Lebensdaten
1865 bis 1920
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Publizist
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 116879017 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grotthuß, Jeannot Emil Freiherr von
  • Grotthuß, Emil Freiherr von
  • Grotthuß, Jeannot Emil Freiherr von
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Zitierweise

Grotthuß, Emil Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116879017.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1818–87), auf Wellikan, S d. Carl, auf Wellikan, Rittmstr., u. d. Johanna v. Hahn;
    M Catharina ( 1869), T d. Kaufm. Ernst Büchel in Libau u. d. Juliana Kreisler; ledig.

  • Leben

    G. besuchte das Staatsgymnasium Riga und das Nikolausgymnasium in Libau und studierte dann in Berlin Philosophie, Geschichte und Literatur. Er verließ die Universität ohne akademischen Abschluß und ging zunächst zum „Deutschen Adelsblatt“. 1886 trat er mit Rudolf von Mosch in Verbindung und begründete die „Deutsche Post“ (Berlin), die als Blatt für Auslandsdeutsche konzipiert war. 1887 trennte er sich von Mosch, war jedoch 1890 wieder für kurze Zeit Leiter des Blattes. Bis 1898, dem Jahr, in dem G. die Zeitschrift „Der Türmer, Monatsschrift für Gemüt und Geist“ begründete (Verlag Greiner und Pfeiffer, Stuttgart), war er als freier Schriftsteller zumeist in Berlin tätig. G. Denken wurde von zwei Faktoren beherrscht: von kämpferischem Protestantismus und von (durchaus rassisch verstandenem) Nationalismus, dem Glauben, daß Deutschland „das Herz der Menschheit“ sei. Seine große Begabung war die wortmächtige Polemik. Mit seinen Kampfschriften und vor allem mit seinem eigentlichen Lebenswerk, dem „Türmer“, brachte er es zu großem Einfluß im konservativen, monarchistisch-autoritär gesinnten Bürgertum. Als Lyriker und Erzähler versuchte er den Bestrebungen des Naturalismus entgegenzuwirken. Sein Roman „Der Segen der Sünde“ (1897), der in wenigen Jahren mehrere Auflagen erlebte, gehörte – ebenso wie seine anderen poetischen Versuche – zur Trivialliteratur der sozialen Ober- und Mittelschicht. In seinem Buch „Aus deutscher Dämmerung“ (1909) reflektierte er tief pessimistisch über die – seiner Ansicht nach – areligiösen, heuchlerischen und unsozialen Normen der Vorkriegsgesellschaft.

    Den „Türmer“ machte G. zu einem der wichtigsten kulturpolitischen Organe der Wilhelminischen Zeit. Von 3000 (1899) kletterte die Auflage stetig zu einer monatlichen Stückzahl von 17 500 im Jahre 1913/14. In der Rubrik „Türmers Tagebuch“, die G. selbst schrieb, attackierte er keineswegs nur die Sozialdemokratie, sondern auch Hofadel, Geldaristokratie und Industrie, denen er „Byzantinismus“, Klassenjustiz und „politisches Eunuchentum“ vorwarf. 1918 stand G. auf seiten der alten Ordnung gegen die Republik und wurde zum erbitterten Verfechter der Dolchstoßlegende. Als G. 1920 starb, war der „Türmer“ – wie eine Würdigung mit Recht feststellte – „auf dem besten Wege dazu, einer der stärksten und gefährlichsten Gegner des Weimarer Systems“ zu werden. „Der Türmer“ bestand noch bis 1942.

  • Werke

    Weitere W u. a. Probleme u. Charaktere, 1898 (Essays);
    Gottsuchers Wanderlieder, 1898 (Gedichte);
    Die Halben, 1900 (Roman).

  • Literatur

    J. Koch, in: Der Türmer 23, 1920, S. 2-6 (P);
    H. Uhle, Im Kampf um dt. Wesen, Der Türmer, in: E. H. Lehmann, Ein dt. Verlag, Heinrich Beenken Verlag, 1938, S. 109 ff. (P);
    Kosch, Lit.-Lex.;
    DBJ II (Tl. 1920, W, L).

  • Autor/in

    Peter Glotz
  • Empfohlene Zitierweise

    Glotz, Peter, "Grotthuß, Emil Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 171 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116879017.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA