Lebensdaten
1746 bis 1817
Beruf/Funktion
satirischer Schriftsteller ; katholischer Pfarrer ; Illuminat ; bayerischer Patriot ; Schulmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116817925 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bucher, Leonhard Anton von
  • Fabianus, P. (Pseudonym)
  • Brandl, Sebastian (Pseudonym)
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Zitierweise

Bucher, Anton von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116817925.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph von Bucher (seit 1745, 1711-74), kurfürstlicher Wappen- und Diplommaler, S des Christoph Puecher, Bilderhändler in München;
    M Maria Barb., T des Ulrich Kindler, kurfürstlicher Reitknecht in München.

  • Leben

    B. besuchte in München das Jesuitengymnasium (1757–63), widmete sich (1763-68) den Studia superiora und wurde 1768 zum Priester geweiht. Den durch seine aufklärerischen Predigten bekannten Kaplan der Heilig-Geistpfarrei in München (1769–71) machte sein damaliger Freund und späterer Gegner, der Pädagoge Heinrich Braun, zum Kommissar der deutschen Schulen. Nach Aufhebung des Jesuitenordens auch Rektor des Gymnasiums in München (1773–77), wirkte B. maßgebend an der Volksschulreform und an der Lateinschulordnung vom 8.10.1774 mit und erhielt 1777 den Titel eines kurfürstlichen geistlichen Rates. Als Braun Leiter des ganzen bayerischen Schulwesens wurde, übernahm B. die Pfarrei Engelbrechtsmünster bei Pfaffenhofen (1778). Dort verfaßte er zahlreiche aufklärerische Schriften, von denen die oft mundartlich gefärbten, von den norddeutschen Vertretern der Gattung unabhängigen Satiren literarhistorische Bedeutung erlangten und den Höhepunkt der bayerischen Aufklärungssatire darstellen. Ziel der oft unsachlichen Polemik B.s sind Jesuiten, Mönche, ungebildete Lehrer und Geistliche, Verweltlichung von Religion und Kultus, Bruderschaften, Wallfahrten, Jesuiten- und Volksdrama. 1783 Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, gehörte B. um 1785 dem Illuminatenorden an, war jedoch um 1800 unter den Führern der bayerischen Patrioten. Im März 1813 zog B. als Benefiziat nach München.

  • Werke

    Sämtl. Werke, hrsg. v. J. v. Klessing, Bd. 1-6, 1819-22 (P), 21835;
    Unveröff. Mss. (Bayer. Staatsbibl., München);
    nicht v. B. ist d. Pragmat. Gesch. d. Schulreformation in Baiern, Frankfurt 1783.

  • Literatur

    ADB III;
    K. Th. Heigel, Der Humorist A. v. B., in: Aus drei Jh., 1881, S. 134-58;
    F. Hacker, A. v. B., in: Altbayer. Mschr. 14, 1917, S. 37-46;
    H. Klüglein, A. v. B. u. d. erste Gruppe seiner lit.-hist. wichtigeren Schrr., Diss. München 1923 (in Auszug gedr., L);
    Frels;
    Kosch, Kath. Dtld. I, S. 274 f.;
    Goedcke V, 1893, S. 551 (W), VII, 1906, S. 549 f. (W, L), XII, 1929, S. 434 (W, L). - Zu V Jos.: ThB.

  • Autor/in

    Max Pauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Pauer, Max, "Bucher, Anton von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 700 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116817925.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bucher: Anton B., geb. 11. Januar 1746 in München, besuchte die humanistische Lehranstalt der Vaterstadt und bezog sodann die hohe Schule zu Ingolstadt, wo er sich für den geistlichen Stand vorbereitete, doch über Dogmatik und Exegese sich den freien Blick der Vernunft nicht verkümmern ließ. Als geweihter Priester kehrte er 1768 nach München zurück und widmete sich als Caplan der Pfarrei zum heil. Geist der Seelsorge. Unter dem fördernden Schutz des milden und aufgeklärten Max Joseph III. entfaltete sich gerade damals jene großartige geistige Regsamkeit, welcher der bairische Volksstamm einen neuen Aufschwung des politischen und socialen Lebens verdankt. Namentlich das Schulwesen wurde durch die segenvollsten Reformen rasch gehoben. In den Kreis, der auf diesem Gebiete thatkräftig wirkenden Gelehrten trat auch B. ein. Er wurde zur Commission beigezogen, die 1774 zur Reform der Volksschulen zusammentrat, und verfaßte selbst einige Lehrbücher. Als ihm auch trotz seiner Jugend das Rectorat des Münchener Gymnasiums übertragen wurde, suchte er alles Treibhausartige aus der Anstalt zu verbannen und diese so umzugestalten, daß die Schüler wirklich für das Leben und Wirken in der Welt vorbereitet würden. Zeugniß davon, wie ungetrübt sein Sinn durch Standesvorurtheile, gibt eine 1778 öffentlich gehaltene Rede, worin er die Abneigung so vieler Eltern, ihre Kinder für den Bürgerstand zu erziehen, streng tadelt, und nicht minder den Amtsmißbrauch vieler geistlicher Lehrer, die den Unterricht dazu benützen, ihre Zöglinge dazu aufzumuntern, in den geistlichen Stand zu treten. Diese Rede rief aber auch einen Sturm des Unwillens von Seite derjenigen hervor, die sich getroffen fühlten, namentlich der Exjesuit Gruber schrieb fulminante Episteln gegen den Aufklärer. Max Joseph, gut und verständig, aber ein Freund des Friedens, gab seine Einwilligung zur Entfernung Bucher's von seinem Posten, entschädigte ihn jedoch durch Verleihung der einträglichen Pfarrpfründe zu Engelbrechtsmünster. Wenn aber die Feinde des Gelehrten darauf gerechnet hatten, ihn durch die Versetzung unschädlich zu machen, so hatten sie sich getäuscht.|B. benutzte von nun an die Muße, die ihm sein Seelsorgeramt ließ, zu schriftstellerischen Arbeiten und entsandte in den nächsten Jahren aus seinem unbeachteten Pfarrhause eine Reihe von satirischen Schriften, die mit unerbittlicher Strenge das Wesen des Jesuitismus in Baiern und die durch ihn hervorgerufenen Uebelstände bloslegten. Obwol schon Jean Paul in der Vorrede zur Geschichte der Aesthetik seinen Witz und seine Beobachtungsgabe, die ihn einem Abraham a santa Clara würdig zur Seite stellen, rühmend hervorhob, sind seine Schriften nicht nach Gebühr bekannt geblieben, hauptsächlich deshalb, weil sie ihres specifisch süddeutschen Charakters halber im Norden nie große Verbreitung fanden, in Süddeutschland, soweit dies möglich war, unterdrückt wurden. Zuerst erschien „Pangraz, Geschichte eines Bürgersohnes“, eine Satire auf das Schulwesen in Baiern. In den „Jesuitenbiographien“ sind seine Erfahrungen über die Casuistik und Doctrin der Jesuiten in Baiern niedergelegt, ebenso in den „Auserlesenen miraculosen Tropfen vom sal sapientiae, abgezogen aus dem litterarisch-marianischen Bronnen der Gesellschaft Jesu“ und im „Allerneuesten jesuitischen Eulenspiegel“. Die drei letztgenannten Schriften wurden erst aus seinem Nachlaß von Klessing herausgegeben. Dagegen veröffentlichte B. selbst mehrere volksthümliche Satiren, Bilder aus dem abergläubischen und scheinheiligen Treiben der perschiedenen Gesellschaftskreise, in welchen freilich Gotthelf'scher Realismus noch überboten ist. Hieher gehören „Das Portiunkulabüchlein", worin er die Tetzel seiner Zeit angreift, „Der Entwurf einer ländlichen Charfreitagsprocession“, „Die Kinderlehre auf dem Lande“ u. a. 1813 legte B. seine Stelle nieder und zog nach München, wo er am 11. Januar 1817 starb.

    • Literatur

      Bucher's gesammelte Werke, herausgegeben von Klessing 1819. I. Band. Einleitung. — Ersch u. Gruber, I. Section. XIII. Bd. S. 298. — Baader, Das gelehrte Baiern. I. S. 162.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Bucher, Anton von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 476-477 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116817925.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA