Lebensdaten
1783 bis 1852
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Chemiker ; Pharmazeut ; Professor in München ; Hofrat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116821663 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Buchner, Johann Andreas
  • Buchner, A.
  • Buchner, Andreas
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Zitierweise

Buchner, Johann Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116821663.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes, Apotheker in München;
    S Ludwig Andreas s. (2).

  • Leben

    Nach der Promotion an der Erfurter Akademie bei J. B. Trommsdorff übernahm B. 1807 die Stelle eines Oberapothekers bei der Zentral-Stiftungsapotheke der öffentlichen Krankenhäuser Münchens (bis 1818). 1815 begann er auf Veranlassung seines Freundes A. F. Gehlen mit der Herausgabe von „B.s Repertorium für die Pharmazie“, einer sich in der wissenschaftlichen Welt Europas rasch verbreitenden Fachzeitschrift. 1818 wurde er außerordentlicher, 1822 ordentlicher Professor für Pharmazie, Arzeneiformellehre und Toxikologie sowie Leiter des Pharmazeutischen Instituts an der Universität Landshut. Mit Übernahme dieses ersten von der reinen Chemie getrennten Lehrstuhls für Pharmazie in Deutschland begann B.s außerordentlich erfolgreiche akademische Laufbahn, die ihn in die erste Reihe der Vertreter seines Faches stellen sollte. Er reorganisierte die wissenschaftliche Ausbildung des Apothekers und widmete sich medizinischen Studien. Für das Handbuch „Vollständiger Inbegriff der Pharmazie“ (1821 bis 1836) bearbeitete er selbst sechs Bände über Pharmazie, Toxikologie, Physik und Chemie. 1840 kam sein in München errichtetes pharmazeutisches Privatinstitut an die dorthin verlegte Universität. - B.s zahlreiche pharmazeutisch-chemische Arbeiten waren vor allem der Chemie der Pflanzeninhaltsstoffe gewidmet, wobei ihm die Entdeckung einer Reihe von Glykosiden und Bitterstoffen, wie Salizin, Berberin und Lactucin, gelang. Aus Tegernseer Bergöl isolierte er als erster Paraffin; in der Analytik von Mineralwässern und in der Darstellung und Untersuchung von Arzneimitteln war er ein Meister. Seine fachpolitischen Schriften haben entscheidend zur wissenschaftlichen Begründung der Pharmazie beigetragen. - Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1819 Dr. med. h. c. Bonn.

  • Werke

    Weitere W 420 wiss. Abhh. in: B.s Repertorium f. d. Pharmazie, 1815–52;
    Würdigung d. Pharmazie in staatswiss. Beziehung, 1818;
    üb. d. Trennung d. Pharmazie v. d. Heilkunst, 1819;
    längere Zeit Redakteur d. Bayer. Industrie- u. Gewerbebl.

  • Literatur

    ADB III;
    M. v. Pettenkofer, Totenrede, in: Neues Repertorium f. d. Pharmazie 1, 1852, 342 bis 347;
    L. A. Buchner, Zum 104. Geburtstag v. J. A. B., in: Archiv d. Pharmazie 225, 1887, S. 889 ff.;
    Pogg. I (W);
    CSP I;
    Ferchl (W, L).

  • Portraits

    in: W. Prandtl, Gesch. d. chem. Laboratoriums d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1952.

  • Autor/in

    Günter Kallinich
  • Empfohlene Zitierweise

    Kallinich, Günter, "Buchner, Johann Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 706 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116821663.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Buchner: Johann Andreas B., einer der hervorragendsten Lehrer der Pharmacie, geb. zu München am 6. April 1783, ebendaselbst am 5. Juni 1852. Auf dem Gymnasium und Lyceum seiner Vaterstadt tüchtig vorgebildet, führte ihn seine große Vorliebe für die Naturwissenschaften der Pharmacie zu, nach deren Erlernung in einer Apotheke er sich im Jahre 1805 nach Erfurt wandte, um sich in dem damals florirenden pharmaceutischen Institut Trommsdorff's und an der zu jener Zeit noch bestehenden Akademie, wo er sich 1807 den philosophischen Doctorgrad erwarb, weiter auszubilden. Nach München zurückgekehrt, erhielt er 1809 die Stelle eines Oberapothekers bei der damals gegründeten Centralstiftungs-Apotheke für die Spitäler Münchens. Er wurde 1817 Assessor beim königlichen Medicinal-Comité und 1818 Adjunct bei der königlich bairischen Akademie der Wissenschaften, welche ihn 1827 zum außerordentlichen und 1844 zum ordentlichen Mitgliede erwählte. 1818 wurde er zum außerordentlichen Professor der Pharmacie, Arzneiformellehre und Toxikologie an der Universität in Landshut ernannt, wo er in den ersten Jahren neben seinem Lehramte das Studium der Medicin eifrig betrieb. Die medicinische Facultät der damals gegründeten Universität Bonn proclamirte ihn bei ihrer ersten Doctor-Promotion zum Doctor der Medicin und Pharmacie. 1822 wurde er zum ordentlichen Professor der Pharmacie bei der medicinischen Facultät der Landshuter Universität befördert, was ihn bewog, einen damals an ihn ergangenen Ruf an die Universität in Freiburg auszuschlagen. Mit der Verlegung der Universität von Landshut nach München im Herbste 1826 kam B. wieder in seine Vaterstadt, wo er bis zu seinem Tode rastlos für das Lehramt und für die Wissenschaft wirkte. Buchner's „Repertorium für die Pharmacie“ (Nürnb.|1815—51), welches 110 Bände umfaßt, war seiner Zeit die verbreitetste pharmaceutische Zeitschrift in Deutschland. Darin sind die meisten seiner zahlreichen chemischen und pharmaceutischen Arbeiten enthalten, wovon die Entdeckungen des Salicins (krystallisirbaren Bitterstoffes der Weidenrinde) und des Berberins in der Wurzelrinde von Berberis vulgaris hervorzuheben sind. Buchner's Schriften haben viel zur festeren wissenschaftlichen Begründung der Pharmacie beigetragen. Es seien davon erwähnt: „Erster Entwurf eines Systemes der chemischen Wissenschaft und Kunst". 1815; „Würdigung der Pharmacie in staatswissenschaftlicher Beziehung", 1818; „Ueber die Trennung der Pharmacie von der Heilkunst“, 1819; namentlich aber der aus mehreren Bänden bestehende „Vollständige Inbegriff der Pharmacie“, 1821—36, wovon B. selbst sechs Bände verfaßt hat, während er die dazu gehörenden naturhistorischen Theile von anderen Gelehrten bearbeiten ließ. Leider konnte dieses mit allgemeinem Beifall aufgenommene Werk, wovon die meisten Bände in mehreren Auflagen herausgekommen sind, nicht vollendet werden. Auch an der letzten Bearbeitung der Pharmakopöe für das Königreich Baiern hat B. thätigen Antheil genommen.

  • Autor/in

    Buchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchner, "Buchner, Johann Andreas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 487-488 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116821663.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA