Lebensdaten
1877 bis 1966
Geburtsort
Albendorf bei Trautenau (Böhmen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116875909 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Melzer, Moritz
  • Melzer, Moriz
  • Melzer, Moritz

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Zitierweise

Melzer, Moriz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116875909.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Hamburg 1915 Emma Vorster (* 1880).

  • Leben

    M. verdiente sich seinen Lebensunterhalt zunächst mit dem Bemalen von Keramik und studierte seit 1903 an der Kunstakademie in Weimar bei Ludwig v. Hofmann. Seit 1909 beteiligte er sich an den Ausstellungen der Berliner Secession. 1910 gehörte er gemeinsam mit Max Pechstein, Georg Tappert und anderen, die von der Ausstellungsjury der|Berliner Secession zurückgewiesen wurden, zu den Gründern der expressionistisch orientierten Neuen Sezession. In diesem Jahr gründete er mit Tappert in Weimar die „Schule für freie und angewandte Kunst“. 1912 hielt sich M. in Paris auf und nahm mit Erfolg am Salon d'Automne teil. 1913 erhielt er den Villa-Romana-Preis, doch wurde sein Aufenthalt in Florenz durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs beendet. M. war Mitarbeiter der Zeitschriften „Der Sturm“, „Die Aktion“, „Die weißen Blätter“ und „Die Schöne Rarität“, die Originalgraphiken von ihm veröffentlichten. Im Dezember 1918 gründete er gemeinsam mit Pechstein, Tappert, César Klein, Otto Freundlich, Rudolf Belling und anderen die Berliner „Novembergruppe“, die sich als „Vereinigung der radikalen bildenden Künstler“ verstand; um 1922 war er ihr Vorsitzender. Seit 1921 arbeitete M. als Lehrer an der Reimann-Schule in Berlin. 1933 wurde er als „entarteter“ Künstler aus dem Schuldienst entlassen. 30 seiner Werke wurden in öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt und z. T. vernichtet. Seit den 30er Jahren lebte M. zurückgezogen bis zu seinem Tod in Berlin.

    Nach impressionistischen Anfängen entwickelte M. seit 1911/12 einen expressiven Figuralstil, der von Anfang an eine unverwechselbare persönliche Handschrift aufweist. Sein stärkstes Erlebnis war 1912 in Paris die Begegnung mit der Sammlung oriental. Miniaturen im Louvre. Während seines Italienaufenthalts hatten ihn sowohl die Malereien der ital. Frührenaissance als auch die Fresken von Hans v. Marées beeindruckt. Diese Eindrücke sind, verbunden mit der Erinnerung an die noble Jugendstilmalerei seines Lehrers Hofmann, in M.s Werken auf eigenwillige Weise zu einem neuen Ganzen verarbeitet. Die manieristisch überlängten großen Gestalten, welche die Vordergründe seiner idealen Landschaften bevölkern, lassen ebenso die Erinnerung an griech. und russ. Ikonen wie an die frühe ital. Freskenmalerei wach werden. Das „O, Mensch“-Pathos der zweiten Expressionistengeneration ist in M.s. auf Monumentalität angelegten Bildern von religiöser Inbrunst getragen. Um 1918 gehörte er zu den Begründern des Stils, der für den Synkretismus eines Teils des deutschen Expressionismus der Zeit nach dem Krieg maßgebend geworden ist. Hier wurde versucht, die Stilerfindungen des „Blauen Reiters“, des franz. Kubismus und des ital. Futurismus durch einen zur Abstraktion tendierenden Kubo-Expressionismus zur Synthese zu bringen. Vor allem durch die Arbeiten jener Stilphase ist M. bekannt geworden. In diesen Zusammenhang gehören einige seiner bedeutendsten Gemälde wie „Segnung“ (1917, Berlin, Nat.-gal.) und „Im Glanz der Sonne“ (1918, Privatbes.). Seit Mitte der 20er Jahre hat M. die Stereotypen seines expressiven Figuralstils wiederaufgegriffen und in Variationen bis zum Ende seines Schaffens beibehalten.

  • Werke

    Weitere W Gem.: Der Heilige, um 1920 (Berlin, Nat.gal.);
    „Brücke-Stadt“, 1923 (Berlin, Berlin-Mus.);
    Selbstbildnis mit Büchern, Aquarell, um 1925 (Berlin, Berlin. Gal.);
    Gewitter üb. Mittelberg, 1928, Öl auf Papier (ebd).

  • Literatur

    M. M, Wanderausst. Wolgast 1918;
    M. M., Archivarion (Archivschr. 1), 1948;
    M. M. z. 80. Geb.tag., 1957;
    M. M., Kat. d. Gedächtnisausst., Berlin 1967;
    M. M., Kat. d. Gedächtnisausst. z. 100. Geb.tag, Berlin 1977;
    Die Novembergruppe, T. 1, Die Maler, 1977;
    Berlin 1910-1933, Ausst.kat. Berlin o. J. (1979);
    Arbeitsrat f. Kunst Berlin 1918–21, 1980;
    H. Kliemann, Die Novembergruppe, 1969;
    ThB;
    Vollmer;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Eberhard Roters
  • Empfohlene Zitierweise

    Roters, Eberhard, "Melzer, Moriz" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 27-28 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116875909.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA