Lebensdaten
1853 bis 1922
Geburtsort
Kirchdorf/Krems (Oberösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Pädagoge ; Philosoph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116925272 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Höfler, Alois

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Zitierweise

Höfler, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116925272.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alois (1818–66), Landesgerichtsrat, S d. Maximilian Ignaz (1771–1846), Kreiskassier d. Innkreises, u. d. Anna Maria Bscheidl;
    M Eleonore Elisabeth (1827–63), T d. Franz Schweinbach (1786–1853), Pfleger auf Starhemberg, u. d. Eleonore Prodinger;
    Stief-M (seit 1864) Amalie Böheim ( 1908);
    - Wien 1892 Auguste (1861–1930), T d. Carl Doernhoeffer (1827–1918) aus Bayreuth, Kaufm. in W., u. d. Henriette (T d. Joh. Georg Huscher, 1811–80, Großindustrieller, Spinnereibes., Reichsrats- u. Landtagsabg., Präs. d. Handels- u. Gewerbekammer in Eger); Schwager Friedrich Doernhoeffer (1865–1934), Leiter d. Kupferstichkab. in W., dann Gen.dir. d. Bayer. Staatsgemäldeslgg. in München;
    4 S (1 früh †), Karl (* 1893), Prof. d. Botanik, Otto (* 1901), Prof. d. Germanistik in W., Wolfgang (* 1905), Schriftsteller.

  • Leben

    H. begann 1871 in Wien sein Studium der Mathematik und Physik. Das Interesse für pädagogisch-didaktische Fragen wurde angeregt durch J. Stefan und L. Boltzmann und verstärkte sich noch während seiner Lehrtätigkeit an verschiedenen Wiener Gymnasien (ab 1876). Hieraus resultiert auch sein Eintreten für eine Reform des österreichischen Schulwesens im Sinne einer Verbindung realistischer und humanistischer Bildungselemente und seine intensive Arbeit an Lehrbüchern der Logik, Psychologie und Physik, die ihn als einen der bedeutendsten Fachdidaktiker seiner Zeit für diese Gebiete ausweisen. Der Pädagogik legte er „psychologische und ethische, der Didaktik logische Lehren zugrunde“.|Daneben wandte er sich immer mehr philosophischen Fragen zu. Die Verbindung von Philosophie und Psychologie bei Franz Brentano entsprach auch seinen Vorstellungen. In der Logik übernahm er von ihm – unter dem Einfluß von A. von Meinong – die Ansicht, Urteile seien selbständige psychische Phänomene, deren Wahrheitskriterium die Evidenz sei. Seine Erweiterungen des Gestaltbegriffes von Ch. von Ehrenfels, insbesondere auf organisches Leben und musikalische Gebilde, gehen auf Anregungen Meinongs zurück, ebenso die Probleme, die zu den Themen seiner Dissertation, „Einige Gesetze der Unverträglichkeiten zwischen Urteilen“ (1885), und Habilitationsarbeit, „Psychische Arbeit“ (Zeitschrift für Psychologie 8, 1894), führten. Schon während seiner Studienzeit entwickelte H. eine sein ganzes Leben andauernde Bewunderung für Richard Wagner und dessen Werke. Dieser Einfluß hat neben den Vorstellungen Meinongs am tiefgreifendsten die Ansicht H.s geprägt, „daß auch das scheinbar theoretischste, reinst wissenschaftlich philosophische Denken unausweichlich wurzelt in der wertfühlenden Persönlichkeit jedes einzelnen philosophischen Denkers“. Aus der Sicht dieses Holismus und der Überzeugung von der Bedeutung persönlichen Engagements an den allgemeinen Problemen wird H.s Enttäuschung darüber verständlich, daß manche seiner Vorschläge nicht die von ihm erwartete Anerkennung fanden und daß man ihm bei seiner Berufung zum Ordinarius weder 1903 in Prag noch 1907 in Wien erlauben wollte, zusätzlich zur Pädagogik auch philosophische Vorlesungen zu halten, obwohl beide Bereiche seiner Meinung nach eng zusammengehörten. Trotz der Prägung seiner Persönlichkeit durch zeitgenössische Wertvorstellungen und Traditionen gehört H. in die Reihe derjenigen, die durch die Betonung der Notwendigkeit logischer und empirischer Methoden auch innerhalb der Didaktik und Psychologie den Weg für die Zukunft gewiesen haben.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (1916).

  • Werke

    Weitere W u. a. Logik, 1890 (mit A. v. Meinong), 21922;
    Grundlehren d. Logik, 1890, 81926;
    Psychol., 1897, 2I, 1930 (hrsg. v. A. Wenzl);
    Grundlehren d. Psychol., 1897, 91925;
    Physik mit Zusätzen aus d. angew. Math., aus d. Logik u. Psychol., 1904 (mit E. Maiß u. F. Poske);
    Drei Vorschläge z. Mittelschulreform, 1908;
    Didaktik d. math. Unterrichts, 1910;
    Didaktik d. Himmelskde. u. d. astronom. Geogr., 1913;
    Das Ganze d. Schulreform in Österreich, Stichproben u. Ausblicke, 1918;
    Naturwiss. u. Philos., Stud. z. Gestaltungsgesetz, I: Anlässe u. Aufgaben, in: SB d. Ak. d. Wiss. in Wien, phil.-hist. Kl., 191, 1920, II: Tongestalten u. lebende Gestalten, ebd. 196, 1921. -
    Autobiogr.: Die dt. Philos. d. Gegenwart in Selbstdarst., hrsg. v. R. Schmidt, II, 1921, 21923 (P).

  • Literatur

    H. Schmidkunz, in: Zs. f. Hochschulpäd. 13, 1922;
    F. Poske, in: Zs. f. d. physikal. u. chem. Unterricht 35, 1922;
    R. Meister, in: Rektoratsber. d. Wiener Univ., 1922;
    R. Reininger, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien 72, 1922;
    Kantstud. 28, 1923;
    K. Haas, in: Physik u. Chemie 25, 1925;
    Lex. d. Päd., 1953;
    Überweg;
    Ziegenfuß;
    Pogg. VI;
    DBJ IV (Tl.);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Waltraud Reichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichert, Waltraud, "Höfler, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 312-313 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116925272.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA