• Genealogie

    V Johannes (1754–96), Stiftsküfer u. Waisenrichter in O., S d. Stiftsküfers Johannes, aus Bissingen/|Enz, u. d. Sybilla Christiana Osiander;
    M Christina Catharina, T d. Johannes Elsäßer, Ratsverwandter in Vaihingen;
    Pleidelsheim 1815 Sophie Caroline ( 1845), T d. Christian Ludwig Friedrich Häussermann, Ochsenwirt in Pleidelsheim;
    14 K (7 früht †).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Alumneums in Esslingen und der Realschule in Stuttgart arbeitete N. in einer Stuttgarter Kanzlei. 1815 ging er als Amtsgehilfe nach Pleidelsheim, wo er im folgenden Jahr Schultheiß-Amtsverweser und 1821 Schultheiß wurde. Ausgehend von seinem eigenen Musterbetrieb, bemühte er sich mit Erfolg um die Reform der lokalen Landwirtschaft. 1823 wurde ihm bei einem landesweiten Wettbewerb „zur Beförderung der Reinlichkeit in den Straßen und Gassen durch Anlegung von Mistjauchengruben“ der 1. Preis zuerkannt. 1833 wurde N., der sich den Liberalen zurechnete, für den Kreis Marbach in den württ. Landtag gewählt. Durch seinen unerschrockenen Kampf gegen bürokratische Willkür und für die Befreiung der Landbevölkerung von ihren Lasten und Rechtsbeschränkungen gelangte er zu großer Popularität, löste aber auch – nicht zuletzt wegen seines derben Auftretens und seiner drastischen Ausdrucksweise – eine Prozeßlawine gegen sich aus; 1833 wurde er mit einem fünfwöchigen Festungsarrest belegt. Seine Forderung nach einem Agrikulturgesetz, das die Unteilbarkeit des Gutes, die Besitzwechselabgabe, die Zehnten und die Weiderechte beseitigen sollte, war nur zum Teil erfolgreich.

    1836 legte N. sein Schultheißenamt nieder und übernahm die Redaktion der., Feld- und Gartenzeitung“, zum Jahresbeginn 1837 die des „Beobachters“. Nach wenigen Wochen wurde er wegen „Mißbrauchs der Presse“ und wegen einer fehlerhaften Vermögensaufstellung angeklagt und zu einer Festungshaft von 20 Monaten auf dem Asperg verurteilt. Währenddessen erschien N.s populärstes Werk: „Der Vetter aus Schwaben, Schwabenbräuch und Schwabenstreich aus dem Leben gegriffen“ (1837, 41890), mundartliche Kalendergeschichten in Dialogform mit eingestreuten Versen; lediglich „Der Orgelmacher aus Freudenthal“ (1845, 21847) wurde ähnlich volkstümlich. Im Herbst 1837 übersiedelte N. nach Hessenthal bei Schwäbisch Hall, wo er 1842/43 den „Schwäbischen Hausfreund“ (später „Haller Tagblatt“) herausgab. 1846 zog er nach Heilbronn, gründete einen demokratischen Verein und schrieb für das „Neckardampfschiff“. Als Republikaner und Anhänger Friedrich Heckers begrüßte er die 48er-Revolution. Nach deren Scheitern emigrierte er im folgenden Jahr aus Furcht vor Verfolgung nach Straßburg und 1850 in die USA.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Coburger Sechser, 1840;
    Gedichte fürs Volk, 1841;
    Kein Zehnten u. keine Ablösung, 1849;
    Werke, hg. v. A. Holder, 1888 (P);
    J. N.s Schwäb. Feierabend, bearb. v. dems., 1890 (P).

  • Literatur

    ADB 23;
    W. Grube, Der Stuttgarter LT 1457-1957, 1957, S. 515;
    H. Gaese, in: Lb. Schwaben VII, 1960, S. 193-213 (Qu., W, L, P);
    B. Mann, Die Württemberger u. d. dt. Nat.verslg. 1848/49, 1975;
    A. Reck, in: Hohenasperg, hg. v. F. Quarthal u. K. Moersch, 1998;
    ders., in: Hie gut Württ. 49, 1998, Nr. 3.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Nefflen, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 30 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116906413.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nefflen: Johannes N., Volksschriftsteller, geb. am 5. November 1789 zu Oberstenfeld in Württemberg, 1815—1837 Schultheiß zu Pleidelsheim im württembergischen Oberamt Marbach, württembergischer Landtagsabgeordneter 1833—1836, 1858 zu Piedmont in Westvirginien.— N. ist Verfasser ganz ausgezeichneter Sittenbilder aus dem altwürttembergischen Schwaben, welche eine sehr gründliche Kenntniß des Volks und namentlich der Schattenseiten desselben verrathen. Diejenigen seiner Schriften, welche in schwäbischer Mundart verfaßt|sind, stellen ihn in die vorderste Reihe der Dialektschriftsteller Schwabens. Sein Realismus scheut weder vor den unverblümtesten Aufrichtigkeiten gegen das Volk und die Beamten, noch vor den unverhülltesten Cynismen zurück. Seine Hauptwerke sind: „Der Vetter aus Schwaben", 1837 und in vermehrter Auflage 1841 erschienen, und „Der Orgelmacher aus Freudenthal“, 1845; beides Sammlungen kürzerer und längerer Schilderungen des Volkslebens, die bedeutenderen derselben dialogisch und in der Mundart geschrieben. — Nefflen's Bildniß findet sich vor seinen „Gedichten für das Volk“ (1841).

  • Autor/in

    Hermann Fischer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Hermann, "Nefflen, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 380-381 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116906413.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA