Lebensdaten
1891 bis 1963
Geburtsort
Karansebesch (Banat)
Sterbeort
Hanover (New Hampshire, USA)
Beruf/Funktion
Kulturhistoriker ; Publizist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116845740 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fülöp-Miller, René (Pseudonym)
  • Miller, R. (Pseudonym)
  • Müller, Philipp
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Zitierweise

Müller, Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116845740.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp, Apotheker in K.;
    M Maria Brankovits;
    B Edgar (1899–1977), Apotheker, Heimatforscher (s. L);
    Vt Lothar Unterweger (1880–1949), Rektor d. Priesterseminars in Temeswar, Diözesanschulinsp. u. Dompropst ebenda (s. L);
    1) 1916 (⚮) Hedy Bendiner, Sängerin an d. Budapester Volksoper, 2) n. 1930 Eva Renon;
    1 T.

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium in seiner Heimatstadt sowie in Lugosch und Budapest und studierte nach dem Abitur 1909 Pharmazie in Berlin, Paris und Klausenburg. 1912-14 praktizierte er in der väterlichen Apotheke, danach leistete er bis 1916 Kriegsdienst. Anschließend studierte er in Berlin, Paris, Lausanne und Wien (u. a. bei J. F. Babinsky, A. Forel und S. Freud) Medizin, Psychologie und Psychiatrie und schrieb u. a. für den „Pester Lloyd“. 1919 verlegte er seinen Wohnsitz nach Wien und schrieb weiterhin für Budapester Zeitungen sowie für die Wiener „Neue Freie Presse“, für „Napkelet“ (Klausenburg, in ungar. Sprache), für das „Siebenbürg.-Deutsche Tageblatt“ (Hermannstadt) und für „Universul“ (Bukarest, in rumän. Sprache). 1922 und 1924 bereiste M. die Sowjetunion, wo er u. a. mit Lenin sprach und Massendemonstrationen filmte. Vor allem rettete er Teile des Nachlasses der damals dort verpönten Schriftsteller Tolstoi und Dostojewski. Gemeinsam mit Friedrich Eckstein gab er 1925 die ins Deutsche übersetzten Lebenserinnerungen der Gattin Dostojewskis heraus. Mit seinem Werk „Geist und Gesicht des Bolschewismus, Darstellung und Kritik des kulturellen Lebens in Sowjet-Rußland“ (1926), seiner Gegenüberstellung von Machtpolitik und Gewaltlosigkeit in „Lenin und Gandhi“ (1927) und dem Buch „Das russ. Theater“ (1927, mit Joseph Gregor) erwies sich M. als einer der damals besten Kenner von Kultur und Politik der Sowjetunion. Teils bewundernd, teils aus kritischer Distanz schrieb er sein in zahlreiche Sprachen übersetztes und in vielen Auflagen erschienenes Buch „Macht und Geheimnis der Jesuiten“ (1929). Sein literarisches Werk, charakterisiert von hintergründiger Komik, spielt meist in seiner Heimatstadt („Caran“).

    Nach ausgedehnten Studienreisen in Europa (u. a. 1926 zum Berg Athos) verließ M. 1935 Österreich und lebte mit seiner zweiten Frau in Paris, Rom, Florenz, London, Oslo und New York. 1939 ließ er sich in den USA nieder. Seit 1952 las er am Dartmouth College in Hanover und seit 1954 am Hunter College in New York.

  • Werke

    Weitere W u. a. Dostojewski am Roulette, 1925;
    Tolstojs Flucht u. Tod, 1925;
    Der unbekannte Dostojewski, 1926;
    Die Beichte e. Juden, 1926;
    Der unbekannte Tolstoj, 1927;
    Der hl. Teufel, Rasputin u. d. Frauen, 1927;
    Raskolnikoffs Tagebuch, 1928;
    Der unnütze Mensch Platonoff, 1928;
    Die Urgestalt|d. Brüder Karamasoff, 1929;
    Unter drei Zaren, Die Memoiren d. Hofmarschallin Elisabeth Narischkin-Kurakin, 1930;
    Die Phantasiemaschine, 1931;
    Das amerikan. Theater u. Kino, 1931 (mit J. Gregor);
    Führer, Schwärmer u. Rebellen, Die großen Wunschträume d. Menschheit, 1934;
    Leo XIII. u. unsere Zeit, Macht d. Kirche, Gewalten d. Welt, 1935;
    Katzenmusik, 1936 (Roman);
    Kampf gegen Schmerz u. Tod, Kulturgesch. d. Heilkde., 1938;
    The Saints who Moved the World, 1945 (dt. 1951);
    Dostoevsky, 1950;
    Endre, 1951 (Erz.);
    Adam, wo bist du?, 1955 (Roman);
    Dehumanization in Modern Society, 1955;
    The Night of the Time, 1955;
    Sankt Franziskus, 1955;
    The Silver Bacchanal, 1960.

  • Literatur

    M. Colpo, R. F.-M., in: Archivum historicum Societatis Jesu, 1964;
    E. Lammert, Gelehrter u. Künstler, R. F.-M., e. Karansebescher, in: Neue Banater Ztg. (Temeswar) 14, 1970, Nr. 2402;
    A. Scherer, Die Lit. d. Donauschwaben als Mittlerin zw. Völkern u. Kulturen, 1972;
    H. Fassel, in: Südostdt. Vj.bll. 40, 1991;
    Kosch, Lit.-Lex. V (unter Fülöp-M.);
    A. P. Petri, Biogr. Lex. d. Banater Dseutschtums, 1992 (W, L, auch zu Edgar u. zu Lothar Unterweger).

  • Autor/in

    Anton Scherer
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Anton, "Müller, Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 467-468 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116845740.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA