Lebensdaten
1853 bis 1909
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 116914009 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Messel, Alfred

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Zitierweise

Messel, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116914009.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Simon (1817–59), Bankier, Inh. d. Fa. Aron Messel & Co. in D., S d. Aron (1784–1848), Kaufm. u. Bankier in D. (beide s. Enc. Jud. 1971), u. d. Karoline Stern (1783–1844) aus Frankfurt/M.;
    M Emilie (1825–89), T d. Kriegskanzlisten Simon Lindheim (1791–1846) aus Oppenheim u. d. Philippine Seligmann;
    B Ludwig (1847–1915), Chemiker, Großindustrieller, Präs. d. Ges. f. chem. Industrie in England, Rudolf (1848–1920), Dr. phil., Chemiker, Mitgründer u. Teilhaber d. chem. Werke seines Bruders;
    Berlin 1893 Elsa (1873–1945), T d. Max Altmann (1840–1918) u. d. Helene Schulze;
    3 T;
    Ur-Groß-N Anthony Armstrong-Jones, Earl of Snowdon (* 1930, 1960 [ 1978] Prn. Margaret v. England, * 1930), Photograph.

  • Leben

    M. war lebenslang eng mit dem ein Jahr älteren Schulfreund und Kollegen Ludwig Hoffmann, Stadtbaurat von Berlin, verbunden. Beide ergänzten sich in gewisser Weise: Hoffmann als Macher, ohne dabei Qualität und Maß aus dem Auge zu verlieren, M. als ideenreicher feinfühliger Anreger. Ihr Werk ist für ungeübte Betrachter oft nicht zu unterscheiden; beide zählen zu den Neuerern, die den Historismus des ausgehenden 19. Jh. überwanden, dabei jedoch nicht zur jüngeren Avantgarde gehörten, die den Aufbruch zum „neuen bauen“ eingeleitet hat.

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Darmstadt und dem anschließenden Militärdienst (1872/73) gingen die Freunde zunächst an die Kunstakademie Kassel (1873/74) und danach zur Bauakademie in Berlin (1874–78). Dort gehörten zu ihren Lehrern Karl Bötticher, Hermann Ende, Richard Lucae und vor allem Johann Heinrich Strack, der M.s Begabung bald erkannte. Trotz des (zunächst) mißglückten 2. Staatsexamens trat M. 1878 als Bauführer in den Staatsdienst ein. 1881 gewann er den Schinkelpreis des Architekten-Vereins für ein Ausstellungsgebäude auf dem Tempelhofer Feld. Die Preissumme verwandte er für eine Italienreise. M.s freischaffende Tätigkeit begann mit Geschäftshäusern am Werderschen Markt und an der Werderstraße (1884–87, zerstört). Seine frühen Bauten sind noch dem Historismus verpflichtet; war der Ausstellungsentwurf noch neobarock, so sind es jetzt deutsche Renaissanceformen, wie auch bei den Volkskaffee- und Speisehäusern in der Innenstadt (1891–93) und den etwa gleichzeitigen Kurfürstendamm-Häusern. Der Durchbruch zu auch inhaltlich Neuem gelang ihm mit den Warenhausbauten für Wertheim, zunächst dem an der Oranienstraße (1893/94, zerstört), auf den der berühmt gewordene Bau an der Leipziger Straße (1896–1906, zerstört) mit dem Kopfbau am Leipziger Platz folgte. Hiermit wurde M. zum Schöpfer eines modernen Warenhaustyps, der durch streng vertikale Fassadengliederung, vor allem aber durch verschwenderisch großzügige Lichthöfe gekennzeichnet ist. Diese Bauten stellten in Berlin zu Beginn des 20. Jh. neben den Werken von Peter Behrens und den Theatern von Oskar Kaufmann den Beginn der „Moderne“ dar und erregten bei Fachleuten, Kritikern und Publikum gleichermaßen Bewunderung. Im 2. Weltkrieg stark zerstört, wurden sie 1953-57 nach und nach abgebrochen.

    Für den „Berliner Spar- und Bau-Verein von 1892“ und für den „Verein zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin“ baute M. Kleinwohnungen im Norden und Nordosten der Stadt (1893, 1897/98). Er nahm die Arbeit an diesen Aufgaben ebenso ernst wie die an Villen und Landhäusern am Tiergarten (1892–1908), in Grunewald und Wannsee (1898–1908, u. a. Springer, Oppenheimer). Viele davon wurden zerstört, doch einige belegen heute noch die hohe Qualität M.scher Bauten. Erhalten sind auch die Bankgebäude in der Innenstadt, das Lettehaus in Schöneberg (1901/02), das Gebäude der Landesversicherungsanstalt Brandenburg (1903/04) und das Kaiserin-Auguste-Victoria-Haus (Säuglingsheim) in Charlottenburg (1907–09).

    Nachdem M. seinen Bau des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt (1898–1905) vollendet hatte, beauftragte ihn Wilhelm Bode 1906 mit der Planung der neuen Berliner Museen. M. konnte hierfür nur noch die Entwürfe fertigstellen. Das Hauptgebäude bestand aus einem monumentalen Zentralbau für den Pergamonaltar mit zwei seitlichen Flügeln des Deutschen und des Vorderasiat. Museums und einem zum Kupfergraben gelegenen Ehrenhof, der nur über einen Steg zu erreichen ist. Hoffmann hat die Ausführung der Pläne übernommen, dabei aber, in Anpassung an vorhandene Bauten, die klassizisierende Architektur M.s monumentalisiert. Die großartig konzipierte Gruppe von M.s Bauten auf der Museumsinsel ist allerdings nicht voll ausgeführt worden, sondern Fragment geblieben.|

  • Auszeichnungen

    Maximilians-Orden f. Wiss. u. Kunst (1906).

  • Werke

    Weitere W Wohnhaus Tauentzienstr., 1895 (zerstört);
    Berliner Handelsges., Französische Str., 1899/1900;
    Warenhaus Wertheim an d. Rosenthaler Str., 1903 (teilw. zerstört);
    Verwaltungsgebäude d. AEG, Friedrich-Karl-Ufer, 1905/06 (zerstört);
    Nationalbank f. Dtld., Behrenstr., 1906/07;
    Brommybrücke üb. d. Spree, 1907-09 (zerstört).

  • Literatur

    Berlin u. seine Bauten III, 1896, 8 a (Bauten f. Handel u. Gewerbe), 1978, 5 a (Bauten f. d. Kunst), 1983;
    M. Rapsilber. Das Werk A. M.s, 1905;
    ders. u. F. Stahl, A. M., 1913/14;
    F. Wolff, Der Neubau d. Warenhauses Wertheim in Berlin, 1905;
    A. Hoffmann, A. M., in: Dt. Bau-Ztg., 1909, S. 168, 170 ff.;
    M. Osborn, Berlin, 1909;
    F. Stahl, A. M., 1910;
    W. Bode, A. M.s Pläne f. d. Neubauten d. Kgl. Museen zu Berlin, in:) Jb d. Kgl. Preuß. Kunstslgg., 1910;
    P. Haiko (Hrsg.), Die Architektur d. 20. Jh., Querschnitt, 1901-14;
    W. C. Behrendt, A. M., 1911;
    W. Hegemann, Das steinerne Berlin, 1930;
    100 J. Schinkelwettbewerb, FS d. AIV zu Berlin, 1955;
    Die Bauwerke u. Kunstdenkmäler zu Berlin, Bez. Tiergarten, 1955, Bez. Charlottenburg, 1961, Das Tiergartenviertel, T. 1, 1981;
    M. Tafuri u. F. Dal Co, Architektur d. Gegenwart, 1977;
    Schicksale dt. Baudenkmale im 2. Weltkrieg II, 1978;
    R. Wolters, Stadtmitte Berlin, 1978;
    J. Posener, Berlin auf d. Wege zu e. neuen Architektur, 1979;
    S. Waetzoldt, Bauten d. Museumsinsel, in: Berlin u. d. Antike,|Ausst.kat. 1979;
    W. Schäche, A. M.s Porgamon-Mus., in: B. Bergius u. a. (Hrsg.), Architektur, Stadt u. Pol., 1979;
    Die Bau- u. Kunstdenkmale in d. DDR, Hauptstadt Berlin I/II, 1983/87;
    H. G. Sperlich, in: E. G. Franz, Juden als Darmstädter Bürger, 1984;
    H. Reuther, Die gr. Zerstörung Berlins, 1985;
    B. Jacob, in: W. Ribbe u. W. Schäche, Baumeister – Architekten – Stadtplaner, 1987 (W-Verz., P);
    H. Beseleru. N. Gutschow, Kriegsschicksale Dt. Architektur I, 1988;
    K. H. Hüter, Architektur in Berlin 1900–33, 1988;
    BJ 14, Tl. 1909;
    ThB. |

  • Quellen

    Qu. Archiv d. Ak. d. Künste Berlin, Personalakte A. M., 1904; Hess. StA Darmstadt; Stadtarchiv Darmstadt.

  • Autor/in

    Günther Kühne
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühne, Günther, "Messel, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 211-213 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116914009.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA