Lebensdaten
1762 bis 1823
Geburtsort
Danzig
Sterbeort
Kijowiec (Gouvernement Minsk)
Beruf/Funktion
Altphilologe
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116856696 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Groddeck, Gottfried Ernst
  • Groddeck, Ernst Gottfried
  • Groddeck, Gottfried Ernst
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Zitierweise

Groddeck, Ernst Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116856696.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Benjamin (1720–76), Prof. d. Philol. am ak. Gymnasium in D., Orientalist, S d. Karl (1678–1748), Ratsherr u. Richter d. Rechtstadt D. (S d. Albrecht, s. 1), u. d. Sus. Regina Martens;
    M Beate Konstantia, T d. Balthasar Ehlert, Kaufm. u. Ratsherr in D.;
    Pulawy 1789 Joanna d'Edling ( 1814);
    2 T (weitere K jung †).

  • Leben

    Der Beruf des Vaters und die alte Gelehrtentradition der Familie sowie die gründliche Ausbildung in alten Sprachen, die G. 1777-82 im akademischen Gymnasium (Athenaeum) seiner Heimatstadt unter M. C. B. Cosack (Dichtung und Beredsamkeit) und J. G. Trendelenburg (alte Sprachen) erhielt, blieben sicher nicht ohne Einfluß auf seinen späteren Werdegang. Nachdem er sich 1782 als Absolvent des Gymnasiums durch eine glänzende öffentliche Verteidigung seiner Abhandlung „Commentatio in primum idyllium Theocriti“ (Danzig 1782) ausgezeichnet hatte, begab er sich noch im gleichen Jahr nach Göttingen, um dort unter Heyne klassische Philologie zu studieren. Schon 1784 in das Philologische Seminar aufgenommen, gewann G. bald mit der Abhandlung „De morte voluntaria“ (Göttingen 1785) den 1. Preis der Theologischen Fakultät und promovierte 1786 mit der Dissertation „De hymnorum homericorum reliquiis commentatio“ (Göttingen 1786). Gleich nach dem Abschluß des Studiums übernahm er (man hört hierbei von einer Vermittlung Herders) die Stellung eines Lehrers und Erziehers, zuerst am Hofe des polnischen Fürsten Adam Kasimir Czartoryski in Pulawy (1786–93), dann im Hause der Fürsten Lubomirski in Lancut (1793–96); anschließend kehrte er nach Pulawy zurück, um hier die reichhaltige Bibliothek Czartoryskis zu ordnen und auszubauen. 1804 erfolgte seine Berufung auf den Lehrstuhl der griechischen Literatur und Sprache an der ein Jahr zuvor reorganisierten Universität in Wilna; zugleich kam dazu noch das Amt des Präfekten der Universitätsbibliothek, seit 1807 der Lehrstuhl der römischen Literatur und Sprache, 1817 auch die Leitung der dortigen numismatischen Sammlung. – Das wissenschaftliche Interesse G.s war vielseitig und galt unter anderem dem griechischen Epos (Über die Argonautika des Apollonius Rhodius, I, in: Bibliothek der alten Literatur und Kunst, II 1787, S. 61-113; Über das Lokal der Unterwelt bei Homer, ebda., VIII 1791, S. 15-33 und so weiter), ferner dem griechischen Drama, der antiken Religion und Mythologie, den griechischen Altertümern, nicht zuletzt auch der Methodologie der Altertumswissenschaft (vergleiche seine Briefe über das Studium der alten Literatur, in: Antiquarische Versuche, Lemberg 1800, S. 1-82). Großen Ruhm erlangte sein Handbuch der griechischen Literaturgeschichte, das er 1811 in Wilna unter dem Titel „Historiae Graecorum litterariae elementa“ veröffentlichte und später zu einem zweibändigen Werk erweiterte (Initia historiae Graecorum litterariae, Wilna, I 1821, II 1823). Durch Verpflanzung neuzeitlicher philologischer Forschungsmethoden gilt G. in der Geschichte der klassischen Philologie in Polen als ihr eigentlicher Begründer. – Besondere Erwähnung verdient G.s kritische und publizistische Tätigkeit an verschiedenen Zeitschriften: seit seiner Studienzeit Mitarbeiter der „Bibliothek der alten Literatur und Kunst“ (Göttingen), seit 1792 der für das gesamte polnische Schrifttum verantwortliche Rezensent bei der Allgemeinen Literaturzeitung in Halle, seit 1805 Mitglied des Redaktionsausschusses des „Dziennik Wileński (Wilnaer Journal)“, den er durch Veröffentlichungen und Reorganisation neu belebte. Der kühne Versuch, in Wilna eine eigene Literaturzeitung (Gazeta Literacka Wileńska) nach dem Muster der deutschen Literaturzeitungen zu halten, mußte am Mangel finanzieller Mittel nach einem Jahr (1806) scheitern. – Die eigentliche Bedeutung G.s liegt jedoch in dem großen Einfluß, den er auf seine polnischen Schüler und indirekt auf das ganze geistige Leben Polens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausübte. Aus seiner Schule gingen ausgezeichnete Gelehrte (zum Beispiel der namhafte polnische Historiker Joachim Lelowel) und Schulmänner hervor, die in seinem Sinne die klassischen Sprachen lehrten und den Weg für eine neue Auffassung der Literatur und Kunst bahnten. In der Geschichte der polnischen Literatur nimmt G. eine bedeutende Stellung besonders dadurch ein, daß die Geburt der polnischen Romantik in Wilna gerade in die Zeit seiner dortigen Lehrtätigkeit fällt und daß die ersten polnischen Romantiker, darunter der bedeutendste polnische Dichter Adam Mickiewicz, zu seinen Schülern zählten. G.s Kampf gegen den sich in Warschau noch stark behauptenden Pseudoklassizismus französischer Prägung einerseits, andrerseits seine Propagierung der neuen, natürlicheren Auffassung der antiken Welt, die im Westen der Neuhellenismus mit sich brachte, haben bei der damaligen Erneuerung der polnischen Literatur ohne Zweifel eine gewichtige Rolle gespielt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Vergleichung d. alten, bes. griech. mit d. dt. u. neueren schönen Lit., Berlin 1788;
    Descriptio codicis insignis Varsoviensis Senecae tragoedias continentis usw., in: Bibl. d. alten Lit. u. Kunst X, Göttingen 1794, S. 9-12;
    Auslegung neuer Ansichten üb. d. Homer zugeschriebenen Dichtungen, in: Dziennik Wileński 1, 1805, S. 66-82, 2, S. 35-48 (poln.);
    mehrere Textausgg. d. griech. u. lat. Klassiker (Sophokles, Cicero usw.).

  • Literatur

    ADB IX;
    Z. Węclewski, Wiadomość o życiu i pismach G. E. G. (Nachr. üb. d. Leben u. Schrr. G. E. G.s), Krakau 1876, = Abhh. d. Poln. Ak. d. Wiss., Philol. Kl. IV;
    A. Szantyr, Dzialałność naukowa G. E. G. (Wiss. Tätigkeit G. E. G.s), in: Z dziejów filologji klasycznej w Wilnie (Aus d. Gesch. d. klass. Philol. in Wilna), Wilna 1937, S. 33-356;
    ders., Vollst. Verz. d. veröff. u. unveröff. Schrr. G.s, ebd., S. 429-34;
    ders., Verz. d. Briefwechsels G.s, ebd., S. 436-39;
    M. Ambros, Vollst. L-Verz., ebd., S. 439-48;
    S. Młodecki, G. E. G., Biograph. Studium usw., in: Alm. d. Bibl. in Kórnik 6, 1958, S. 301-50 (P);
    K. Mężyński, Adam Mickiewicz i G. E. G. (A. M. u. G. E. G.), in: Zeszyty Naukowe Wydziału Humanist. Wyższej Szkoły Pedagogicznej w Gdańsku (Wiss. Hh. d. Humanist. Fak. d. Päd. Hochschule in Danzig) V, 1963.

  • Portraits

    Kupf. v. M. Podoliński, 1821, Abb. b. S. Młodecki, b. S. 304, s. L.

  • Literatur

    L zur Gesamtfam.: K. A. v. Groddeck, in: Danziger fam.geschichtl. Btrr., 1929, S. 47-52, 122;
    Altpreuß. Biogr.

  • Autor/in

    Anton Szantyr
  • Empfohlene Zitierweise

    Szantyr, Anton, "Groddeck, Ernst Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 103 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116856696.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Groddeck: Gottfried Ernst G., Philolog, geb. im J. 1762 in Danzig als Sohn des Orientalisten Benjamin G., besuchte das dortige Gymnasium und studirte dann in Göttingen, wo er dem von Heyne geleiteten philologischen Seminar als Mitglied angehörte. Hier löste er im J. 1785 eine von der theologischen Facultät der Universität gestellte Preisfrage über die Berechtigung des Selbstmordes durch eine Abhandlung, welche unter dem Titel: „Commentatio de morte voluntaria“ gedruckt wurde; 1786 veröffentlichte er ebendaselbst, bereits als Magister Artium, eine Untersuchung über Ursprung und Wesen der homerischen Hymnen nebst kritischen Bemerkungen zu einzelnen Stellen derselben ("Commentatio de hymnorum Homericorum reliquiis"); aus derselben Zeit stammt eine im zweiten Stück der „Bibliothek der alten Litteratur und Kunst“ (Göttingen 1787) gedruckte Abhandlung über die Argonautica des Apollonius von Rhodos, welche sich mit den vom Dichter bei Abfassung dieses Gedichtes benutzten Quellen beschäftigt. 1787 wurde er von dem Fürsten Adam Kasimir Czartoryski als Lehrer der griechischen und römischen Litteratur für seinen jüngsten Sohn, den Prinzen Constantin, berufen und übernahm hier auch die|Leitung und Ordnung der reichhaltigen Bibliothek des Fürsten, eine Stellung, die er mit Unterbrechung einiger Jahre, welche er im Dienste des Fürsten Lubomirski zubrachte, bis zum J. 1804 einnahm, wo er zum Professor der griechischen und römischen Litteratur an der Universität Wilna ernannt wurde. Er war während dieser Zeit auch schriftstellerisch nicht unthätig gewesen: außer ein Paar weiteren Aufsätzen in der „Bibliothek der alten Litteratur und Kunst“ ("Ueber das Local der Unterwelt beim Homer“ in Stück 8, 1791, und „Descriptio codicis insignis Varsoviensis Senecae tragoedias continentis cum lect. varietate ex Herc. furente“ in Stück 10, 1794) hatte er eine selbständige Schrift „Ueber die Vergleichung der alten, besonders griechischen mit der deutschen und neueren schönen Litteratur“, Berlin 1788 und zwei weitere, uns nicht zugängliche Schriften ("Antiquarische Versuche“, erste Sammlung, Lemberg 1800, und „Ueber das Studium der Philologie“, ebendas. 1801) veröffentlicht. Seine Lehrthätigkeit in Wilna war eine äußerst erfolgreiche: die Studirenden hingen mit Begeisterung an dem geliebten Lehrer, der ebenso durch seine umfassende Gelehrsamkeit und seine tiefe sittliche Auffassung des classischen Alterthums, als durch seinen warmen Patriotismus und seine ganze liebenswürdige Persönlichkeit einen mächtigen Einfluß ausübte. Auch seine schriftstellerische Thätigkeit war seit seiner Berufung nach Wilna, abgesehen davon, daß er im Verein mit Kasimir Kontrym die Wilnaer polnische Litteraturzeitung redigirte, fast ausschließlich den Zwecken des akademischen Unterrichts gewidmet: zum Gebrauche bei den Vorlesungen veröffentlichte er Ausgaben der Trachinierinnen und des Philoktetes des Sophocles, des Orator, Laelius und Brutus des Cicero, einen Leitfaden für die römischen Alterthümer ("Antiquitatum romanarum doctrina in usum lectionum academicarum adumbrata“, Wilna 1811) und einen Grundriß der griechischen Litteraturgeschichte ("Historiae Graecorum litterariae elementa“, Wilna 1811): das letztere Werk, das in erweiterter Bearbeitung unter dem Titel „Initia historiae Graecorum litterariae“ (2 Bde., Wilna 1821 und 1823) erschienen ist, hat wegen der Uebersichtlichkeit der Darstellung und der treffenden Beurtheilung auch in weiteren Kreisen verdienten Beifall gefunden. Von den Programmen, die G. im Namen der Universität verfaßte, behandeln mehrere in scharfsinniger Weise Fragen aus dem Gebiet der scenischen Alterthümer der Griechen. G. starb am 13. August 1824 in Kiiowek im Gouvernement Minsk (Litthauen).

    • Literatur

      Vgl. A. Werner in der Allg. Encykl. d. W. u. K., S. I. Bd. 92, S. 30 f. und L. Chodzko in der Nouvelle biographie génerale, dir. par Hoefer, T. 22, p. 133.

  • Autor/in

    Bursian.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bursian, Conrad, "Groddeck, Ernst Gottfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 707-708 unter Groddeck, Gottfried Ernst [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116856696.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA