernommene Erörterung der drei Fragen: 1) über die Autorität des kirchlichen Alterthums, 2) über die guten Werke, 3) über die Eintracht der Dissentirenden. Ehe aber noch die von Calixt und H. gemeinsam abzufassende Schutzschrift fertig war, und ehe der kursächsische Consensus repetitus fidei vere Lutheranae aufs Neue eine ganze Reihe von Sätzen des H. verdammte, war dieser im September 1649 gestorben. All die schweren Erfahrungen, die er in den letzten Jahren gemacht, die Verletzungen und Bedrohungen, denen er sich ausgesetzt sah und die der friedliche, aber reizbare Mann sich allzusehr zu Herzen nahm, zuletzt auch noch der Verlust seiner Gattin hatten dazu beigetragen, seinen Tod zu beschleunigen. Seine Gattin, Anna Catharina geb. Reiche, war ihm um wenige Monate vorangegangen. Von 6 Kindern, die er hinterließ, war ein Sohn Johannes H. bereits Professor in Rinteln: er hat sich später verdient gemacht durch Herausgabe und lateinische Uebersetzung der ὁμολογία des Griechen Metrophanes Kritopulos (Helmstädt 1661). Ueber die Schriften des Konrad H. siehe bes. Chrysander, Diptycha Profess. theol. in acad. Julia pag. 138 und Witten S. 744. Aus seinem Nachlaß erschienen noch ein „kirchengeschichtliches Compendium über die drei ersten Jahrhunderte“ 1649, Commentare über den Hebräerbrief und die katholischen Briefe und ein „Compendium theologiae“ 1655. Viele Briefe von ihm befinden sich handschriftlich zu Göttingen und Wolfenbüttel.

    • Literatur

      Quellen für sein Leben sind die Gedächtnißreden seiner Freunde und Schüler Fabricius, Schrader, Cellarius, Scheurl. Helmstädt 1649; cf. Witten, Mem. theol. Sec. XVII, S. 728 ff. Bearbeitungen von E. Henke in der Allg. Encykl. S. 2, Bd. 11; in der theol. R. Enc. 2 A. Band VI; sowie in seinem Calixt und seine Zeit, 1853—60; vergl. die weitere Literatur über die Universität Helmstädt und über die Synkretistischen Streitigkeiten von Walch, Schmid, Gaß etc.

  • Autor/in

    Wagenmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagenmann, Julius August, "Hornejus, Conrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 148-149 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116993901.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA