Lebensdaten
1780 bis 1850
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Verleger ; Inhaber der Vossischen Zeitung
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116949996 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lessing, Christian Friedrich

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Zitierweise

Lessing, Christian Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116949996.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Gotthelf (s. 3);
    M Marie Friederike ( 1828), T d. Christian Frdr. Voß (1724–95), Verleger d. „Vossischen Ztg.“ in Berlin, u. d. Dorothea Henrietta Rüdiger;
    Ov Gotthold Ephraim (s. 2);
    B Carl Friedrich (s. Gen. 5);
    Schw Ernestine Wilhelmine Müller (1789–1861, Miteigentümerin d. „Vossischen Ztg.“, Heinrich Müller, 1772–1849, Dirigent d. Münzämter in Glatz u. Breslau, Gründer d. Ges. z. Förderung d. Naturkde. u. Industrie in Schlesien);
    - Wilhelmine Klinkow (1778–1852); kinderlos;
    N Carl Friedrich (s. 5), Carl Robert (1827–1911), Landgerichtsdir. in Berlin, Miteigentümer u. Leiter d. „Vossischen Ztg.“, Kunst- u. Büchersammler, Eugen Ephraim Müller (1815–88), Miteigentümer d. „Vossischen Ztg.“.

  • Leben

    Nach dem juristischen Studium in Halle wurde L. 1800 Auskultator der Oberamtsregierung in Breslau. 1802 kam er an das Berliner Kammergericht (1802 Referendar-, 1805 Assessorexamen), 1812 wurde er zum Justizkommissar ernannt. Seit 1830 widmete er sich ausschließlich der „Kgl. privilegirten Berlinischen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen“, genannt „Vossische Zeitung“ (Obertitel der Zeitung seit 1911). Bereits 1806 war L. als Expedient dem Verlag beigetreten. 1809 hatte er eine eigene Druckerei für die „Voss. Zeitung“ eröffnet. 1812 war ihm nach dem Tode des Vaters von der Mutter die geschäftliche Leitung der Zeitung übertragen worden, deren ausschließliche redaktionelle Verantwortung er 1823 übernahm. Mit L. teilten sich seine beiden Geschwister Carl Friedrich und Ernestine Wilhelmine Müller seit 1828 in das gemeinsame Erbe. Es war L.s Verdienst, daß die Zeitung innerhalb weniger Jahrzehnte ihre Auflage versechsfachen konnte und bald zu den bedeutenden Presseorganen im damaligen deutschen Kulturraum zählte. Den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, ließ er die Zeitung seit 1824 außer sonntags täglich erscheinen. Unter den Berliner Blättern führte er als erster 1842 den Leitartikel ein. Dank seiner behutsamen und politisch maßvollen, liberalen Auffassung gelang es ihm, eine große Zahl von Gelehrten und Literaten zur redaktionellen Mitarbeit zu verpflichten. Die Karlsbader Beschlüsse (1819), die preuß. Zensurbestimmungen und die kostenlose amtliche Anzeigenpflicht ließen nur wenig Raum für das politische „Raisonnement“ besonders über die innenpolitischen Vorgänge und Zustände in Preußen, so daß die Redakteure einzig auf dem Gebiet von Wissenschaft und Kunst freie Hand hatten. Zur Redaktion gehörten Samuel Heinrich Catel, Friedrich Wilhelm Gubitz, Gottfried Friedenberg, Willibald Alexis, der Liberale und spätere Mitbegründer der Fortschrittspartei Otto Lindner, dessen politische Einstellung die Redaktion maßgeblich beeinflußte, ferner Leopold Frhr. v. Zedlitz-Neukirch, Friedrich v. Raumer und Ludwig Rellstab. Nach Aufhebung der preuß. Zensur während der März-Revolution von 1848 verlieh Rellstab der Sonderausgabe des Blattes den Titel „Extrablatt der Freude“. Seitdem war die Zeitung einem besonnenen Fortschritt verpflichtet. L. mußte jedoch in seinen letzten Jahren erleben, wie die Presse unter Friedrich Wilhelm IV. zunehmend beengt wurde und sein Blatt in Gefahr geriet, verboten zu werden. Nach L.s Tod fiel sein Besitzanteil an seinen Neffen Carl Robert. Die alleinige Vertretung der Handelsgesellschaft oblag jedoch anfangs dessen Vetter Eugen Ephraim Müller, dessen älterer Bruder Louis 1846 die Papierfabrik in Hertelsau/Neumark übernahm. Nach dem Tode von Louis übernahm dessen Witwe die Unternehmensanteile, während dessen Bruder Eugen Ephraim seine Besitzanteile seinen beiden Neffen Albrecht und Friedrich übereignete. Die verwickelten Anteils- und Erbansprüche der zahlreichen Eigner erschwerten die Geschäfts- und Betriebsführung mit der Zeit ungemein.

    Obwohl die Vossische Zeitung, die der Freisinnigen Volkspartei nahestand, wegen ihres Feuilletons und der wissenschaftlichen Beiträge hohes Ansehen besaß und auch als Anzeigenblatt geschätzt wurde, konnte sie trotz einigen technischen und redaktionellen Ausbauversuchen letztlich nicht mehr gegen die neu entstandene Massenpresse der Konkurrenzunternehmen von Mosse, Scherl und Ullstein bestehen. Die Auflage des Blattes stagnierte und betrug nach 1900 nur annähernd 25 000 Stück täglich. Selbst die 1909 erfolgte Umwandlung der offenen in eine beschränkt haftende Handelsgesellschaft unter der Geschäftsführung Carl Roberts und seines Sohnes Gotthold Ephraim vermochte die divergierenden Interessen der Mitglieder des Familienunternehmens nicht mehr zu einen, da auch die politischen Ansichten der Teilhaber zu sehr differierten. Bald nach dem Tod Carl Robert Lessings erfolgten langwierige Verkaufsverhandlungen, die schließlich zur Übernahme des Verlages durch den UllsteinVerlag (1914) führten, bei dem die Zeitung dann bis zu ihrer Einstellung 1934 erschienen ist.

  • Literatur

    ADB 18, 40 s. Art. Voß, S. 328-34;
    A. Buchholtz, Die Voss. Ztg., Geschichtl. Rückblicke auf 3 Jhh., 1904 (P);
    ders., Die Gesch. d. Fam. Lessing, 2 Bde., 1909 (P in II);
    Carl Robert Lessings Bücher- u. Hss.slg., hrsg. v. G. Lessing, I: Die Lessing-Bücherslg., bearb. v. A. Buchholtz u. I. Lessing, Die Lessing-Hss.- u. d. Lessing-Bilderslg. v. A. Buchholtz, 1914;
    E. Dovifat, Die Zeitungen, Das Nachrr.wesen v. W. Schwedler, 1925, S. 22-25, 44-47;
    ders., Das Publizist. Leben, in: Berlin u. d. Prov. Brandenburg im 19. u. 20. Jh., hrsg. v. H. Herzfeld, 1968, S. 753-66;
    M. Osborn, Die Voss. Ztg. seit 1904, in: 50 J. Ullstein (1877–1927), 1927, S. 223-78;
    Voss. Ztg., Nr. 75-77, 1934 (letzte Ausgg., darin ausführl. Rückblick);
    H. Ullstein, The Rise and Fall of the House of Ullstein, 1943;
    P. de Mendelssohn, Ztg.stadt Berlin, Menschen u. Mächte in d. Gesch. d. dt. Presse, 1959;
    K. Koszyk, Dt. Presse im 19. Jh., Gesch. d. dt. Presse, T. 2, 1966;
    M. Lindemann, Dt. Presse bis 1815, Gesch. d. dt, Presse, T. 1, 1969;
    K. Bender, Voss. Ztg. (1617–1934), in: H.-D. Fischer (Hrsg.), Dt. Ztgg. d. 17.-20. Jh., 1972, S. 25-39;
    W. G. Oschilewski, Ztgg. in Berlin - Im Spiegel d. Jhh. 1975;
    E. Dovifat, Voss. Ztg., in: Staatslex. VIII, 61963, Sp. 394 ff.

  • Autor/in

    Jürgen Fromme
  • Empfohlene Zitierweise

    Fromme, Jürgen, "Lessing, Christian Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 347-348 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116949996.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA