Lebensdaten
1834 bis 1882
Sterbeort
Oberndorf/Neckar
Beruf/Funktion
Waffenfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116858125 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mauser, Wilhelm

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Zitierweise

Mauser, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116858125.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas (1792–1861). Schuhmacher in Sontheim b. Heilbronn, seit 1818 Büchsenmacher in d. württ. Gewehrfabrik in O., S d. Weingärtners Joh. Michael (1750–95) in Sontheim u. d. Maria Magdalena Schick;
    M Maria Agathe (1796–1870). T d. Weißgerbermeisters Mathias Heim in O. u. d. Theresia Ade;
    B Joseph (1815–85), Heinrich (1825–74), beide Büchsenmacher in O., Franz (1827–1902), Büchsenmacher b. d. Firma Remington in USA, Paul (s. 2);
    Oberndorf 1862 Josephine (1842–96). T d. Verwaltungssekr. Friedrich Bozenhard in Spaichingen u. d. Theresia Fröhlich;
    4 S, 4 T, u. a. Alfons (1872–1927), Dr.-Ing. E. h., Industrieller in Köln;
    N Paul (1860–1933). techn. Dir. u. Vorstand d. Mauser-Werke in O. (s. Wenzel);
    E Karl Wilhelm (1898–1974), Dr. iur., Industrieller in Köln, Alfons (* 1904), Industrieller.

  • Leben

    M., der als drittjüngstes von 13 Geschwistern aufwuchs, wurde nach dem Schulabschluß 1848 mit 14 Jahren Arbeiter in der Kgl. Gewehrfabrik zu Oberndorf, wo ihn sein Vater anleitete. Nach Feierabend konstruierte und baute er zusammen mit seinem ebenfalls in die Fabrik eingetretenen jüngeren Bruder Paul einen Hinterlade-Geschützverschluß, der vom württ. Kriegsministerium 1860 gegen eine Aufwandsentschädigung in die Modellsammlung des Arsenals aufgenommen wurde. Es folgten Entwicklungsarbeiten an Hinterlade-Verschlüssen, die in Württemberg nach 1866 wegen der Militärkonvention mit Preußen nicht angenommen werden|konnten. Ein dem österr. Artillerie-Komitee übersandtes Mustergewehr machte Samuel Norris, einen Repräsentanten des amerikan. Waffenherstellers Remington, auf M. und seinen Bruder aufmerksam. Er schloß mit den beiden im September 1867 einen Vertrag und bewog sie, nach Lüttich zu übersiedeln. Während des zweijährigen dortigen Aufenthalts erweiterten M. und sein Bruder u. a. bei Arbeiten an Remington-Gewehren ihre Kenntnisse. Nach der Rückkehr nach Oberndorf im Frühjahr 1870 setzten sie ihre Entwicklungsarbeiten fort – diesmal für die preuß. Militärbehörden, zu denen sie schon von Lüttich aus Kontakte geknüpft hatten. Während Paul in einer kleinen Werkstätte in Oberndorf die konstruktiven Entwürfe beider Brüder realisierte, vertrat M. bei der Militärschießschule in Spandau zwei Jahre lang ihre Interessen. Die tatkräftige Mithilfe bei den preuß. Versuchen und die Bereitschaft zur Perfektionierung führten schließlich 1871 zur Einführung des dem bisher verwendeten Zündnadelgewehr überlegenen Mauser-Gewehrs, das sich durch hohe Feuergeschwindigkeit, Tragweite und Treffsicherheit auszeichnete, als Infanteriegewehr für die preuß. Armee und bald darauf als reichseinheitliches Militärgewehr „Modell 71“.

    Als die Entschädigung für ihre Mühe unerwartet dürftig ausfiel, entschlossen sich die Brüder, mit Bankkrediten ein eigenes Unternehmen zu beginnen. Gepachtete Räume wurden bald zu klein; 1872 entstand auf der „Bitze“ über dem Neckartal der erste eigene Fabrikbau. Am 23.12.1872 wurde die Firma „Gebr. Wilhelm und Paul Mauser“ ins Handelsregister eingetragen. Als 1874 die Kgl. Gewehrfabrik vom württ. Staat zum Kauf angeboten wurde, waren M. und sein Bruder die einzigen Bieter. Sie bekamen für ihr Gebot von 200 000 Gulden den Zuschlag, und bald darauf erhielt die im Februar 1874 mit Hilfe der Württ. Vereinsbank gegründete Kommanditgesellschaft „Gebr. Mauser & Cie.“ den ersten Lieferauftrag über 100 000 Gewehre für die württ. Armee. Um weitere Aufträge hereinzuholen und eine gleichmäßigere Auslastung des Unternehmens zu gewährleisten, unternahm M. ausgedehnte Geschäftsreisen, u. a. nach Rußland und Skandinavien. Erfolg hatte er erst in Serbien, wo nach anderthalbjährigen Verhandlungen im Februar 1881 ein Lieferauftrag über 120 000 Gewehre zustande kam. M.s Gesundheit verfiel nach der Rückkehr aus Belgrad rasch. Nach seinem Tode lag die Weiterführung des Unternehmens in den Händen seines Bruders Paul.

    M. verkörperte den Typus des talentierten Technikers mit kaufmännischem Geschick. Durch zähe, beharrliche Arbeit gelang ihm der Aufbau eines eigenen Unternehmens, in das er seine technischen Fähigkeiten und seine Erfindungsgabe einbrachte, zu dessen Finanzierung er aber auf Kapitalgeber angewiesen blieb.

  • Literatur

    ADB 20;
    Der Waffenschmied 2, 1882/83. Nr. 5, S. 20-22 (P);
    A. Mauser (S), W. M. u. d. Gewehr Modell 71, 1913;
    M. Ebell, W. M., e. dt. Erfinder, 1921 (P).

  • Autor/in

    Wolfgang Seel
  • Empfohlene Zitierweise

    Seel, Wolfgang, "Mauser, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 447 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116858125.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mauser: Wilhelm M., Gewehrfabrikant, geb. den 2. Mai 1834 zu Oberndorf am Neckar, daselbst am 13. Janr. 1882, war der Sohn eines Arbeiters an der k. württembergischen Gewehrfabrik in seiner Vaterstadt. Er erlernte, wie noch ein jüngerer Bruder von ihm, Paul M., in dieser Fabrik die Büchsenmacherei. Beide blieben auch als Arbeiter in derselben. Versuche zur Herstellung von Hinterladungsgewehren, welche dort gemacht wurden, weckten den Erfindungsgeist der jungen Männer. Schon vom J. 1863 an gingen sie auf Verbesserung des Zündnadelgewehres aus und brachten bis zum Frühjahr 1866 ein Modell zu Stande, welches als eine wesentliche und in mancher Hinsicht eigenartige Vervollkommnung des Infanteriegewehres gelten konnte. Sie suchten ihre Erfindung zunächst in Württemberg zur Verwerthung zu bringen, als aber dort nach dem Kriege von 1866 das preußische Zündnadelgewehr (vgl. Bd. V, S. 109) eingeführt wurde, boten sie dieselbe der österreichischen Regierung an; allein auch in Wien hatte man sich schon für ein anderes System entschieden. Die beiden Brüder gingen nun nach Lüttich, bekanntlich einem Hauptplatze der Waffenfabrikation. Dort fanden sie zwar vom Anfang des|Jahres 1867 bis Mitte 1869 Beschäftigung, aber keine Abnehmer für ihre eigenen Erfindungen und gingen deßhalb wieder nach Oberndorf zurück. Als aber der von ihnen nach seiner waffentechnischen Seite mit großer Spannung verfolgte Krieg von 1870/71 das lebhafte Bedürfniß nach einem besseren Gewehr für die deutsche Armee hervorrief, da das französische Chassepot-Gewehr sich dem Dreyse'schen Zündnadelgewehr entschieden überlegen gezeigt hatte, war endlich ihr Tag gekommen. Nachdem sie schon vorher mit der preußischen Militärschießschule in Spandau wegen Umänderung des Zündnadelgewehres für Metallpatronen in Verbindung gekommen waren, wurde Wilhelm M. im Nov. 1871 von dem Kriegsminister, Graf von Roon, nach Berlin berufen, um Schießversuchen beizuwohnen, welche damals zum Zwecke der Wahl eines neuen deutschen Infanteriegewehres in Spandau angestellt wurden. Das hiebei von ihm vorgelegte Modell wurde allen anderen vorgezogen und nach einigen kleineren Abänderungen als „Infanteriegewehr M/71“ im deutschen Reichsheere außer Baiern (im J. 1877 auch dort) eingeführt und erhielt im Volksmunde den Namen „Mausergewehr“. Wilhelm M., welcher als der ältere und geschäftsgewandtere die Sache der Brüder nach außen hin vertrat, obwohl ihm Paul an erfinderischem Trieb und Geschick mindestens gleichkam, wurde vom Kaiser Wilhelm durch einen preußischen und von seinem Landesherrn durch einen württembergischen Orden ausgezeichnet. Eine von Preußen gewährte Dotation bot den Brüdern auch die Möglichkeit, an der Ausnützung ihrer Erfindung im Großen sich selbst zu betheiligen. Die königl. Gewehrfabrik zu Oberndorf ging im Jahr 1874 durch Kauf in ihre Hände über und wurde, da es ihnen auch sonst an finanziellem Beistand nicht fehlte, unter der Firma „Gebr. Mauser und Co.“ mit bedeutenden Erweiterungen von ihnen fortgeführt. Zu der Bestellung von 100 000 Gewehren für Württemberg, welche dem neuen Geschäft beim Kaufvertrag sozusagen in die Wiege gelegt wurde, kamen größere Aufträge auf Waffenbestandtheile des Reichsgewehres aus Preußen und Baiern und (1881) eine Lieferung von 120 000 Gewehren für Serbien. Unermüdlich in ihrem Erfindungsdrange erfanden die Brüder noch eine der deutschen Reiterei zugedachte Hinterlader-Pistole, einen Revolver und ein Repetir-Gewehr. Auf der württembergischen Landesgewerbe-Ausstellung zu Stuttgart im Sommer 1881 stellten sie die Erzeugnisse ihrer Fabrik in geschmackvoller Anordnung auf und erhielten die goldene Medaille, wie sie mit denselben schon im Jahre 1879 in Sidney und 1880 in Melbourne erste Preise errungen hatten. Wilhelm M. aber, welcher schon länger an einem inneren Leiden erkrankt war, sollte diese Freude nicht lange überleben. Als er im Anfange des Jahres 1882 zu Oberndorf starb, folgten sechshundert Arbeiter dem Sarge ihres um die Wehrhaftigkeit seines Vaterlandes hochverdienten Fabrikherrn.

    • Literatur

      Vgl. den Nekrolog in der Beil. zur (Augsb.) Allgemeinen Zeitung, Jahrg. 1882, Nr. 35, S. 513 ff. und den Art. „Mausergewehr“ in Poten, Handwörterbuch d. ges. Militärwissensch. Bd. 5, S. 355 ff.

  • Autor/in

    A. Wintterlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wintterlin, August, "Mauser, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116858125.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA