Lebensdaten
1884 bis 1950
Geburtsort
Ihlen (Kurland)
Sterbeort
Torgau
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11693266X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoerner, Herbert von

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Zitierweise

Hoerner, Herbert von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11693266X.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Vorfahre Thomas Horner kam 1547 aus Eger nach Livland (1568 poln. Adel), war Rat d. Dt. Ordens u. d. Hzg. Gotthard v. Kurland, Gesandter in Rußland, Polen und Preußen;
    V Rudolph (1848–1919), auf I. u. Grenzhof, Kreis-Adelsmarschall, Präses d. Ges. f. Lit. u. Kunst u. d. Musik in Mitau, S d. Ottokar, auf I., u. d. Auguste Baronesse v. Grotthuß;
    M Magdalene (1853–1941), T d. Emil Baron v. Lieven, auf Laschen u. Corallen, u. d. Anna Baronesse v. Fircks;
    B Thomas (1874–1952), Geologe;
    Schw Greta (1880–1945), Malerin;
    - Dresden-Loschwitz 1917 Susanne (* 1890), Schriftstellerin, T d. Malers Georg Heintze u. d. Maria Bänisch;
    2 S.

  • Leben

    Aufgewachsen auf dem „schönsten Gut Kurlands“, nimmt H. als Offizier der Baltischen Landeswehr an den Nachkriegskämpfen teil. In München und Breslau studiert er Malerei, Architektur und Zeichnen. Danach geht er nach Berlin, wo er sich seinen Lebensunterhalt zunächst als Flaschenreiniger bei einer Likörfabrik verdient. Als er später nach Lichtenrade zieht, wird er Nachbar des baltischen Lyrikers Bruno Goetz (1885–1954, siehe Kosch, Lit. Lex.), beide gehören der Gruppe um Heinrich Goesch (1880–1931) an, der am „Politischen Kolleg“ des deutschnationalen Politikers Martin Spahn tätig ist. In dieser Zeit beginnt H. zu schreiben und sich gleichzeitig als Porträtmaler zu versuchen. Er läßt sich als Zeichenlehrer ausbilden und arbeitet mehrere Jahre am Gymnasium in Görlitz. Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs meldet er sich als Freiwilliger, geht zunächst als Dolmetscher in die Urkraine, später nach Breslau und gerät bei Kriegsende zusammen mit seiner Frau in sowjetische Gefangenschaft. Fünf Jahre später stirbt er in der Haftanstalt Torgau.

    H.s Werk ist nicht umfangreich. Neben ein paar Gedichten gibt es nur einige Erzählungen, die ihm eine gewisse Popularität verschaffen. Auch sein Bauernroman „Der graue Reiter“ (1940), der starke Parallelen zu Theodor Storms „Schimmelreiter“ aufweist und H.s letzte große Arbeit darstellt, ist eigentlich eine etwas breiter angelegte Novelle. H. ist ein vorzüglicher Anekdotenerzähler und geradezu ein Musterbeispiel für die These vom engen Zusammenhang zwischen Anekdote und Novelle: Eine echte Pointe, eingebettet in einen klug gewählten Stoff, ergibt eine gute Novelle. Seine Erzählungen vermitteln ein charakteristisches Bild seiner baltischen Heimat; die Landschafts- und Menschenzeichnung ist atmosphärisch dicht, die Motive sind einfach, aber symbolhaft. H.s erste größere Arbeit: „Die Kutscherin des Zaren“ (1936), die Geschichte einer jungen Baronesse, die mit dem Vierspänner ihres Vaters|in einer Winternacht den Zaren Nikolaus I. durch Kurland fährt, ist ein typisches Beispiel dafür und zugleich eines der besten, charakteristischsten und erfolgreichsten Bücher H.s. Der hintergründige Humor jedoch, der seine frühen literarischen Versuche auszeichnet, schlägt bald in eine gewisse Schwermut und Trauer um, in der allerdings immer noch ein tröstender Hoffnungsschimmer sichtbar wird. Durch H.s enge Bindung an „Blut und Boden“ machen die Nationalsozialisten ihn schnell zu einem der ihren. In der von H. Langenbucher herausgegebenen Anthologie „Deutsche Gegenwartsdichtung“ findet man ihn zwischen Blunck, Johst und Kolbenheyer. Im Zuge der Förderung und Auszeichnung „volkhafter Dichtung“ verleiht die Stadt Berlin H. 1941 ihren Literaturpreis.

  • Werke

    Weitere W Erzz./Novellen: Villa Gudrun, 1921 (enthält auch Gedichte);
    Bruder im Felde, 1936;
    Die letzte Kugel, 1937;
    Der große Baum, 1938;
    Die grüne Limonade, 1952. -
    Gedichte: Die Welle, 1942. -
    Überss.: Witte, Erinnerungen, 1921;
    Tolstoi, Iwan d. Schreckliche, 1922;
    Gogol, Puschkin u. Turgenjew, Novellen, 1922 f.

  • Literatur

    H. v. H., Herkunft u. Heimat, in: Die Neue Lit. 43, 1942;
    W. Oehlke, Dt. Lit. d. Gegenwart, 1942;
    O. B [rües], Was Herr Benz sagte, in: Köln. Ztg., 1944, Nr. 217;
    P. Fechter, Gesch. d. dt. Lit. II, 1960;
    I. Molzahn, Andenken an e. Dichter, in: Der Kranich 8, 1966;
    F. Lennartz, Die Dichter unserer Zeit, 41941;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    in: A. Spemann, Menschen u. Werke, 1959.

  • Autor/in

    Eckhard Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Eckhard, "Hoerner, Herbert von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 357 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11693266X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA