Lebensdaten
1851 bis 1911
Geburtsort
Bischofswerder (Westpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Historiker ; Mittelalter-Forscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116960515 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holder-Egger, Oswald

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Zitierweise

Holder-Egger, Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116960515.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hugo ( 1892), Dr. med., Sanitätsrat;
    M Luise Jackstein; ledig.

  • Leben

    H. studierte Geschichte und Philologie zuerst in Berlin besonders bei Mommsen und Müllenhoff, seit Ostern 1872 in Göttingen vor allem bei Waitz bis zur Promotion zum Dr. phil. 1874 mit der Dissertation „Über die Weltchronik des sogenannten Severus Sulpitius und südgallische Annalen des 5. Jahrhunderts“. Als Waitz 1875 nach Berlin ging zur Leitung der Monumenta Germaniae historica (MG), folgte ihm H. und wurde lebenslang deren ständiger Mitarbeiter. Nicht habilitiert und nie lehrtätig, wurde er zwar 1889 von der Kieler Philosophischen Fakultät für ein Extraordinariat für Geschichte und historische Hilfswissenschaften an erster Stelle vorgeschlagen, bekam aber statt des Lehrstuhls eine pensionsberechtigte Reichsbeamtenstelle mit Professortitel als Mitarbeiter der MG, deren Leiter Dümmler ihn für unentbehrlich erklärt hatte. Denn schon unter Waitz war H. zum tüchtigsten Herausgeber in ihrer Hauptreihe Scriptores geworden, deren Leitung ihm 1888 übertragen wurde. Zugleich wurde er Mitglied der Zentraldirektion der MG, die ihn nach Dümmlers Tod 1902 fast einmütig zu ihrem Vorsitzenden wählte. Das Reichsamt des Innern aber unter Einwirkung Mommsens, auch Traubes, ernannte nach langen Verhandlungen mit der Zentraldirektion 1905 nicht H. zu deren Vorsitzenden, sondern Koser, den Generaldirektor der preußischen Staatsarchive. Obgleich ohne Ehrgeiz, hat das H. schwer verwunden; er dachte an Rücktritt, hätte ihn nicht Koser, selbst kein Mediävist, großzügig zu Rate gezogen und maßgebend mitwirken lassen. Auch die Redaktion des Neuen Archivs (NA), der Monumenta-Zeitschrift, wurde ihm übertragen, in der er über alle Mittelalter-Forschungen mit strengem Urteil als überall anerkannte Autorität für Quellenkritik und -edition berichtete. Darin lag seine Stärke und seine Grenze. Nie hat er sich an historischer Darstellung versucht, fast nur im NA kritische Vorstudien zu seinen Editionen veröffentlicht, selbständig nur eine Broschüre „Die Monumenta Germaniae und ihr neuester Kritiker“ (1887), um die Polemik von Ottokar Lorenz gegen Waitz nach dessen Tod scharf zurückzuweisen. Persönlich bescheiden und rastlos fleißig, stets sachkundig hilfreich für andere, hat er meister- und musterhaft eine Fülle mittelalterlicher Geschichtswerke kritisch untersucht und in den MG herausgegeben, darunter die Annalen und andere Schriften Lamperts von Hersfeld (1894), die Erfurter Geschichtsquellen des 12.-14. Jahrhunderts (1899) und zuletzt die Chronik des Minoriten Fra Salimbene von Parma (1905–13), die ihn schon seit seiner ersten Bibliotheksreise nach Italien 1884 beschäftigte. Mehr an der oft schwierigen Herstellung eines zuverlässigen Textes dieser Überlieferung interessiert als an ihrer Interpretation und Auswertung, manchmal sogar hyperkritisch in ihrer Beurteilung, hat H. die Editionstechnik noch über Pertz und Waitz hinaus verfeinert, ein Spezialist der Quellenkritik, dem andere historische Probleme fremd blieben. Seine strengen Kriterien aber werden für alle wissenschaftliche Erforschung des Mittelalters maßgebend, seine grundlegenden Leistungen ihr unentbehrlich und vorbildlich bleiben.

  • Literatur

    K. Zeumer, O. H.-E., in: NA 37, 1912, S. 823-54 (P);
    O. Redlich, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 62, 1912, S. 408 f.;
    B. Schmeidler, in: HV 15, 1932, S. 127 f.;
    H. Bresslau, Gesch. d. MGH, in: NA 42, 1921;
    K. Jordan, H.-E. u. d. Plan s. Berufung nach Kiel, in: DA 17, 1961;
    Altpreuß. Biogr.;
    BJ XVI (Tl. 1911, L).

  • Autor/in

    Herbert Grundmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Grundmann, Herbert, "Holder-Egger, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 526 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116960515.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA