Lebensdaten
1779 bis 1873
Geburtsort
Spangenberg (Hessen)
Sterbeort
Coburg
Beruf/Funktion
Diplomat ; kurhessischer Bundestagsgesandter ; sachsen-coburgischer und gothaischer Minister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116943866 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lepel, Georg Ferdinand Freiherr von
  • Lepel, Ferdinand von

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Zitierweise

Lepel, Georg Ferdinand Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116943866.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb Christoph Gustav (1746–1813), kurhess. Gen.-Major d. Kavallerie, dann westphäl. Divisionsgeneral, Präs. d. Sektion d. Kriegswesens im Staatsrat u. Gouverneur v. Kassel,| S d. Gutsbes. Heinrich Wilhelm in Gr.-Zastrow b. Demmin (Pommern) u. d. Margarete Magdalene v. Haugwitz;
    M Caroline (1749–1826), T d. Wolrad Stirn (1695–1763), hessen-kassel. Geh. Kammerrat, u. d. Margretha Christina Schwiedring;
    B Emil (s. Einl.);
    - 1) Wien 1810 Christine (1781–1812), T d. Reichshofratsagenten Joh. Michael v. Stubenrauch u. d. Rosina Ehrenbach, 2) Höchst/Nidder 1818 Elisabeth (1792–1850), T d. Philipp Maximilian Frhr. v. Günderrode (1745–1814), auf Höchst, kurhess. GR u. Reichstagsgesandter (s. NDB VII*), u. d. Wilhelmine Freiin v. Stein zu Nord- u. Ostheim, 3) Coburg 1865 Wilhelmine (1828–87), T d. braunschweig. Majors Leopold Frhr. v. Meyern-Hohenberg u. d. Sophie v. Brandis;
    4 S (1 1870), 2 T aus 2).

  • Leben

    L. wurde nach dem Rechtsstudium in Marburg und Göttingen 1798 als Legationssekretär der hessen-kassel. Gesandtschaft am Reichstag in Regensburg zugeteilt, für die er ein Repertorium des Archivs anfertigte. Er nahm 1802/03 mit dem Gesandten Philipp Maximilian v. Günderrode Anteil an den Verhandlungen der Reichsdeputation zur Entschädigung der weltlichen Fürsten, die durch Abtretung linksrheinisch gelegener Gebiete an Frankreich Verluste erlitten hatten, und schrieb das Protokoll. 1805 ging L. mit Günderrode an den Kaiserhof nach Wien. Nach der Errichtung des Kgr. Westphalen 1807 und der Vertreibung des Kurfürsten aus Kassel blieb L. als dessen geheimer Geschäftsträger in Wien. 1813 verhandelte er mit den Alliierten über die finanzielle Beteiligung Kurhessens an den Kriegskosten und unterzeichnete am 2.12. den Beitritt zur Hl. Allianz. Nach der Rückkehr des Kurfürsten nach Kassel wurde L. nach Paris geschickt, um die dorthin verschleppten Kunst- und Literaturschätze zu reklamieren. An den Verhandlungen des Wiener Kongresses beteiligte er sich als 2. kurhess. Bevollmächtigter bei der Redigierung der Bundesakte. Im Okt. 1815 verhandelte er mit Preußen über die Abtretung des größten Teils des ehem. Stifts Fulda an Kurhessen. Im Aug. 1816 wurde er zum Gesandten in Wien sowie in Salzburg und München ernannt.

    Schon nach wenigen Monaten wurde L. im Febr. 1817 die Stelle des Gesandten bei der Deutschen Bundesversammlung in Frankfurt übertragen. L.s Plan zur Organisierung des Bundesheeres (es war der erste vollständige Militärplan) sah selbständige Divisionen der Mittel- und Kleinstaaten vor, ohne Vereinigung mit österr. und preuß. Divisionen. Darüber stieß L. zur „Oppositionspartei“, die sich Anfang 1818 um die bayer. bzw. württ. Gesandten Johann Adam Frhr. v. Aretin und Karl August Frhr. v. Wangenheim gebildet hatte. Sie verwahrte sich dagegen, daß die Bundesversammlung die deutsche Nation repräsentiere und über den einzelnen Regierungen, gegebenenfalls als Schiedsrichter, stehe. Sie wollte das „dritte Deutschland“ der Mittelstaaten sammeln und eine „Triaspolitik“ gegen eine Hegemonie Österreichs und Preußens durchsetzen. L.s Haltung wurde von Kf. Wilhelm I. und von der Regierung in Kassel nicht konsequent gestützt, jedoch seit 1821 von Kf. Wilhelm II. Als aber seit Herbst 1822 von Metternich Druck ausgeübt und die „Epuration“ des Bundestags verlangt wurde, ließ der Kurfürst L. fallen. Am 23.8.1823 wurde er als letzter Vertreter der „Oppositionspartei“ abberufen. Die kurhess. Bundespolitik war seitdem ohne Bedeutung.

    L. blieb in Frankfurt wohnen und verwaltete große Familienstiftungen. Sie gehörten zur Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Frankfurt, in die L. durch seine 2. Heirat gelangt war. 1826 wurde er in die Frankfurter Gesetzgebende Versammlung gewählt, 1833-36 war er einer ihrer Vizepräsidenten. Senior des ev. Kirchenvorstands war er 1831-34. – 1836 wurde L. als Oberkammerherr und Minister des Kurfürstl. Hauses und des Äußern nach Kassel berufen, doch ließen ihn Meinungsverschiedenheiten mit dem Kurfürsten und Kurprinzen schon nach knapp drei Jahren den Abschied nehmen. – 1840 wurde er dirigierender Geh. Rat und Staatsminister des Hzgt. Sachsen-Coburg und Gotha. Bis zum Tode von Hzg. Ernst I. (1844), der wie L. konservativ eingestellt war, konnte er die Regierung gut führen. Differenzen gab es allerdings mit dem Coburger Landtag, weil L., ohnehin Gegner des Repräsentativsystems und Anhänger des monarchischen Prinzips, sich das „Recusationsrecht“ anmaßte, den Anspruch nämlich, mißliebige Abgeordnete zurückweisen zu können. Der junge Hzg. Ernst II., der bei seinen Verwandten die liberale Denkweise des europ. Westens kennengelernt hatte, harmonierte nicht mit L. und entsprach am 13.1.1846 dessen Abschiedsgesuch. – L. lebte noch 27 Jahre im Ruhestand in Coburg und verwaltete bis 1851 die heimischen Vermögen für die coburg. Prinzen in England, Belgien und Portugal.

  • Werke

    Protokoll d. ao. Reichsdeputation zu Regensburg, 2 Bde., 2 Beill.-Bde., 1803;
    G. F. Frhr. v. L., in: Beil. z. Allg. Ztg., Nr. 327 v. 23.11.1873 (v. L. selbst vf. Nachruf);
    Die Unterzeichnung d. dt. Bundes-Akte am 10.6.1815, in: Hessenland,|Zs. f. hess. Gesch. u. Lit., 1, 1887, S. 80 f.;
    Meine Bekanntschaft u. Verhh. mit d. Min. Frhrn. v. u. zum Stein, ebd., S. 94-98.

  • Literatur

    [Wilhelm Frhr. v. Lepel], in: Hessenland, Zs. f. hess. Gesch. u. Lit., 1, 1887, S. 65-68, 78 f.;
    H. Körner, Frankfurter Patrizier, Hist.-Genealog. Hdb. d. Adeligen Ganerbschaft d. Hauses Alten Limpurg zu Frankfurt a. M., 1971 (P);
    ders., Die „Oppositionspartei“ d. Mittelstaaten b. d. Dt. Bundesverslg. in Frankfurt a. M. aus d. Sicht d. sächs. Höfe u. Diplomaten (1816–23), in: Stadtvfg., Vfg.staat, Pressepol., Festschr. f. E. Naujoks, 1980, S. 318-38 (L);
    H. Seier, Kurhessen u. d. Anfänge d. Dt. Bundes 1816–23, in: Hess. Jb. f. Landesgesch. 29, 1980, S. 98-161 (L).

  • Portraits

    Gem. (Schloß Hattenbach, Hessen).

  • Autor/in

    Hans Körner
  • Empfohlene Zitierweise

    Körner, Hans, "Lepel, Georg Ferdinand Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 302-304 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116943866.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA