Lebensdaten
1871 bis 1940
Geburtsort
Airolo (Tessin)
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
schweizerischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116941839 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Motta, G.

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Zitierweise

Motta, Giuseppe, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116941839.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Sigismondo (1839–83), Posthalter u. Gastwirt, Abg. z. Gr. Rat in A., S d. Giovanni (1810–88), Posthalter u. Gastwirt, Gemeinderat in A., u. d. Josepha Gerig (1808–87) aus Wassen Kt. Uri; M Paolina (1848–1921), T d. Weinhändlers Camillo Dazzoni aus Chironico (Leventina), Bgm. in Faido (Leventina), u. d. Luigia Fruzzini aus Brig Kt. Wallis; Ov |Benvenuto (1848–99), 1886-93 Reg.kommissär in Bellinzona; Schw Camilla (Maria Carmela) (1869–1923), seit 1908 Ordensoberin d. Hl.-Kreuz-Schwesternkongregation in Menzingen, stiftete in Fribourg d. Ak. d. hl. Kreuzes (beide s. HBLS); Dongio Kt. Tessin 1899 Agostina (1876–1959), T d. Carlo Domenico Stefano Andreazzi, Kaufm. u. Reg.kommissär, u. d. Emilia Gatti; 3 S Sigismondo (1900–77), Vizesekr. d. Eidgenöss. Amtes f. geistiges Eigentum in B., Riccardo (1902–76), Dr. iur., Dir. d. Schweizer Nat.bank in B., Cristoforo (* 1910), Dr. iur., Jurist in Lausanne, 7 T, u. a. Stefania (1904–72), Ordensoberin d. Hl.-Kreuz-Schwesternkongregation in Menzingen.

  • Leben

    M. studierte seit 1889 Jura in Fribourg, München und Heidelberg, wo er 1893 „summa cum laude“ promoviert wurde. 1895-1911 wirkte er als Rechtsanwalt und Notar in seiner Heimatstadt. 1895 zog er als kath.-konservativer Abgeordneter in den Großrat von Tessin, 1899 in den Nationalrat, im Dezember 1911 schließlich in den Bundesrat ein. Bis zu seinem Tod gehörte M. nun der Regierung an, anfangs mit der Leitung des Finanz- und Zolldepartements betraut. 1915, 1920, 1927, 1932 und 1937 bekleidete er das Amt des Bundespräsidenten. Nach dem Generalstreik vom November 1918 verteidigte er eine Sozialpolitik, die die Revolution ablehnt, ohne gleichzeitig der Reaktion zuzuneigen. 1920 übernahm M. das politische Departement und prägte während der nächsten 20 Jahre die Schweizer Außenpolitik. Er setzte sich für die Mitarbeit der Schweiz im Völkerbund ein, in den er große Hoffnungen setzte. Die Londoner Deklaration vom 13.2.1920 empfand er als großen Erfolg, da der Völkerbundsrat die Schweiz von der Verpflichtung befreit hatte, sich an militärischen Sanktionen zu beteiligen. M.s Einfluß war es auch zu verdanken, daß die Schweizer am 16.5.1920 einem Beitritt in den Völkerbund zustimmten. 1920 und 1924 präsidierte er der Völkerbundsversammlung, 1926 leitete er die Kommission, die sich mit der Zusammensetzung des Völkerbundsrates befaßte. Er befürwortete die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund und den Abschluß eines Schieds- und Vergleichsvertrags zwischen der Schweiz und Deutschland (1921). Mit der Sowjetunion waren nach dem Generalstreik vom November 1918 die diplomatischen Beziehungen abgebrochen worden. Trotz seiner antikommunistischen Haltung befürwortete M. deren Wiederaufnahme. 1934 wurde er allerdings vom Bundesrat verpflichtet, gegen eine Aufnahme der UdSSR in den Völkerbund zu stimmen.

    Wegen seiner Verbundenheit mit der ital. Kultur war M. an guten Beziehungen zu Italien gelegen. Obwohl er die Diktatur prinzipiell ablehnte, hütete er sich, den ital. Faschismus öffentlich zu kritisieren und an Mussolinis Freundschaftsbekundungen Zweifel aufkommen zu lassen. Nach der Besetzung Äthiopiens im Oktober 1935 beteiligte sich die Schweiz praktisch nicht am Votum des Völkerbundes, Sanktionen gegen den ital. Aggressor zu verhängen. Vielmehr erkannte die Schweizer Regierung im Dezember 1936 auf M.s Anraten die ital. Herrschaft in Afrika an. Damit war die Schweiz der erste neutrale Staat, der sich zu diesem Schritt entschlossen hatte.

    Die Beziehungen zum Deutschen Reich waren für die Schweiz von größter Wichtigkeit wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtungen und der bedeutenden Schweizer Investitionen in Deutschland, die allerdings 1933 eingestellt wurden. Als 1935 der Journalist B. Jacob-Salomon von der Gestapo in Basel entführt worden war, gelang es M., unter Berufung auf den deutsch-schweizer. Vertrag dessen Freilassung zu erreichen. Nachdem W. Gustloff, der Landesleiter Schweiz der NSDAP, im Februar 1936 in Davos ermordet worden war, verwehrte der Bundesrat die Ernennung eines Nachfolgers durch Berlin, duldete jedoch weiterhin nationalsozialistische Organisationen auf Schweizer Boden. M. drängte die deutsche Regierung, in einer offiziellen Erklärung die Schweizer Unabhängigkeit anzuerkennen und ermutigte im Februar 1937 seinen früheren Kollegen Schulthess, mit Hitler zu konferieren. Im Dezember 1938 bezog er öffentlich Stellung gegen die deutsche Presse, die von der öffentlichen Meinung in der Schweiz eine Art „totalitäre“ Neutralität erwartete. Nachdem Italien im Dezember 1937 den Völkerbund verlassen hatte, knüpfte M. an jene Entwicklung an, die die Schweiz zur integralen Neutralität, die 1920 aufgegeben worden war, zurückführen sollte. Kurz nach dem „Anschluß“ Österreichs nahm der Völkerbundsrat im Mai 1938 eine Resolution an, die die Schweiz von jeglichem Zwang zu Sanktionen befreite.

  • Werke

    Testimonia Temporum, Discorsi e scritti scelti (1911-1940), 3 Bde., 1931-41.

  • Literatur

    J. R. v. Salis, G. M., 30 J. eidgenöss. Pol., 1941; Diplomat. Dokumente d. Schweiz VI-XIII (1914–40), 1979-94; M. Cerutti, Le Tessin, la Suisse et l'Italie de Mussolini, 1988; ders., in: Die Schweizer Bundesräte, Ein biogr. Lex., hrsg. v. U. Altermatt, 1991, 21992, S. 306-11 (W, L, P); HBLS V (P); Biogr. Lex. verstorbener Schweizer I, 1947, S. 7 f. (P); Brockhaus 15, 1991 (P).Zur Fam.: Schweizer. Fam.buch, hrsg. v. J. P. Zwicky v. Gauen, I, 1945, S. 182-88.

  • Autor

    Mauro Cerutti
  • Empfohlene Zitierweise

    Cerutti, Mauro, "Motta, Giuseppe" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 225 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116941839.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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