Lebensdaten
1777 bis 1857
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Zoologe ; Naturforscher
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116826983 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gravenhorst, Johann Ludwig Christian
  • Gravenhorst, Johann Ludwig Christian Carl
  • Gravenhorst, Johann Ludwig Christian
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Zitierweise

Gravenhorst, Johann Ludwig Christian Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826983.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Conr. Wilh. (1722–87), Brauer, Provisor d. St. Katharinenkirche, S d. Brauers Arend Joh. in Braunschweig u. d. Ilsa Kath. Bokelem;
    M Joh. Maria Sophia (* 1741), T d. Kaufm. Heinr. Gg. Andreas Oldendorp in Braunschweig;
    Berlin 1811 Marianne Chart. (* 1790), T d. Chrstn. Frdr. Eisner (1754–1822), Prof. d. Theol., Prediger d. ref.|Gemeinde u. Kurator d. Friedrichs-Gymnasiums in Frankfurt/Oder, u. d. Carol. Friederica Peltre.

  • Leben

    G. studierte ab 1797 in Helmstedt Jura, ab 1799 in Göttingen Naturwissenschaften, promovierte 1801 in Helmstedt mit einer entomologischen Dissertation zum Dr. phil., erwarb gleichzeitig den Magistergrad, unternahm 1802 eine Studienreise nach Paris und arbeitete anschließend als Privatgelehrter in Braunschweig. Im Winter 1804/05 habilitierte er sich für besondere Zweige der Naturgeschichte in Göttingen, wurde 1808 zum außerordentlichen Professor sowie zum Adjunkten am akademischen Museum ernannt und ging 1810 als ordentlicher Professor der Naturgeschichte und Direktor des Botanischen Gartens an die Universität Frankfurt/Oder. Mit deren Verlegung übersiedelte er 1811 nach Breslau, wo er 1814 durch Überlassung seiner bedeutenden Privatsammlung ein Zoologisches Museum begründete.– Bereits 1806 erwarb sich G. mit der „Monographia Coleopterorum Micropterorum“ einen Ruf als hervorragender Entomologe und ist dann vor allem durch zahlreiche Arbeiten über die Schlupfwespen bekannt geworden, deren Ergebnisse von ihm in einem dreiteiligen Werk „Ichneumonologia europaea“ (1829) zusammengefaßt wurden. Weiterhin beschäftigte er sich mit Studien über Infusionstierchen, Amphibien, Reptilien sowie über einige Meerestiere und veröffentlichte darüber hinaus verschiedene Schriften allgemeiner Natur, unter anderem eine „Vergleichende Zoologie“ (1843) und „Das Tierreich nach den Verwandtschaften und Übergängen in den Klassen und Ordnungen desselben dargestellt“ (1845). In diesen Werken beginnt er, entgegen der damaligen Gepflogenheit, mit der Behandlung der niederen Tiere. – G.s Bedeutung beruht vor allem auf seinen Leistungen als beschreibender Systematiker und auf seiner Tätigkeit als ausgezeichneter Sammler.

  • Werke

    Weitere W u. a. System d. Natur, 1804;
    Vgl. Übersicht d. Linné'schen u. einiger neueren zoolog. Systeme, 1807;
    Grundzüge d. systemat. Naturgesch., 1817;
    Das zoolog. Mus. d. Univ. Breslau, 1832;
    Über d. Gattung Staphylinus, in: Zs. f. d. Entomologie 2, 1840, S. 210-40.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. Ehlers, in: Göttinger Zoologen, 1901;
    H. A. Hagen, in: Bibl. Entomologica, 1862 f. (W-Verz.);
    W. Horn u. S. Schenkung, in: Index Litteraturae Entomologicae II, 1928, S. 452 f. (W-Verz.);
    W. Kükenthal, in: Die Entwickelung d. zoolog. Mus. u. Inst. d. Univ. Breslau, 1904;
    K. Letzner, in: 35. Jber. d. Schles. Ges. f. vaterländ. Kultur, 1857, S. 111-15 (W-Verz.);
    Pogg. I.

  • Autor/in

    Georg Uschmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Uschmann, Georg, "Gravenhorst, Johann Ludwig Christian Carl" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 12 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826983.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gravenhorst: Joh. Ludwig Christian G., wurde am 14. November 1777 in Braunschweig geboren. Er studirte Naturwissenschaften in Göttingen, wurde daselbst 1804 Doctor der Philosophie und Privatdocent und erhielt 1809 eine außerordentliche Professur mit der Stellung eines Unterinspectors des Museums. Aus dieser ersten, Göttinger Zeit stammen die sehr fleißigen Schriften: „Coleoptera microptera Brunsvicensia“, 1802, und „Monographia Coleopterorum micropterorum“, 1805. Im J. 1810 erhielt er einen Ruf als Professor der Naturgeschichte und Director des botanischen Gartens in Frankfurt a. O. und 1811 einen solchen als Professor der Naturgeschichte und Director des zoologischen Museums in Breslau, als welcher er am 14. Januar 1857 starb. Als vorzügliche Früchte seines auch in Breslau auf entomologische Untersuchungen gerichteten Fleißes sind besonders seine Arbeiten über Schlupfwespen anzuführen, als deren Schlußwerk seine in drei Theilen erschienene „Ichneumonologia europaea“ (1829) zu nennen ist. Auch mehrere allgemein zoologische Werke hat er verfaßt, von denen seine vergleichende Zoologie besonders deshalb zu erwähnen ist, als er hier bei einem ziemlich engen Anschluß an Cuvier doch, die Idee der Entwicklung des Thierreichs vom Einfachen zum Zusammengesetzten zum Ausdruck bringend, die Reihenfolge umkehrte und von den niedersten Formen ausging. Dabei offenbart sich aber sein Standpunkt als blos beschreibender Zoolog dadurch sehr treffend, daß er erklärt, er schätze zwar (vergleichend) anatomische Arbeiten ungemein hoch, ein anatomisches Merkmal könne wol auch in zweifelhaften Fällen den Ausschlag über die Stellung eines Thieres geben: im Allgemeinen weist er aber die Anwendung anatomischer Merkmale auf die Classification zurück.

  • Autor/in

    Carus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Carus, Victor, "Gravenhorst, Johann Ludwig Christian Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 616 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826983.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA