Lebensdaten
1874 bis 1955
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116913177 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Günther, Konrad Eduard Franz
  • Guenther, Konrad
  • Günther, Konrad Eduard Franz

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Zitierweise

Guenther, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116913177.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1832–75), Kaufm. in R., S d. Stadtrats Frdr. Adolf in Tilsit;
    M Barbara Julie (1846–1932), T d. Kaufm. Jul. Behrens in Riga u. d. Julie Schweinfurth;
    Groß-Om Gg. Schweinfurth ( 1925), Forschungsreisender;
    O Gerh. Rohlfs ( 1896), Afrikaforscher;
    - 1902 Eva (* 1883), T d. Verlagsbuchh. Frdr. Ernst Fehsenfeld (1853–1933) in F. u. d. Paula Rheinboldt;
    2 S, u. a. Ekke Wolfg. (* 1908), Prof. d. Geol. in Kiel.

  • Leben

    Nach dem Studium in Bonn, Leipzig und Freiburg wirkte G. seit 1902 45 Jahre lang als akademischer Lehrer in Freiburg; 1913 wurde er außerordentlicher Professor. Ursprünglich beschäftigte er sich, noch unter dem Einfluß von A. Weismann, mit der Zellen- und Abstammungslehre. Bald aber ließen ihn Veranlagung und Lebensablauf (Erziehung im Hause seines Onkels G. Schweinfurth) aus dem gewohnten Rahmen seines zoologischen Faches heraustreten. Eigene Wege führten ihn weniger in den Hörsaal und mehr in die freie Natur. Er war einer der ersten, die mit ihren Studenten naturkundliche Lehrwanderungen unternahmen und der Freilandforschung den ihr gebührenden Platz erkämpften. Sein Bemühen galt dem Nachweis organischer Zusammenhänge des Tierlebens und der Vermittlung eines echten Bildes der heimischen Landschaften mit ihren Tieren und Pflanzen. Unter anderem sollten das „Tierleben unserer Heimat“ (1923) und die „Sprache der Natur seit der Vorzeit unseres Volkes“ (1930, 21933) diesen Aufgaben dienen. Gegen die Technisierung des Menschen, für die Verinnerlichung des Naturgefühls und die Wiedererweckung des den Vorfahren eigenen Natursinnes: das waren These und Ziel dieser von ihm entwickelten „Deutschen Heimatlehre“; daß sie für ihn manche Enttäuschung im Gefolge hatte, konnte seinen Idealismus nicht erschüttern. Systematisch durchgeführte Reisen durch alle deutschen Provinzen, die Steppe Mesopotamiens, die Urwälder Indiens und Brasiliens gaben ihm die Fähigkeit zur weitgespannten Zusammenschau. Sie machte ihn zum unermüdlichen Wegbereiter eines als Ganzes gedachten Naturschutzes. In diesem Bereiche genoß er internationale Geltung. So wurde er 1923/24 nach Brasilien und Argentinien gerufen und begründete dort die biologische Schädlingsbekämpfung in den Tropen. Sein umfassender Blick umschloß auch die Vogelwelt. Der erste der vielen von ihm gehaltenen öffentlichen Vorträge befaßte sich mit dem Vogelzug. Vor dem 1. Weltkrieg entstand auf seine Veranlassung für Baden eine Vogelschutzstelle im Möslerwald bei Freiburg. G. war ein vorzüglicher Kenner der|Vogelformen und Vogelstimmen. In seinem „Naturbuch vom Schwarzwald“ (1942, 21954) brachte er beachtliche faunistische Angaben über die Ornis des Gebirges. Denjenigen, die sich mit dem Vogel und seinem Leben beschäftigen und größeren Überblick und allgemeine Einordnung suchen, gab G. mannigfach fördernde Anregung.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Darwinismus, 1904, 31905;
    Der Wanderzug d. Vögel, in: Verhh. d. Dt. Zool. Ges. 1905, S. 65-84;
    Erhaltet unserer Heimat d. Vogelwelt, 1906;
    Natur u. Mensch, 1907;
    Atlas z. Abstammungs- u. Entwicklungsgesch. d. Menschen, 1909;
    Btrr. z. Avifauna Brasiliens, in: Mitt. üb. d. Vogelwelt 25, 1926, S. 66-70, 26, 1927, S. 7-10, 34-36, 47-51;
    Vom Nisten u. Gesang brasilian. Vögel, in: Btrr. z. Fortpflanzungsbiol. d. Vögel 2, 1926;
    Natur als Offenbarung, 1933, 31949.

  • Literatur

    M. Schnetter, in: Mitt. d. Bad. Landesver., NF 6, 1954, S. 154-59 (W, P);
    O. Koehler, in: Verhh. d. Dt. Zool. Ges. 1955, 1956, S. 479 f. (P);
    Naturwiss. Rdsch. 8, 1955, S. 127;
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Ludwig Gebhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Gebhardt, Ludwig, "Guenther, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 276-277 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116913177.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA