Lebensdaten
1803 bis 1876
Geburtsort
Brandenburg/Havel
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Geograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116864443 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meinicke, Karl Eduard
  • Meinicke, Carl Eduard
  • Meinicke, Karl Eduard

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Zitierweise

Meinicke, Carl Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864443.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl, Kaufm. in B.;
    M Joh. Henriette Wolfschmidt.

  • Leben

    M. besuchte die Schule in Potsdam und studierte 1822-25 Altphilologie, Geographie und Geschichte in Berlin, wo u. a. Carl Ritter sein Lehrer war. 1825 ging er als Oberlehrer an das Gymnasium in Prenzlau, 1829 promovierte er in Jena, 1833 wurde er in Prenzlau zum Konrektor ernannt. Der Versuch, an der Berliner Universität eine Professur zu erhalten, scheiterte. 1838 wurde M. von Kg. Friedrich Wilhelm III. zum Professor (ehrenhalber) ernannt. Seit 1841 war er in Prenzlau auch als Stadtverordneter tätig. 1852 wurde M. Direktor des Prenzlauer Gymnasiums, das er schon seit 1846 verwaltet hatte. Nach seiner Pensionierung 1868 zog er nach Dresden.

    Neben seiner Tätigkeit als Lehrer widmete sich M. historischen und geographischen Studien, wobei die rein historischen Arbeiten bald in den Hintergrund traten, geographische Untersuchungen jedoch nach dem Vorbild seines Lehrers Carl Ritter stark von historischer Methodik beeinflußt waren. Die Breite seiner Forschungen reicht von historischen Schriften über historisch-ethnographische bis zu Themen der physischen Geographie und geodätischen Messungen. M. verfaßte ein „Lehrbuch der Geographie“ (1839), das in der überarbeiteten Fassung (1845) den Titel „Leitfaden der Geographie“ erhielt und, der wachsenden Bedeutung der Geographie als Unterrichts- und Universitätsfach entsprechend, 1848 und 1863 zwei weitere Auflagen erfuhr. Im Anschluß an Ritters Forschungsschwerpunkte Zentralasien und Afrika wurden M.s Hauptarbeitsgebiete Australien und die Inseln des Pazifischen Ozeans, worüber er die ersten geographischen Standardwerke im modernen Sinne verfaßte: „Das Festland Australien“, 2 Bde. (1837); „Die Südseevölker und das Christentum, Eine ethnographische Untersuchung“ (1844); „Die Inseln des Stillen Ozeans“, 2 Bde. (1875 f.).

    M., der die von ihm bearbeiteten Gebiete ebensowenig bereist hatte wie Ritter Asien oder Afrika, folgte diesem in seiner Methodik. Die Literatur zu seinem Forschungsgebiet sammelte er zunächst systematisch in den Berliner Bibliotheken, obwohl diese damals, nachdem noch keine Chausseeverbindung nach Berlin bestand, nur durch einen 3-4tägigen Fußmarsch zu erreichen waren. Noch größeren Nutzen brachte ihm seine Tätigkeit als Rezensent engl. Publikationen (seit 1827) für die Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik. Weiteres Material erhielt er durch seine wissenschaftliche Korrespondenz, beispielsweise mit Carl Ritter und Wilhelm v.|Humboldt, der sich in seinen letzten Lebensjahren mit den Sprachen Neuguineas und Australiens befaßte. Die ihm zugänglichen Berichte, meist von engl. und niederländ. Reisenden und Missionaren, wertete M. systematisch nach geographischen und ethnologischen Gesichtspunkten aus.

    Grundlegendes Interesse besaßen für M. hydrographische und geomorphologische Fragen, durch die die neu erforschten Gebiete strukturiert wurden. Mit besonderer Sorgfalt verfolgte er Nachrichten über Vulkanismus und ging möglichen tektonischen Zusammenhängen nach. Seine landeskundlichen Beschreibungen bieten nach einem morphologischen Überblick mit geologischen Hinweisen eine Beschreibung des Vegetationstyps und dessen klimatischer Ursachen und schließlich einen Überblick über die Tierwelt und die Bevölkerung sowie deren Ernährungsgrundlage. Einen Zusammenhang zwischen seinen Arbeiten stellen Vergleiche her. Einen Höhepunkt seiner Anerkennung als Australienkenner stellte die Aufgabe dar, die Begleitschrift zu A. Petermanns mit unerhörtem Aufwand erstellter Australienkarte im Maßstab 1: 3 500 000 zu verfassen: „Australien nach dem Stande der geographischen Kenntnis in 1871 nach originalen und offiziellen Quellen kartographisch dargestellt von A. Petermann, nebst einem geographisch-statistischen Compendium von C. E. M.“ (Erg.-Hh. 29 u. 30 zu Petermanns Mitt., 1871).

    Abgesehen von den Werken, die in mehreren Auflagen erschienen, ist die Wirkung M.s schwer zu fassen, da geographische Autoren im Unterschied zu Historikern damals ihre Quellen nicht nannten. Eine Ausnahme ist die Erwähnung M.s im Handbuch der Geographie von Hermann Adalbert Daniel (1874). Unerwartete Verbreitung durch Plagiat fanden mehrere seiner Schriften als Übersetzungen ins Holländische.

  • Werke

    Weitere W u. a. Versuch e. Gesch. d. Vandalen, 1829;
    Versuch e. Gesch. d. europ. Colonien in Westindien, 1831;
    Höhenbeobachtungen im nördl. Theile d. Mark Brandenburg, in: Berghaus' Ann., 1839;
    Üb. d. Gebirgsbau d. Insel Java, 1844;
    Die hist. Ausbildung d. engl. Vfg., 1848;
    Hdb. d. Geogr. u. Statistik v. Afrika u. Australien, 1854, 21866 (mit T. E. Gumprecht u. D. Deutsch);
    Die Insel Pitcairn, 1858;
    Zur Hydrogr. d. stillen Oceans, in: Petermanns Mitt. 15, 1869;
    Die kleinen Inseln im Süden u. Südosten v. Neu-Seeland, ebd. 18, 1872;
    Dr. Bernstein's Reisen in d. nördl. Molukken, ebd. 19, 1873;
    Der Gebirgsbau d. Gruppe Hawaii, ebd. 20, 1874;
    J. Roggeveens Erdumseglung 1721 u. 1722, in: XI. J.ber. d. Ver. f. Erdkde. zu Dresden, 1874.

  • Literatur

    | ADB 21;
    Petermanns Mitt. 23, 1877;
    S. Rüge, C. E. M., e. biogr. Skizze, in: 15. J.ber. d. Ver. f. Erdkde. zu Dresden, 1878 (mit Briefen A. u. W. v. Humboldts an M., W-Verz.);
    S. Günther, Gesch. d. Erdkde., 1904;
    Enc. Universal Ilustrada Europeo-Americana, 1943;
    Pogg. II, III.

  • Autor/in

    Uta Lindgren
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindgren, Uta, "Meinicke, Carl Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 673 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864443.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meinicke: Karl Eduard M., Geograph, wurde am 31. August 1803 in Brandenburg a. H. geboren, besuchte das Gymnasium zu Potsdam und darauf die Universität Berlin, wurde 1825 als Collaborator am Gymnasium zu Prenzlau angestellt, an welchem er 1838 zum Professor ernannt ward, und welches er dann seil 1846 in provisorischer Eigenschaft, seit 1852 definitiv als Director leitete. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Dresden, wo er einer der eifrigsten Förderer des Vereins für Erdkunde ward. Hier starb er am 25. August 1876. M. gehört zu den frühesten Schillern Karl Ritters und gleichzeitig zu den emsigsten und verständnißvollsten. Er ist der einzige aus dieser Schülerzahl, der die Natur- und Geschichtsseite der Erde sowie die Geschichte ihrer geographischen Erforschung gleichmäßig beherrschte und welcher aus solcher Vielseitigkeit heraus für den fünften Erdtheil Aehnliches geleistet hat, wie Ritter für Afrika und Asien. Ebenso wenig wie bei Ritter beeinträchtigte bei ihm die Weite und Vielartigkeit des Stoffes die Eigenthümlichkeit der Auffassung und die Gründlichkeit der Behandlung. Gleich Ritter hat er ein Lebenswerk in „Die Inseln des Stillen Oceans“ (1876) hinterlassen, welches noch lange, wenn sein Inhalt überholt sein wird, als vollständige, methodische Fixirung eines bestimmten Zustandes geschätzt werden dürfte. Der Grundgedanke in Meinicke's wissenschaftlicher Thätigkeit war die Behandlung der Völkerkunde nach denselben wissenschaftlichen Grundsätzen, welche die Ritter'sche Erdkunde gleichzeitig zu so hohen Leistungen geführt hatten. Er schrieb 1844: „Ich bin bei meinen Studien über die Inseln der Südsee und die sie bewohnenden Völkerstämme darauf gekommen, einen Versuch zu machen, wie meiner Ansicht nach die Ethnographie wissenschaftlich zu behandeln ist.“ Doch findet sich die gleiche Anregung und Idee schon im Grundbau der Erstlingsarbeit: „Beiträge zur Ethnographie Asiens,“ welche 1837 als Beilage zum Programm des Prenzlauer Gymnasiums erschien. Diese Arbeit|schließt sich unmittelbar an Ritters Asien an. So wie dieses durch die Beschreibung der Länder auf Grund des vollständigst kritisch gesichteten Materials die Geographie zum ersten Mal mit einem Strabos würdigen Grundwerk beschenkte, so strebt auch M. hier die Völkerkunde Asiens, des „Continentes voller Völkerruinen“, wie er Asien nennt, durch die gelehrte Doppelarbeit einer ausgedehnten Materialsammlung und einer eindringenden Kritik zu fördern. Und es ist bezeichnend, daß er sich gerade demjenigen Problem zuwandte, welches durch Reinhold Forsters geistvolle Theorie einer malayischen Invasion der ursprünglich von negroiden Völkern bewohnten Inseln des Indischen und Stillen Oceans für gelöst galt, ohne es doch zu sein. Er sah hier „eines der in der geographischen Wissenschaft gerade nicht seltenen Beispiele, wie die Hypothesen eines geistreichen Forschers einzig und allein durch das urtheilslose Nachbeten Anderer die Rechte der Thatsachen usurpiren“. Er versuchte demnach einmal, die Frage zu beantworten, ob diese beiden Völkerstämme denn wirklich auch auf jenen Inseln bestehen und ferner, ob das von Forster angenommene geschichtliche Verhältniß zwischen ihnen das wirklich vorhandene sei. Am Schluß aber begnügt er sich, den Weg anzugeben, auf welchem allein dieses ethnographische Problem gelöst werden könne, und bezeichnet als solchen die ethnographische Analyse, die auszuscheiden hat, was malayisch, was indisch, was negroid. Und auf diesem Wege ist M. dann in allen seinen späteren Schriften vorgeschritten und keiner seiner Nachfolger hat ihn an Gelehrsamkeit oder Scharfsinn übertroffen, manche aber sind, zumal seine Schriften nicht nach Verdienst bekannt winden, weit hinter ihm zurückgeblieben. Dem Grundsatze folgend, den er in seinem letzten großen Werke: „Die Inseln des Stillen Oceans“ (2 Bände, 1875—1876), aussprach, daß die weitere Entwickelung der geographischen Wissenschaft nur durch Monographien erfolgen könne, hat er eine Reihe von größeren und kleineren Arbeiten über Länder und Inseln im Osten und Süden von Asien geschaffen, unter denen wir, als die verschiedenen Seiten seiner Thätigkeit am besten bezeichnend, hier noch nennen: „Das Festland Australien“ (1837); „Die Südseevölker und das Christenthum“ (1844); „Geschichte der Entdeckung Australiens vor Cook“ (1861); „Urgeschichte der Polynesier“ (1870). M. hat in Wappäus' Handbuch der Geographie Australien bearbeitet (1854 und 1866). Ueber sein „Lehrbuch der Geographie“ (1837) siehe Spörers Urtheil in den Geogr. Mittheil. 1877, wo auch Meinicke's Nekrolog.

    • Literatur

      Vgl. ferner Sophus Ruge im XV. Jahresber. des Vereins f. Erdkunde zu Dresden; wissenschaftl. Theil. Dresden 1878. S. 56—85 (mit Bildniß M.'s und Briefen W. v. Humboldt's an M. aus d. J. 1832—1835).

  • Autor/in

    Friedrich Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Meinicke, Carl Eduard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 237-238 unter Meinicke, Karl Eduard [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116864443.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA