Lebensdaten
1896 bis 1976
Geburtsort
Wien
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116873167 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Melichar, Alois
  • Christie, A.
  • Melichar, Alain
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Zitierweise

Melichar, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116873167.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1866–1913), Kapellmeister;
    M Aloisia Hauer (1872–1957) aus Waldviertler Bauernfam.;
    B Franz Alexius (1892–1972), Kapellmeister in W.;
    Berlin 1923 Maria (* 1900), T d. Josef Krebs (1871–1961) u. d. Maria Oblak (1870–1958);
    3 S Franz (1924–74), Redakteur, Rudolf (* 1929), Burgschauspieler (s. Kosch, Theater-Lex.), Ferdinand (* 1938), Dr. iur., Rechtsanwalt in M. (s. Wi. 1989).

  • Leben

    M. studierte nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt 1917-20 an der Wiener Musikakademie bei Joseph Marx Theorie, bei Louis Thern Klavier und bei Hans Schnellar Pauke.|1920-23 war er Kompositionsschüler von Franz Schreker an der Berliner Musikhochschule, anschließend bis 1926 Kapellmeister und Gesangslehrer in Helenendorf (Aserbeidschan), wo er sich auch mit folkloristischen Studien befaßte. 1926/27 arbeitete er als Musikkritiker der Allgemeinen Deutschen Zeitung in Berlin, 1927-33 war er Dirigent und künstlerischer Produktionsberater der Deutschen Grammophongesellschaft. Seit 1933 schuf er vor allem Filmkompositionen. In Wien leitete M. 1946-49 am Radiosender Rot-Weiß-Rot das Studio für moderne Musik. Später lebte er als freischaffender Komponist zumeist in München, wobei er mit seinen Filmmusiken besonders erfolgreich war. Stilistisch war M. zunächst von Max Reger beeinflußt; sein op. 1 sind Variationen und Fuge über ein Thema von Reger (1923, Neufassung 1956). Angeregt durch Joseph Marx, nahm er impressionistische Züge in sein Schaffen auf; stark beeindruckten ihn auch die Werke von Franz Schmidt. Schließlich fand er zu einem Neoklassizismus, wobei er trotz sehr starker Ausweitung der Tonalität an dieser festhielt.

    M.s Schriften sind oft von beißender Schärfe, hart im Urteil, aber nichtsdestoweniger durch die umfassende Literaturkenntnis des Autors und seine Wortgewandtheit anregend. Besonders heftig polemisierte er gegen den „Primitivismus“ von Carl Orff und gegen die Zwölftonmethode, die er als Irrweg ansah, da sie dem Verständnis letztlich unzugänglich bleibe. Schließlich ging es M. um das kontemplative Erfassen der Kunst des Dirigierens. Diesem Gedanken war sein letztes, unvollendet geblichenes Buch „Der vollkommene Dirigent“ (1981) gewidmet. Er hielt für die wirklich großen Nachvollzieher jene Dirigenten, die auch große Komponisten waren. Als größter erschien ihm Richard Strauss, daneben achtete er Richard Wagner als großen Dirigenten, dem er in dieser Rolle eine Art Ehrenrettung zuteil werden ließ. Der zweite, ausdrücklich polemisch geplante Teil des Buches kam nicht mehr zustande; darin sollte mit den „Mode“-Dirigenten Abrechnung gehalten werden. Aus den Schriften geht hervor, daß sich M. unter Berufung auf Debussy, R. Strauss, Skrjabin, Reger und Strawinsky für Tradition und organische Entwicklung der europ. Musik in besonderem Maße verantwortlich fühlte.

  • Werke

    Weitere W Kompositionen f. Klavier: Wiener Klavierbüchlein, 1943;
    Menuett (1919) u. Fuge (1917), 1948;
    Sonatine, 1948. – Orchesterwerke: Baron Neuhaus-Suite, 1934;
    Der Dom, symphon. Dichtung, 1934;
    Wiener Impressionen, 1937;
    Nord. Rhapsodie üb. e. schwed. Volkslied, 1939;
    2. altfranz. Suite, 1935;
    Lustspielouvertüre, 1942. – Chorwerke: Ostertrilogie, 3 Gesänge f. gemischten Chor a cappella, 1929;
    2 Chöre a cappella (nach S. Dach), 1948;
    In tyrannos, Kantante, 1956. – Filmmusiken: 4 Filme mit B. Gigli;
    Michelangelo, 1940;
    Das doppelte Lottchen, 1950;
    Das Land d. Lächelns, 1952;
    Ludwig II., 1955. – Lieder: üb. 200 Lieder, u. a.: Brennender Kalender (Dauthendey), Zyklus, 1956;
    4 Lieder aus Weinhebers „Wien wörtlich“, 1939;
    4 Lieder aus Weinhebers „Kammermusik“, 1943;
    An d. Wein (J. Weinheber), 1943;
    Impressionen, 4 kleine Lieder, 1943;
    Alte salomon. Gesänge (mit Klavier od. Orgel), 1947;
    Vogelstimmen walzer, 1948;
    Romant. Lieder, 1956. – Schrr.: Musikfilm u. Filmmusik, in: Dt. Musikjb., 1937;
    Die unteilbare Musik, 1952;
    Die Überwindung d. Modernismus, 1954, 31956;
    Musik in d. Zwangsjacke, 1958, 21959;
    Schönberg u. d. Folgen, 1960.

  • Literatur

    R. F. Brauner, in: Österr. Musikzs. 3, 1948;
    P. J. Korn, Apropos Zwangsjacke, Eine Analyse d. Angriffstaktik gegen A. M., 1959;
    H. Kaufmann, A. M. u. d. Ursachen, in: Forum 9, 1962;
    Teichl;
    MGG VIII;
    Riemann;
    Kürschners Dt. Musikerkal. 1954;
    Teichl.

  • Portraits

    Bildarchiv d. Österr. Nat.bibl. Wien.

  • Autor/in

    Hans Jancik
  • Empfohlene Zitierweise

    Jancik, Hans, "Melichar, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 14 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116873167.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA