• Genealogie

    V Franz Felix (* 1834), Hutmachermeister, S d. Hutfabr. Gg. Ludw. Gottlieb u. d. Dorothee Carol. Bang;
    M Antoinette Wilh. Charl. Joh. (* 1838), T d. Konsistorialpedellen Heinr. Wilh. Bente u. d. Marie Sophie Conradt; ledig.

  • Leben

    G. begann als klassischer Philologe (1890 Promotion in Göttingen), und quellenkritischen Arbeiten und Editionen sind auch seine ersten Publikationen gewidmet. Aber daneben zeigten sich schon früh archäologische Interessen, sie gewannen die Oberhand bei einem durch Krankheit erzwungenen Aufenthalt in Italien (1891–1900). Schon während des Studiums hatte ihn K. Dilthey auf die Konsulardiptychen hingewiesen; W. Meyer aus Speyer überließ ihm damals sein einschlägiges Material. Ihnen wendete sich jetzt G.s ganze Aufmerksamkeit zu. Noch fehlte es an großen Materialsammlungen. Auf ausgedehnten Reisen in England und Italien sammelte er zunächst die frühchristlichen und mittelalterlichen Stücke einschließlich der byzantinischen, später die paganen Reste. Zahlreiche Einzeluntersuchungen wuchsen aus dieser Sammeltätigkeit hervor, über Gattungen, über Einzelthemen (Inder), über das Nachleben antiker und frühchristlicher Themen auf mittelalterlichen Elfenbeinen. Damals reifte der Plan einer Sammlung byzantinischer Elfenbeinkästen mit antiken Stoffen. Das Nachleben antiker Stoffe war es auch, das ihn zur Beschäftigung mit der Handschriftenmalerei führte (Wiener Genesis, Josuarolle). Die Rückkehr nach Deutschland (1900 als Direktorialassistent am Kestner-Museum in Hannover, 1903 als Direktor des Provinzialmuseums in Trier) brachte neue Denkmäler in seinen Gesichtskreis. Aber dahinter blieb die Beschäftigung mit dem antiken Elfenbein. Als G. 1905 an den Folgen einer Operation starb, fand sich in seinem Nachlaß ein unvollendetes Werk über heidnische Diptychen. Ein Manuskript über Pseudodiptychen blieb unauffindbar. R. Delbrück, der die fertigen Teile der „heidnischen Diptychen“ herausgab, hat später ihre Sammlung in größerem Rahmen zu Ende geführt, ebenso wie Plan und Vorarbeiten zu einer Sammlung der Sternkästen in dem größten Corpus der mittelbyzantinischen Elfenbeine von A. Goldschmidt und K. Weitzmann aufgingen.

  • Werke

    u. a. Cornuti artis rhetoricae epitome, 1891;
    Entstellte Konsulardiptychen, in: Mitt. d. archäol. Inst. in Rom 7, 1892, S. 204-21;
    Heidn. Diptychen, ebd. 28, 1913, S. 198-304;
    Antike Vorlagen byzantin. Elfenbeinreliefs, in: Jb. d. kgl. preuß. Kunstslgg. 18, 1897, S. 1-21;
    Frühchristl. u. ma. Elfenbeinwerke in photograph. Nachbildungen, Ser. 1, 1898, 2, 1900;
    Il rotulo di Giosue, in: L'arte 1, Rom 1898, S. 221-30;
    Ein altchristl. Silberkasten in d. Mailänder Kirche San Nazaro, in: Zs. f. christl. Kunst 12, 1899, S. 1-16;
    Ber. üb. d. Vorarbb. zu e. Gesamtpubl. d. byzantin. Elfenbeinkästchen mit antiken Typen, in: Nachrr. d. Göttinger Ges. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 1900, S. 22 f.;
    Typen d. Wiener Genesis auf byzantin. Elfenbeinreliefs, in: Jb. d. Kunstslgg. d. allerhöchsten Kaiserhauses 21, 1900, S. 91-117;
    Fragment e. frühchristl. Bischofstuhls im Provinzialmus. zu Trier, in: Bonner Jbb. 105, 1901, S. 147-63;
    Antike-Schnitzereien aus Elfenbein u. Knochen in photograph. Nachbildungen, Ser. 1, 1903.

  • Literatur

    Schuchardt, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen, 1905, S. 539 f.;
    Th. Preger, in: Jber. f. Altertumswiss. 136, 1907, S. 73-82 (W, L);
    BJ X (Tl. 1905, L).

  • Autor/in

    Johannes Kollwitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kollwitz, Johannes, "Graeven, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 718 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116814217.html#ndbcontent

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