Lebensdaten
1864 bis 1946
Geburtsort
Moskau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Opernregisseur ; Theaterleiter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116929170 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moris, Maximilian

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Zitierweise

Moris, Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116929170.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Laurian (1819–82), Prof. Dr., Schriftst. in M. u. St. Petersburg (s. Brümmer; Kosch, Theater-Lex.), S d. Gerardus (* 1790), Pflasterer u. Straßenbauunternehmer, u. d. Susanne Lentz (* 1796);
    M Marie-Antoinette Franz (1837–1916);
    1) 1891 ( um 1916) Klara Pählig (1865–1957), Opernsängerin, 2) 1923 Margarethe Schlemüller (1890–1967), Opernsängerin;
    2 S, 2 T aus 1), u. a. Eugen (1895–1989), Violinvirtuose;
    E Dr. Werner Struve (* 1918), Lehrer, Heinz (* 1925), Dirigent.

  • Leben

    M. wuchs in Moskau, Paris, Berlin und St. Petersburg auf. Neben dem Gymnasiumsbesuch erhielt er eine musikalische Ausbildung. Nach dramatischem Unterricht bei K. H. Jendersky 1879 in Moskau trat er zunächst in kleinen Rollen am dortigen deutschen Theater auf. In Paris ließ er sich zum Sänger ausbilden. In jährlich wechselnden Engagements wirkte er dann in Eisleben, Glauchau, Minden und Gera. Seit 1899 wurde er in Glogau, dann in Lübeck, Nürnberg, Trier, Chemnitz, Basel, Brünn und Linz neben der Tätigkeit als Sänger auch mit Regieaufgaben betraut. Seit 1900 war M. an der Dresdener Hofoper unter Generalmusikdirektor v. Schuch tätig. Seine Inszenierungen der Uraufführung der „Feuersnot“ von Richard Strauss und der deutschen Erstaufführung von Puccinis „Tosca“ fanden große Anerkennung. M. galt als einer der ersten, die die Prinzipien der modernen Schauspielregie auf das gesungene Drama anzuwenden versuchten.

    Als Hans Gregor 1905 in Berlin die „Komische Oper“ gründete, in der Absicht, eine Reform der Operndarstellung aus dem Geist des Schauspiels zu verwirklichen, engagierte er M. als Oberspielleiter. In den folgenden sechs Jahren schuf M. 29 der 44 Inszenierungen dieses Theaters. Bereits die Eröfmungsproduktion, J. Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ in der Übersetzung und Bearbeitung M.s, wurde ein triumphaler Erfolg und erlebte nahezu 600 Aufführungen. 1911 trugen die Besitzer der neu erbauten Kurfürsten-Oper in Berlin M. die Direktion an. Nach einer Spielzeit, die trotz der erfolgreichen Uraufführung von Ermanno Wolf-Ferraris „Schmuck der|Madonna“ künstlerisch und finanziell hinter den Erwartungen zurückblieb, trat er von der Leitung zurück. In Hamburg wurde M. 1913 stellvertretender Direktor und Oberregisseur der Neuen Oper, deren Leitung er nach dem Konkurs im folgenden Jahr allein übernahm (1915 in „Hamburger Volksoper“ umbenannt). 1916 trat er von der Direktion zurück und leitete ein deutsches Fronttheater im besetzten Belgien. Nach einer Reihe von Gastinszenierungen, auch im europ. Ausland und in den USA, wirkte M. 1923-28 als Oberspielleiter am Deutschen Nationaltheater Weimar. 1930 übernahm er in Berlin die Leitung der Opernschule am Sternschen Konservatorium, und 1934-39 inszenierte er Opernvorstellungen für das „Theater der Jugend“ in Berlin.

    In einer Zeit, in der auf der Opernbühne selbst an den führenden Theatern das dekorative Element dominierte, gehörte M. zu den wenigen Pionieren der Opernregie, die die Arbeit mit dem Darsteller in den Vordergrund zu rücken versuchten. Die von ihm erhaltenen Regie-Klavierauszüge belegen die sorgfältige Vorbereitung der Probenarbeit, die weit über das bis dahin übliche Arrangieren von Auftritten und statischen Positionen hinausging. M. war einer der ersten Opernregisseure, deren Arbeit in Rezensionen besprochen wurde. Seine Personenführung rief gelegentlich Kritik hervor, da sich die Charakterisierung der Figuren oft deutlich von der gewohnten Sehweise abhob. Während M. als Regisseur bei seinen Zeitgenossen hohes Ansehen genoß, erlitt er als Theaterleiter immer wieder Rückschläge. So stehen seine Leistungen bis heute im Schatten Hans Gregors, dessen Karriere als Operndirektor ohne M. kaum zu denken ist.

  • Werke

    Gedruckte Opernbearbeitungen: Halka (Musik v. S. Moniuszko), Übers. f. Posen, 1898;
    Hoffmanns Erzählungen (Musik v. J. Offenbach), Übers. u. Einrichtung f. d. Eröffhungsinszenierung d. Komischen Oper Berlin, 1905;
    Libretto: Robins Ende (Musik v. E. Künnecke), UA 1909.

  • Literatur

    E. Limmer u. W. Baudissin, Hinter d. Coulissen d. Dresdener Hoftheater, 1902 (P);
    B. Wildberg, Das Dresdener Hoftheater in d. Gegenwart, Biogrr. u. Charakteristiken, 1902, S. 139-41;
    M. u. sein Werk, in: Das Theater 3, 1911/12, S. 82-86 (P);
    K. Pietschmann, Hans Gregor als Opernregisseur, Diss. Göttingen 1957 (ungedr.), S. 110 ff. (Inszenierungsverz. d. Komischen Oper Berlin, 1905-11);
    A. Langer, Die Eröffhungsinszenierung d. Komischen Oper Berlin (1905) im Kontext d. Editions- u. Aufführungsgesch. v. Jacques Offenbachs Contes d'Hoffmann im dt.sprachigen Raum, in: R. Franke (Hrsg.), Jacques Offenbach, Werk u. Wirkung (im Druck);
    Eisenberg;
    E. H. Müller, Dt. Musiker-Lex., 1929;
    Dt. Bühnen-Jb. 51, 1940, S. 86;
    Kürschners dt. Musiker-Kal., 1954;
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    Porträt- u. Rollenphotos (Slg. W. Unruh, Berlin).

  • Autor/in

    Arne Langer
  • Empfohlene Zitierweise

    Langer, Arne, "Moris, Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 133 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116929170.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA