Lebensdaten
1904 bis 1962
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Middletown (Connecticut, USA)
Beruf/Funktion
Politikwissenschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116964197 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Sigmund
  • Neumann, Siegmund

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Zitierweise

Neumann, Sigmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116964197.html [15.12.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob;
    M Anne Lifschitz;
    1930 Anne Kuritzkes ( 1954);
    1 T.

  • Leben

    N. studierte Geschichte, Nationalökonomie und Sozialwissenschaften in Heidelberg, Grenoble und Leipzig, wo er 1927 bei Hans Freyer zum Dr. phil. promovierte. Danach leitete er in Berlin an der renommierten „Deutschen Hochschule für Politik“, die ihn wissenschaftlich wie persönlich prägte, das Zeitungsausschnittsarchiv; seit dem Wintersemester 1929/30 wirkte er hier auch als Dozent. 1930-33 leitete er die Volkshochschule Berlin. 1933 emigrierte N. zunächst nach London, wo er am „Royal Institute for Internationale Affaires“ und an der „London School of Economics“ wirkte, 1934 nach Middletown (Connecticut), wo er an der Wesleyan University eine Professur übernahm. Als Gastprofessor lehrte er u. a. an der Yale, Harvard und Columbia University sowie an|der University of Michigan, Ann Arbor. 1943-45 stand er in Kontakt mit dem Office of Strategie Services. 1949 kehrte N. nach Deutschland zurück und lehrte in München und dann an der FU Berlin als Gastprofessor Politikwissenschaft.

    N. war ein historisch orientierter Sozialwissenschaftler, der die Methoden der komparativ arbeitenden Politikwissenschaft und Soziologie mit denen der Sozial-, Wirtschafts- und Geistesgeschichte verband. Wegbereiter der Pluralismus- und der Totalitarismustheorie, lieferte er vor allem entscheidende Beiträge zur Parteienforschung. In seinen Arbeiten über den deutschen Konservatismus, das deutsche Bürgertum und die Parteien der Weimarer Republik ging es N. darum, Voraussetzungen und Restriktionen pluralistischer Demokratie in Deutschland zu klären. Daß die Parteienforschung, auch die international vergleichende, zu einem weitgehend selbständigen Bereich der Politikwissenschaft wurde, ist sein Verdienst. Nach N. streben Parteien nicht nur nach Machtanteilen, sondern bündeln die chaotischen Einzelwillen zu politisch-inhaltlichen und personellen Alternativen. Parteien verändern dabei den (privaten) Bürger, sie politisieren ihn, machen ihn zum „zoon politicon“, integrieren ihn in die Gesamtheit. Ähnliches gilt für Verbände, deren Partikularinteressen Parteien aufnehmen und in das politische System einfügen. Ausgehend von den deutschen Parteien, unterschied N. typologisierend zwischen liberalen Repräsentationsparteien, demokratischen Integrationsparteien (SPD, Zentrum) und absolutistischen Integrationsparteien (kommunist. u. faschist. Parteien). In seinen Analysen zu faschistischen und stalinistischen Diktaturen, denen N. sich primär in der Emigration zuwandte, arbeitete er fünf Kriterien heraus, die totalitären Regimen gemeinsam seien: das Versprechen wirtschaftlicher und sozialer Stabilität, Aktion und Dynamik statt Programmatik, pseudo-demokratische Legitimation, Kriegspsychose und Führerprinzip.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (München 1949, FU Berlin 1962).

  • Werke

    Die Stufen d. preuß. Konservatismus, Ein Btr. z. Staats- u. Ges.bild Dtld.s im 19. Jh., 1930 (Nachdr. 1965);
    Die dt. Parteien, Wesen u. Wandel nach d. Kriege, 1932 (Nachdr. 1995, 21965 u. d. T.: Die Parteien d. Weimarer Rep., hg. v. K. D. Bracher, mit Würdigung N.s);
    Die Bedeutung d. gesellschaftl. Aufbaues f. d. Vfg.struktur in Dtld., in: Jb. f. pol. Forschung, 1933, S. 56-78;
    Germany, Battlefield of the Middle Classes, in: Foreign Affaires 13, 1935, S. 271-83;
    Permanent Revolution, The Total State in a World at War, 1942 (21965 u. d. T.: Permanent Rev., Totalitarianism in the Age of Internat. Civil War;
    mit Würdigung N.s v. H. Kohn);
    Germany, Promise and Perils, 1950;
    Pol. Bildung, Amerik. Erfahrung – dt. Erfordernisse, in: Pol. Stud. 7, 1956, S. 21-44 (P);
    The Future in Perspective, 1964. – Hg.: Modern Political Parties, Approaches to Comparative Politics, 1956.

  • Literatur

    O. H. v. d. Gablentz, in: Pol. Vj.schr. 4, 1963, S. 216;
    K. Wittebur, Die dt. Soziol. im Exil, 1933–45, 1991;
    H.-U. Wehler (Hg.), Dt. Historiker VII, 1980, S. 82-100;
    BHdE II.

  • Autor

    Peter Lösche
  • Empfohlene Zitierweise

    Lösche, Peter, "Neumann, Sigmund" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 161 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116964197.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA