Lebensdaten
1892 bis 1959
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116859083 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • May, Kurt

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Zitierweise

May, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116859083.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1862–1937), Oberstleutnant, S d. Alois, Bergbohrmeister aus Oberschlesien;
    M Maria Theresia (1870–1955), T d. Ludwig Heinrich Hagenbucher, Seidenindustrieller in H., u. d. Amalie Nellböck aus Salzburg;
    Oda Carola Steuber (* 1914), Dr. phil., Germanistin.

  • Leben

    M. besuchte 1901-10 das Prot. Gymnasium in Straßburg, studierte 1910 in Straßburg und seit 1911 in München Germanistik, Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte. Die dort bei Rudolf Unger begonnene Dissertation über Klopstocks Ästhetik kam jedoch wegen M.s Teilnahme am 1. Weltkrieg nicht zustande. Nach dem Krieg folgte M. 1919 Unger nach Halle, ein Jahr darauf ging er zu Julius Petersen nach Berlin und wurde von ihm und Gustav Roethe mit einer Arbeit über „Lessings und Herders kunsttheoretische Gedanken in ihrem Zusammenhang“ (1923, Nachdr. 1967) promoviert. Die Frage nach der Wirkung von Lessings „Kunstbegriffen“ auf Herder war geistesgeschichtlich, M.s Antwort führte aber, da er sich ausgiebig mit der Poetik der Gattungen, namentlich des Dramas, befaßte, nahe an das Kunstwerk heran. Seit 1921 verfaßte M. im „Jahresbericht über die wissenschaftlichen Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren deutschen Literatur“ die Abschnitte „Neuere Literaturgeschichte“ (bis 1927) und „Vorklassische Zeit und Lessing“ (bis 1929). 1925 habilitierte er sich bei Franz Saran in Erlangen über „Das Weltbild in Gellerts Dichtung“ (1928). Den Gedankengehalt des einzelnen Werkes herauszuarbeiten, war Sarans Programm, dem sich M. hier anschloß. Sarans „Zurück zum Literaturwerk selbst“ beeindruckte ihn besonders, zumal er damals mit einem Maler aus dem Bauhaus-Kreis eng befreundet war. In den folgenden Jahren widmete sich M. immer mehr der „Sprachkunstanalyse“, die als Vorbotin der werkimmanenten Interpretation anzusehen ist. Er konzentrierte sich dabei auf die großen Dramen von Goethe, Schiller, Hebbel und Kleist.

    1925-33 war M. Privatdozent, seit 1928 in Göttingen, wo Unger seit 1925 wirkte. Seine finanziellen Verhältnisse waren bedrückend; der zurückhaltende und wenig ehrgeizige M. faßte schwer Fuß. 1933 wurde er ao., 1939 apl. Professor (bis 1951). 1936 erschien „Faust II. Teil, In der Sprachform gedeutet“ (21962), M.s Hauptwerk. Es war ein herausforderndes Buch: Ohne Einleitung und Szene für Szene werden Metrik und Sprache des Dramas beschrieben und in ihrer Bedeutung für die Figuren und deren Beziehungen gelesen (ohne jede Affinität zum nationalsozialistischen Jargon). M. ordnet der Form Bedeutung zu; er spricht von Formsymbolik und damit von einer festeren Verbindung zwischen beiden. Im wesentlichen beruft er sich aber auf die Wirkung, welche die Formelemente auf ihn selbst haben, ohne dies hermeneutisch zu reflektieren. Das Konzept einer Integration von Form und Bedeutung veranlaßt ihn aber auch dazu, den Gehalt nur als geformten wahrzunehmen. 1948 konzentrierte sich M. auf diesen Aspekt und wandte damit das Gewonnene auf Vorstellungen an, mit denen er begonnen hatte. In seinem Buch „Friedrich Schiller, Idee und Wirklichkeit im Drama“ (1948) wollte M., in der Nachfolge von Gerhard Fricke („Der religiöse Sinn der Klassik Schillers“, 1927), das Weltbild des Dichters bestimmen und ergänzte Fricke – unter Berufung auf seine (genauere) Werkauslegung. Schiller als einem „ethischen Tragiker“ fügt M. den Zug des machtgeleiteten „radikalen Tragikers“ jenseits von Gut und Böse hinzu, der sich im „Wallenstein“ letztlich aber nicht durchgesetzt habe. M. sucht dies an der Sprache des Helden nachzuweisen: Weil sie am Ende der Trilogie nicht grundsätzlich anders sei als zu Beginn, habe Schiller die Idee der Freiheit nicht aufgegeben.

    Von 1951 bis zu seinem Tod war M. Ordinarius in Frankfurt am Main. 1957 sammelte er seine Aufsätze, die jedes Werk „als eine kleine Welt von eigener Gesetzlichkeit“ deuten, u. a. über „Canut“, „Penthesilea“, „Maria Magdalene“, „Woyzeck“: Werke, in denen er die Liebe als überwindende Kraft darstellen kann. M. pflegte engen Kontakt mit seinen Schülern, besonders mit Herbert Heckmann, Volker Klotz, Norbert Miller, Karl Markus Michel; mit Walter Höllerer begründete er 1958 die Schriftenreihe „Literatur als Kunst“.

  • Werke

    Weitere W Form u. Bedeutung, Interpretationen dt. Dichtung d. 18. u. 19. Jh., 1957, 21963. – Hrsg.: Dt. Prosa im 18. Jh., Ausgew. Texte z. Gesch. d. dt. Stils v. Barock bis z. Klassik, 1937.

  • Literatur

    W. Emrich, in: Mirt. d. Dt. Germanisten-Verbandes 6, 1959, S. 2;
    W. Höllerer, Nachwort zu K. M., Zu Fragen d. Interpretation, in: Dt. Vj.schr. 33, 1959, S. 630-47;
    Kosch, Lit,-Lex.3.

  • Autor/in

    Christoph König
  • Empfohlene Zitierweise

    König, Christoph, "May, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 522-523 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116859083.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA