• Genealogie

    V Gottlieb (Reichsadel 1797, 1765-1847), Mitbes. v. Brechen, Pächter d. Vorwerks N., Oberamtmann, S d. Joh. Ernst, Pächter d. Guts Leistenow/Pommern, u. d. Cath. Margarethe Adler;
    M Dorothea Siebmann;
    Schwichtenberg 1840 Philippine Ladewig (1814–72);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Kränklichkeit hinderte H. daran, zu studieren oder Soldat zu werden. Die vom Vater geweckte naturkundliche Begabung bestimmte entscheidend den Lebensweg und äußerte sich zunächst in Sammeleifer. Anfangs auf dem Familienbesitz und auf Pachtgütern tätig, übernahm er 1852 das Rittergut Warbelow, zog sich jedoch 1874 nach dem Tode seiner Frau nach Stolp zurück. Damit begann für den 65jährigen der fruchtbarste Abschnitt eines unermüdlichen Forscherlebens, in welchem er mit Hilfe gleichgestimmter Freunde und Naturalienhändler etwa 8 000 Vogelbälge (nach anderer Lesart sollen es 20 000 gewesen sein) sowie Gelege und Eier aus dem ganzen europäischen und paläarktischen Faunengebiet gesammelt hat. An diesem wissenschaftlichen Material versuchte der unter freiem Himmel geschulte Beobachter und Praktiker unter höheren Gesichtspunkten Antworten zu finden auf die ihn bedrängenden biologischen Probleme, unter anderem die umstrittenen Fragen des Schadens und Nutzens der Tiere, das Phänomen des Vogelzugs, die Bedingungen, unter denen die Arten an verschiedenen geographischen Orten abändern. Doch blieb es ihm versagt, mit wesentlichen, zukunftsträchtigen neuen Gedanken seinen Zeitgenossen voranzugehen. An dem Versuch etwa, den rechte Bau eines Systems der Vögel zu finden, mußte er scheitern, weil er glaubte, daß äußere Merkmale genügten für eine auf reine Zweckmäßigkeit abgestellte Einteilung, und weil sich ihm der Blick nicht über die paläarktische Region hinaus öffnete. Mit einem gewissen Altersstarrsinn hielt er auch an anderen überholten Vorstellungen fest. Für ihn, dessen Jugend im Zeichen der Naturphilosophie gestanden hatte, bildeten sich die heutigen Arten nicht auf evolutionärem Wege, sondern im Sinne der Cuvierschen Katastrophenlehre. Unnachgiebig bekämpfte er daher alle mit dem Darwinismus zusammenhängenden Theorien. Widerspruch blieb bei solchen Anschauungen nicht aus. Aber auch die Zahl der Freunde war nicht gering. Am längsten war er mit der Ornithologenfamilie Blasius in Braunschweig verbunden. Dorthin kamen schließlich Sammlung und Bücherei. 1878 begleitete er Kronprinz Rudolf von Österreich und A. E. Brehm zur Forscherfahrt nach Ungarn und Slavonien. Bei der Verschmelzung der alten Gesellschaften zur Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 1875 wurde ihm der Vorsitz übertragen, den er aber 1883 nach heftigen Zerwürfnissen verlor.

  • Werke

    u. a. Systemat. Übersicht d. Vögel Pommerns, 1837, 1841;
    Dtld.s Säugetiere u. Vögel, 1877;
    Wanderungen d. Vögel, 1881;
    Ornitholog. Briefe, 1881;
    zahlr. Aufsätze in Fachzss.

  • Literatur

    ADB 50;
    E. Hartert, in: Journal f. Ornithol. 37, 1889;
    A. v. Pelzeln, in: Mitt. d. Ornitholog. Ver. in Wien 13, 1889 (P);
    L. Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas, 1964.

  • Autor/in

    Ludwig Gebhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Gebhardt, Ludwig, "Homeyer, Eugen von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 589 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116975555.html#ndbcontent

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  • Leben

    Homeyer: Eugen Ferdinand von H., hervorragender Ornitholog, wurde am 11. November 1809 zu Nerdin bei Anclam in Vorpommern geboren. Seine Absicht, zu studiren, wurde durch anhaltende Kränklichkeit in seiner Jugend verhindert und daher widmete er sich der Landwirtschaft und bewirthschaftete später das väterliche Gut Warbelow. Hier erregte die Vogelwelt sein lebhaftes Interesse und er begann die Vögel zu beobachten und eine Sammlung von Vogelbälgen anzulegen. Nach dem Tode seiner Frau verkaufte er das Gut und zog nach Stolp in Pommern, um sich ganz seiner Lieblingswissenschaft zu widmen. Seine außerordentliche Beobachtungsgabe, sein ausdauernder Fleiß und sein ausgebreiteter Briefwechsel mit den Fachgenossen bewirkten es, daß er nach nicht langer Zeit unter den europäischen Ornithologen in Bezug auf Urtheil und Kenntniß als einer der Bedeutendsten anerkannt wurde, wie schon daraus hervorgeht, daß er zum Präsidenten der deutschen ornithologischen Gesellschaft erwählt wurde. 1878 war es ihm vergönnt mit dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und A. Brehm eine Reise an die untere Donau zu unternehmen. Bald darauf veröffentlichte er sein erstes Werk: „Ornithologische Briefe“, Berlin 1881, in welchem er das Wichtigste aus seinem umfassenden Briefwechsel zusammenstellte und dadurch ein höchst lehrreiches Buch schuf, welches nicht nur die Classification sondern auch die Biologie der Vögel eingehend behandelte. Noch in demselben Jahre erschien ein zweites Buch: „Die Wanderungen der Vögel mit Rücksicht auf die Züge der Säugethiere, Fische und Insecten“, Berlin 1881, welches er dem Kronprinzen Rudolf widmete. Bemerkenswerth ist ferner noch ein Werk: „Deutschlands Säugethiere und Vögel, ihr Nutzen und Schaden.“ Der unheilvollen Zersplitterung der Vogelgattungen trat H. entgegen, wie aus seinem grundlegenden „Verzeichniß der Vögel Deutschlands“ hervorgeht. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche kleinere Aufsätze in den verschiedensten Zeitschriften. Im Jahre 1883 legte er seines Alters wegen die Stelle eines Präsidenten der deutschen ornithologischen Gesellschaft nieder. Er starb am 31. Mai 1889 infolge eines Schlaganfalles. Er hinterließ eine Sammlung von 20 000 europäischen Vogelbälgen.

  • Autor/in

    Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Richard, "Homeyer, Eugen von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 461 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116975555.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA