Lebensdaten
1872 bis 1948
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116941499 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoffmann, Richard

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hoffmann, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116941499.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, Klempnerobermeister;
    M Bertha Kleinfeld;
    1919 Maria Kennemann.

  • Leben

    H. studierte in Königsberg und Halle Theologie, promovierte zum Licentiatus theologiae, habilitierte sich 1897 in Königsberg für Neutestamentliche Wissenschaften und wurde dort 1907 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1915 wurde er zum ordentlichen Professor der Exegese des Neuen Testamentes an die Evangelisch-theologische Fakultät in Wien berufen.

    Die Arbeiten H.s sind bestimmt durch die historisch-kritische Wissenschaft, wie sie am Ende des vorigen Jahrhunderts zu ihrer Blüte gekommen war. Das ist schon deutlich in seiner ersten Veröffentlichung „Die Abendmahlsgedanken Jesu Christi“ (1896). In seiner Antrittsvorlesung in Königsberg stellt sich H. bewußt in die wissenschaftliche Erforschung der Bibel. Er fördert diese Arbeit durch quellenkritische Untersuchungen, die er in dem Buch „Das Markusevangelium und seine Quellen“ 1904 vorlegt. Auch in der Schrift „Das Selbstbewußtsein Jesu nach den drei ersten Evangelien“ (1904) ordnet sich H. in die wissenschaftliche Diskussion ein, die einerseits durch die Infragestellung der Leben Jesu-Forschung, etwa durch William Wrede, und andererseits durch Spezialuntersuchungen wie Hans Lietzmanns „Der Menschensohn“ ausgelöst worden war. Nach zwei Richtungen hin entwickelt H. die theologische Fragestellung, indem er – zunächst durchaus im Sinne der liberalen Theologie der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts – den Unterschied zwischen Jesus als dem großen Lehrer und Menschen, welcher sich selbst als Kind Gottes wußte und Gott als den Vater der Menschen verkündete, und dem paulinischen Christusbild, in welchem der Tod Christi als Sühnopfer für die Sünden der Menschen erscheint, herausarbeitet. Es entspricht dem ethischen Gottesbild dieser Auffassung, daß Gott als der gerechte Richter den sittlichen Ausgleich herstellt. H. galt als moderner Theologe gemäßigter Richtung, der sich langsam mehr nach der positiven Seite hin entwickelt hat.

    In einer anderen Richtung aber bezog H. eine Position, die ihm eine singuläre Stellung innerhalb der deutschen neutestamentlichen Wissenschaft gab. Es war das im 3. Jahrzehnt des Jahrhunderts hervortretende Interesse an den parapsychologischen Phänomenen bis hin zum Spiritismus, welchen H. „Nekrobiologie“ nannte und den er „für eine werdende Wissenschaft“ hielt. Die Wurzeln dieser Überlegungen zeigen sich bei ihm bereits in der Untersuchung des Verhältnisses von Kant und Swedenborg (1909). In Vorträgen und Aufsätzen bildete er diese Anschauung weiter. Die Auferstehung Christi wird als ein Materialisationsproblem erklärt und sein Fortleben als „übersinnliche Macht“ verstanden. In seinen „Richtlinien für ein schlichtes deutsches protestantisches Bekenntnis“ (1934) äußert H. die Gewißheit, daß wir „Gottes sittliche Weltordnung im neuen Leben nach dem Tode weit schärfer spüren werden als bisher“. Er wurde in diesen eigenartigen Gedankengängen unter anderem auch durch C. G. Jung bestärkt, der 1930 in einem Vortrag in Wien die Parapsychologie als Wissenschaft zu rechtfertigen suchte, ferner durch die Untersuchungen von Max Dessoir und anderen.

  • Werke

    Weitere W Was versteht man unter wiss. Bibelforschung, 1897;
    Die Erlösergedanken d. geschichtl. Christus, 1911;
    Das Geheimnis d. Auferstehung Jesu, 1921;
    Besitz u. Recht im Urchristentum, in: Rel. u. Sozialismus, 1921;
    Die Freiheit Gottes, 1923;
    Parapsychol. b. Paulus, in: Zs. f. Parapsychol., 1928;
    Hat d. Parapsychol. f. d. Erforschung d. Urchristentums e. Bedeutung?, ebd., 1930;
    Die Entstehung d. Christentums, T. II: Paulus, in: Die Religionen d. Erde, 1929;
    Die göttl. Vorherbestimmung nach d. Lehre d. Paulus, in: Die Wartburg 29, 1930;
    Der Spiritismus u. d. Wiss., in: Zs. f. metaphys. Forschung, 1931/32;
    Parapsychol. in d. rel. Erfahrungen d. Apostels Paulus, in: Zs. f. Rel.psychol., 1933;
    Das Gottesbild Jesu, 1934;
    Unveröff. Mss. Die Fehldeutung d. AT im Urchristentum;
    Die Sendung Jesu u. d. Rel. d. Zukunft;
    Christusballade.

  • Literatur

    Bielitz, in: Neue Ev. Kirchenztg. 56, Nr. 6, 1940;
    Amt u. Gemeinde, 1948, S. 68;
    Gemeindebote f. d. ev.-luth. Wien 27, 1948;
    Berr. üb. d. Studienj. d. Univ. Wien 1947/48;
    J. Bohatec, Dt.-österr. Btr. z. ev.-theol. Wiss., 1935;
    ÖBL (W, L).

  • Autor/in

    Gottfried Fitzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fitzer, Gottfried, "Hoffmann, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 436 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116941499.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA